Ein Fahrrad für die Flussgötter

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Ein Fahrrad für die Flussgötter

Anne Will (Vorwort). A1 Verlag 2010, Gebundene Ausgabe, 224 Seiten, € 19,80

Rezension von: B.Agada | Rezensionsdatum:

Ein Fahrrad für die Flussgötter: Reportagen aus Afrika von

Inhalt
In ihrem Buch „Ein Fahrrad für die Flussgötter“ lässt die langjährige ARD-Korrespondentin Birgit Virnich die Afrikaner selbst zu Wort kommen. Dabei geht es ihr nicht um Klischees und negative Schlagzeilen sondern um Begegnungen mit den Menschen und ihren Schicksalen.

Von Frauenfußball und Elefantenumzügen in Kenya
In Kenya, abseits von Safaris und weißen Sandstränden am Indischen Ozean, lebten jahrelang Kikuyu, Luos und Luya friedlich zusammen, aber nach der Präsidentschaftswahl 2007 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen. Frauen wurden bei ihrer täglichen Hausarbeit von Polizeikugeln getroffen, Männer brutal ermordet. In Kibera, dem „größten Slum Ostafrikas“ wollten die Frauen den Gräueltaten ein Ende setzen und machten sich auf den Weg quer durch die Stadt zur Bezirksverwaltung, um zu demonstrieren. Seitdem treffen sich jeden Samstag die Frauen, diskutieren, besprechen Alltagsprobleme und spielen sogar Fußball zusammen. Sie organisieren sich und helfen einander auch bei finanziellen Problemen. So konnten sie einen Gemüsestand kaufen und kleine Gartenparzellen anlegen. Rund 2 Millionen Kenianer leben in den Slums rund um Nairobi.

Im bekannten kleinen Nationalpark Shimba Hills, unweit der Strände von Mombasa, müssen rund 400 Elefanten umgesiedelt werden. Sie dezimieren die Vegetation derart, dass sie kaum nachwachsen kann. In einem aufwendigen Projekt hat der „Kenya Wildlife Service“ einen „Containerservice“ eingerichtet, so dass ganze Elefantenfamilien in den Tsavo Nationalpark umgesiedelt werden können. Denn wenn ein Familienmitglied fehlt, könnte die Leitkuh wieder den Rückweg antreten.

Von viel Elend und einer Hochzeit in der Sahara

Mit dem Flüchtlingshelfer Emanuel und ihrem Team reist Birgit Virnich in den Norden des Tschad an die Grenze des Sudan. Seit 2003 herrscht Krieg in Darfur und die Flüchtlinge in den Lagern erleiden ein unvorstellbares Schicksal. Für das Öl und die Bodenschätze im Süden des Landes vertreibt die Regierung die Bevölkerung aus ihren Dörfern und Städten. Für die Hilfsorganisationen wird die Arbeit immer schwieriger und komplizierter. Die dramatische Situation dokumentiert die Autorin in dem Beitrag „Schrei in der Wüste“.

Schreie anderer Art erlebt Birgit Virnich in Mali, nämlich Jubelschreie, als sie mit dem Chauffeur Ahmed in seine Heimatstadt Timbuktu fährt, um an einer Tuareg-Hochzeit teilzunehmen. Verwandte aus der Umgebung treffen sich in der Wüste und feiern traditionell mit Kamelrennen und Teezeremonie. „Die Freiheit, einfach irgendwo unter freiem Himmel zu übernachten, gibt es sonst nirgendwo auf der Erde“ meint der Targi Ahmed.

Einfühlsame Reportagen
Neunzehn Reportagen mit einem Vorwort von Anne Will, der Sprecherin der Tagesthemen, die sich ebenfalls für Afrika einsetzt, zeigen den Kontinent abseits der allgemeinen Nachrichten, die oft mit Negativem behaftet sind. Die Geschichten hat Birgit Virnich aus den Ländern Äthiopien, Burkina Faso, Eritrea, Kenya, Kongo, Liberia, Mali, Mauretanien, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sudan, Tschad und Südafrika mitgebracht und sie sind mit Schwarzweiß-Bildern ergänzt. Besonderes Augenmerk lenkt die Autorin mit drei Beiträgen auf den Kongo. Sie beschreibt unter anderem die schwierige Situation von Kindersoldaten, die wieder zu ihren Eltern zurückkehren. Der mächtige Kongofluss verlangt von den Benutzern Opfer für eine gute Fahrt, zuweilen kann es auch ein Fahrrad sein. Für ihren mutigen Journalismus wurde Birgit Virnich mit ihrem Film „Kongofieber – Mythos eines Stroms“ für den Grimme Preis nominiert.

Die Autorin
Birgit Virnich war von 2002 bis 2008 in Nairobi als ARD-Korrespondentin tätig und besuchte rund 40 Länder in Afrika. Sie wurde in Essen geboren, ging in Südafrika zur Schule, studierte Journalismus, Film und internationale Politik in Kanada, den USA und Großbritannien. Sie arbeitet als Autorin und Redakteurin beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) und lebt mit ihrer Familie in Köln.

Fazit
Mit viel Einfühlungsvermögen begegnet die Autorin den Menschen in den bereisten Ländern und nimmt an deren Leben teil. Ein empfehlenswertes Buch mit einem etwas anderen Blick auf Afrika.

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