Ein Hippie-Traum: Die Autobiographie Waging Heavy Peace

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Ein Hippie-Traum

Stefanie Jacobs (Übersetzer). Kiepenheuer&Witsch 2012, Gebundene Ausgabe, 480 Seiten, € 9,99

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

: Ein -Traum: Die Autobiographie Waging Heavy Peace

Herz aus Gold

Welche lebende Rocklegende ist auf diesem Planeten immer noch aller Ehren wert. Pete Townshend? Das Who-Mastermind ist pädophil und auditiv abgestürzt. Die Stones? Ein lachhafter Haufen von Peinlichkeiten. Page and Plant? Interessant, aber so echt wie damals nicht mehr zur Verfügung. Da der große Rest bereits das Zeitliche gesegnet hat, bleiben nur noch Bob Dylan und Neil Young. Und da ersterer medial so omnipräsent ist, lassen wir den ehemaligen Frontman von Buffalo Springfield den Status der letzten Legende zuzukommen. Wie schön, dass nun auch in Deutsch seine aktuelle Autobiographie vorliegt.

Der übersetzte Hippie-Titel ist vielleicht ein bisschen irreführend, denn es ist weniger ein Hippie-Traum, sondern vielmehr eine Hippie-Realität, die Young in zahlreichen Episoden von ganz klein bis heute beschreibt. In loser Reihenfolge, ohne chronologischen Sinn und überhaupt ohne Struktur. Das mag den wissenschaftlichen Systematiker erschrecken, den echten Fan aber kann dies nur beglücken – Neil Young ist immerhin Musiker von Weltformat ohne wirklich Noten lesen zu können.

Der Nordamerikaner mit indianischen Wurzeln ist nicht nur aufgrund seines Ursprungs eine Besonderheit (und zwar eine äußerst rare, oder welche indianischen Halbbrüder haben sonst noch Prominentenstatus in unserer Zeit?), sondern vor allen Dingen aufgrund seines epochalen musikalischen Schaffens. After the Goldrush, Harvest oder Freedom sind nur drei der großartigsten Alben der Musikgeschichte, multiinstrumental eingespielt vom Mastermind himself zumeist kongenial unterstützt von seiner Band Crazy Horse.

Die schriftliche Ausfertigung seiner Lebensbeichte ist so belanglos wie typisch. Die Übersetzer haben sich gleich zu dritt an dem schnoddrigen Englisch versucht; man merkt, dass dieses Alltagsenglisch nur schwerlich ins Deutsche zu übersetzen war, zu hilflos purzeln die Wörter in den Sätzen umher, zu unspannend ist der Handlungsstrang. Aber das ist gar nicht problematisch, sondern echter Neil Young, der so wirklich herzerfrischend authentisch daherkommt.

In einer Episode berichtet er, ohne dass eigentlich etwas Anheischendes passiert, wie er mit seinem Vater in frühester Kindheit Zeitungen ausgetragen hat. Dass er sie frühmorgens um sechs Uhr abgeholt hat und sein Vater, ein Schriftsteller, in den Zeitungen selbst vertreten war. Okay, und das wars dann auch an inhaltlicher Würze.

Diese Naivität zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Ein Hin und Her der Zeiten und Menschen, dazu die große Vorliebe, kindlich einfach offenbart, für alte Autos und Modelleisenbahnen. Neil Young spricht wie der Drittklässler der Montagsmorgens von seinem Wochenende in der Schule berichtet. Schlimm? Nicht, wenn man wirklich wissen will, was in ihm vorgeht und nicht ein prosaisches Kunstverständnis daraus machen will.

Fazit:

Ein unterhaltsames, ganz einfaches Büchlein (naja, immerhin fast 500 Seiten stark) über einen – so scheint es – ganz normalen Menschen, der erst vor kurzem aufgehört hat zu kiffen. Mit knapp 65 also. So was hört man doch gerne, zumindest aus Sicht des wirklichen Lebens, aus Sicht eines Unternehmers, der wie wir alle vor so große Probleme gestellt ist im Umgang mit der Bürokratie. Einfach mal rein lesen und sich verbrüdern.

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