Ein Tag mit Herrn Jules

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Ein Tag mit Herrn Jules

Isabel Hessel (Übersetzer). Rowohlt Taschenbuch Verlag 2006, Taschenbuch, 96 Seiten, € 6,00

Rezension von: lilo05 | Rezensionsdatum:

Ein Tag mit Herrn Jules von , übersetzt von Isabel Hessel

Eine wunderschöne, emotionale und gar nicht kitschige Geschichte über das Leben, die Liebe und das Abschiednehmen vom geliebten Partner. Alice und Jules sind über 50 Jahre verheiratet, als Alice ihren Mann eines Morgens tot auf dem Sofa findet. Sie wählt für sich eine ganz persönliche Form des Adieu-Sagens…

Allmorgendliche Rituale

Allmorgendliche Rituale, wer kennt sie nicht? Auch Alice und Jules pflegen solche und geben damit ihrem gemeinsamen Leben Sicherheit: während Alice am Morgen nach dem Aufwachen noch eine halbe Stunde Dösen im Bett genießt, bereitet Jules unten in der Küche den Kaffee und deckt den Frühstückstisch.

Als Alice jedoch an diesem Tag nach unten kommt und es so gut nach Kaffee riecht, findet sie Jules auf dem Sofa sitzend mit Blick zum Fenster. Sie redet mit ihm über den frisch gefallenen Schnee und merkt erst einen Augenblick später, dass Jules sie an diesem Morgen nach dem Kaffee kochen für immer verlassen hat.

Alice entscheidet

An dieser Stelle geschieht etwas Entscheidendes in diesem Roman. Der Moment des Realisierens „Was ist eben gerade mit meinem Leben geschehen?“ wird sehr authentisch beschrieben. Zentimeter um Zentimeter arbeitet sich das Bewusstwerden um den Tod ihres Mannes in Alice voran. Diesen Prozess möchte sie nicht abrupt unterbrechen, indem sie ihren Sohn anruft, um ihm die traurige Nachricht mitzuteilen oder indem sie das Bestattungsunternehmen anruft und die ganze Nach-Todes-Maschinerie in Bewegung setzt. Sie entscheidet sich dafür, diesen Tag noch mit Jules zu verbringen und sich so von ihm zu verabschieden.

Alice lässt Revue passieren

Alice redet mit Jules endlich über eine totgeschwiegene Affäre, die er mit einer Kollegin gehabt hat und von der sie die ganzen Jahre gewusst hat. Sie berichtet von dem gemeinsamen Hotelaufenthalt in Paris, dem Verlust ihres ersten gemeinsamen Kindes, von ihren Kindertagen und verarbeitet ihren Seelenbalast auf diese Weise. Nun könnte man meinen, dass das Ganze nur ein Monolog ist – das ist es aber nicht. Sie bezieht Jules ein, wie er da sitzt und sich immer weiter von ihr entfernt, wie er langsam erkaltet und erstarrt.

Die Autorin zeichnet ein sehr realitätsnahes Bild vom Tod und seinen unmittelbaren phyischen Folgen – jedoch ohne abzuschrecken.

David

Ein weiteres Ritual in ihrem Leben war die allmorgendliche Schachpartie um 10 Uhr mit dem autistischen Nachbarskind David. Alice sieht ihren „Plan für den Tag“ in Gefahr, den David mit seiner Anwesenheit in der Wohnung zerstören könnte. David bemerkt sofort, dass Herr Jules tot ist, geht damit sehr unerschrocken und sachlich um und spricht fortan nur noch von Herrn Jules lebloser „Hülle“.

Fazit

Die Autorin bedient kein Klischee, sie erzählt sachlich und dennoch gefühlsbetont und lässt den Leser in einer seltsamen Ruhe und Stille zurück. Absolut empfehlenswert!

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