Ende der Durchsage: Gedichte

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Ende der Durchsage

Carl Weissner (Übersetzer). KiWi-Taschenbuch 2012, Taschenbuch, 736 Seiten, € 14,99

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Charles : Ende der Durchsage

des Abgrunds

Die Malocher werden seine nicht anrühren. Die Malocher stehen morgens um fünf Uhr auf und verstehen nicht, wie sich manch einer zu der Zeit von der einen auf die andere Seite dreht, die Sonne von den Augen auf den Rücken scheinen lässt.

Nicht in Glanz, nicht in Seide, manchmal noch nicht einmal in einem Bett.

Abgestandene Essensreste, geleerte Tablettenschachteln, schales Bier, zertrümmerte Whiskeyflaschen und überquellende Aschenbecher: Willkommen in der Welt von Charles Bukowski, dem größten Anarcholiteraten, den die schreibende Kunst je hervorbrachte.

Nicht weil er so anders war, sondern weil er so gut war.

Seine Gedichte belegen das wirkliche Leben des Autors selbst. Lumpiger Postangestellter, dreckiger Hafenmitarbeiter, lohnarmer Literat: Faulheit, Suchtproblematiken, Pferderennbahnen, Prostituierte, Krankheiten und soziales Elend – Bukowski beschönigt nichts, packt aus, was er hat.

Er macht dies auf eine so sympathische, rücksichtslose, aber immer poetisch feine Art und Weise, das Rümpfen erlaubt, Staunen aber immer parallel vonstatten geht, vor allem und eindringlich in seiner .

Bei KiWi-Paperback gibt’s jetzt vier ursprünglich einzelne Gedichtbände in einem monumentalen Werk von über 700 Seiten!

Kamikaze-Träume, ein absoluter Klassiker, aus Bukowskis early years, dazu Die letzte Generation und auf dem Stahlross ins Nirwana aus den 1980er Jahren und das erst nach seinem Ableben veröffentlichte Umsonst ist der Tod, in denen Hank (einer seiner selbst titulierten Spitznamen) ein wenig reifer, ja sogar nachdenklicher daherkommt.

Der Rest ist pures Vergnügen am Niedergang, Klagen auf selbstverantwortlichem Niveau, Degenration in lyrischer Schönheit.

Geboren in Deutschland 1920, wanderte er schon drei Jahre später in die Geburtsstadt seines Vaters, das sonnig-berüchtigte Los Angeles, das neben den anderen Szenestädten Frisco, New Orleans oder St. Louis Bukowskis persönliche und literarische Heimat ist.

So wie man mit den drei Fragezeichen die Küsten von Santa Barbara abradeln kann, so schnell wird einem die Pferderennbahn in Malibu heimisch; gemeinsam lohnt sich der Besuch mit den Antihelden, die immer verlieren, dies aber Dank der Kunstfertigkeit des Autors so nachvollziehbar tun.

In diesen Gedichten und auch sonst in seinem Leben ließ Bukowski die Regeln außen vor: einfache, kurze, leicht verständliche Sätzen ohne Reimstruktur, ohne Rhythmus, mit kleinen, feinen Absätzen – der Inhalt ist entscheidend.

Fazit:

Wer nie auf der Schattenseite des American way of life gestanden hat, wird hiermit nichts anfangen können; er wird die Nase rümpfen, den Magen umdrehen und sich selbst mit dazu.

Wer Zigaretten anzünden und warten kann, wer mal süchtig nach Liebe, Glücksspiel und Drogen war und wer den Wuschelkopf in den Nacken werfen kann, dem Wind lauschen, während draußen die Presslufthämmer einen irrsinnigen Lärm verursachen, der sollte sich ab und an immer mal wieder ne kleine Prise Bukowski gönnen – sie macht glücklich und ehrlich.

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