Es war schön

Autorenwertung
  • Sound
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  • Instrumentalisierung
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  • Stimme
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  • Texte
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  • Hörspaß
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  • Gesamt
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Rezension von: michaelkrause2 | Rezensionsdatum:

VON WEGEN ROCKERRENTE!

Die Band:

Die Puhdys sind derzeit Deutschlands dienstälteste Rockband. Seit 1969 machen Dieter „Maschine“ Birr (Gitarre, Gesang), Dieter „Quaster“ Hertrampf (Gitarre, Gesang) und Peter „Eingehängt“ Meyer (Keyboards, Saxophon) zusammen Musik. Ergänz werden sie von Schlagzeuger Klaus Scharfschwerdt, der seit 1979 dabei ist und von Peter „Bimbo“ Rasym am Bass, der 1997 das Gründungsmitglied Harry Jeske ersetzte, der aus gesundheitlichen Gründen ausstieg. Die Puhdys sind einer der erfolgreichsten Rockbands der DDR, die auch in Westdeutschland große Erfolge feiern konnte. Mit dem Song „Wenn ein Mensch lebt“ gelang ihnen 1973 der Durchbruch. In den Jahren folgten weitere Hits wie „Alt wie ein Baum“ oder „Rockerrente“. 1981 gaben sie ein umjubeltes Konzert in der Westberliner Waldbühne. Auch nach der Wende waren sie weiter aktiv. Vor allem ihre ungeheure Livepräsenz ist in Deutschland beispiellos. Am 19.06. feierten sie ihr 3000. Konzert wieder in der Waldbühne, am 01.01.2009 starteten sie mit einem dreistündigen Konzert in der Berliner 02-World ihre Tour zum 40jährigen Bühnenjubiläum.

Das Album:

Für ihr neuestes Album haben sich die Rockrentner relativ viel Zeit gelassen. Mehr als drei Jahre sind seit dem letzten Album vergangen und natürlich fragt man sich, ob eine Band im 43.Jahr ihres Bestehens noch was Innovatives veröffentlichen kann. Jetzt liegt das fertige Werk vor und umfasst einschließlich der eröffnenden Ouvertüre 13 Songs. Schon die erste Single „Es war schön“ deutete an, das hier etwas ganz Großes auf den Hörer zukommt. Und genau so ist es! Schon nach dem ersten Hören fällt es schwer, nicht in Jubelarien auszubrechen. Als roten Faden haben sich die Puhdys das Thema „Schiffsreise“ ausgesucht. Fast alle Titel haben dazu einen inhaltlichen Bezug, wobei die Schiffsreise oft auch als Metapher für das Leben gesehen werden kann.

Nach der „Schiffsouvertüre“ gibt es mit „Unser Schiff“ ein Musterbeispiel für den Sound der Puhdys: handgemachte, ehrliche Musik, ohne jeden Blick auf die Charts. Die Band konnte sich nur deshalb so lange halten, weil sie sich immer treu geblieben sind und nie auf den schnellen Charterfolg geschielt haben. Schnelle Tracks wie „Draußen warten die Sterne“, ein Song mit einer tollen Geige im Hintergrund, oder „Einfach Leben“, ein typischer Puhdys-Stampfer mit hoher Mitsing-Garantie, wechseln sich mit ruhigen Songs ab. Diese überwiegen auf dem Album, ohne dieses langsam oder gar langweilig zu machen. Im Gegenteil: Hier findet man die wahren Perlen. „Wenn ein Mensch“ setzt inhaltlich ihren Hit „Wenn ein Mensch lebt“ fort, ohne es an Eigenständigkeit mangeln zu lassen. „Für dich lebe ich“ ist eine herrliche Liebeserklärung ohne Kitsch und Pathos und „Ein Lied, das nicht vergisst“ setzt sich thematisch mit der Altersdemenz auseinander.

Als Sänger dominiert Dieter Birr das Album und ist stimmlich voll auf der Höhe. Nur einmal verlässt der Kapitän die Brücke und übergibt das Mikro an seinen zweiten Mann Quaster. Der dankt es bei „Die Welt ist ein Wunder“ mit einer flotten Nummer und einem tollen Gitarrensolo.

Es ist schwer bei diesem Album einen Song herauszuheben, da wirklich alle auf einem hohen Niveau sind. Trotzdem schwebt der Titelsong „Es war schön“ über allen anderen. Eine Textzeile wie „Winde dreh´n, Menschen geh´n, was war kann uns keiner mehr nehmen“ ist, so schlicht wie sie daherkommt, für die Ewigkeit gemacht.

Trackliste:

01 – Schiffsouvertüre

02 – Unser Schiff

03 – Draußen warten die Sterne

04 – Es war schön

05 – Hoffnung

06 – Die Welt ist ein Wunder

07 – Wenn ein Mensch

08 – Für dich lebe ich

09 – Einfach leben

10 – Heut´ist wieder so ein Tag

11 – Wieder zu Hause

12 – Ein Lied, das nicht vergisst

13 – Aus der Tiefe des Herzens

 

Fazit:

Im Spätherbst ihrer Karriere legen die Puhdys das vielleicht beste Album ihrer langen Karriere vor. Wo andere Bands ihren Sound verwalten oder versuchen, sich unheilig neu zu erfinden, konzentrieren sich Maschine, Quaster, Bimbo, Eingehängt und Schlagmann Klaus Scharfschwerdt auf das was sie können und was sie lieben: gemeinsam zu musizieren. Mit einem Sound, der nur nach einer Band klingt: den Puhdys. Ist die Musik auf dem Album schon eine Klasse für sich, sind es die Texte, die „Es war schön“ zu einem Meilenstein machen. Hier spiegelt sich die Lebenserfahrung der Musiker wieder. Während man bei oft um die Ecke denken muss, werden hier Geschichten erzählt, mit denen sich jeder Hörer sofort identifizieren kann. Als Lohn winkte mit Platz 14 die bisher höchste Chartplatzierung. Angesichts der Qualität des Albums ist dies zwar 13 Plätze zu niedrig, aber ein Beweis dafür, das die Band trotz der zahlreichen Lebensjahre noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Wer auch nur entfernt etwas für deutschsprachige Musik übrig hat, muss dieses Album haben!

 

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