Es waren viele Pferde

Autorenwertung
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  • Gesamt
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Es waren viele Pferde

Michael Kegler (Übersetzer). Assoziation A 2012, Taschenbuch, 160 Seiten, € 12,00

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Es waren viele Pferde

Inhalt

Es waren viele Pferde, aber an ihre Fellfarben, ihre Blessen, ihr Aussehen erinnert sich niemand mehr. São Paulo, die brasilianische Megacity, hat etwa 22 Millionen Einwohner, arme und reiche, und an sie erinnert sich niemand. In 69 kurzen und kürzesten Geschichten lässt Ruffato einige zu Wort kommen, berichtet über andere, zitiert Seiten aus Erotikangeboten oder Stellenanzeigen und erstellt so ein Kaleidoskop der Stadt. Dieser Moloch São Paulo kommt nie zur Ruhe, Ruffato erzählt, als würde er mit der Fernbedienung von einemLeben zum nächsten zappen, mitten drin ist plötzlich Ende, mitten im Satz beginnt eine neue Sequenz. Das Gequatsche eines Taxifahrers, Gedanken über eine Ehe am Ende, ein reicher Waffenschieber, der seinen Sohn von der Schule abholt, der in Lethargie versinkende Arbeitslose, der schwarze Favelajunge ohne Chance, der Boxer, der fürs Verlieren bezahlt wird, die Gangster, saturierte Ex-Revolutionäre, die Hure, Auszüge aus dem Heiligenkalender und einer Speisekarte: 69 Shortcuts, atemlos, teils ohne Punkt und Komma, als Gedankenfluss, als Zustandsbeschreibung und das Wetter gibt es auch noch. Luiz Ruffato clickt sich durch seine Stadt, lauscht mal hier und mal da, beschreibt, wie das Baby von einer Ratte angenagt wird und schon zu schwach ist, um noch zu schreien, während die große Schwester hustet und die Mutter anschafft, die junge Schöne, die so gern Sängerin würde. Beschreibt, wie viel Gewalt, wie viele sinnlose Morde es gibt, wie locker die Schusswaffen stecken und auch die vielen kleine Sorgen kleiner Leute. Das ist  – jede – Großstadt, aber das ist auch ganz besonders São Paulo, Brasilien.

Luiz Ruffato lebt in São Paulo, immer noch und trotzdem. Es waren vielePferde ist sein erster Roman, danach hat er  über sechs Jahre an einerTrilogie gearbeitet mit dem pragmatischen Titel Provisorische Hölle. Ab 2013 werden die drei Bände nach und nach auch bei der erscheinen, noch mehrNachrichten aus der Hölle Brasiliens.

Der Autor

1961 wurde Luiz Ruffato geboren,  im Bundesstaat Minas Gerais. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und arbeite zuerst in einer Reihe Gelegenheitsjobs, bis er ein Studium der  Kommunikationswissenschaften abschließen konnte und als Journalist arbeitete. 2001, nach einem ersten Kurzgeschichtenband, erschien sein erster Roman Es waren viele Pferde. Der Roman wurde von der Kritik und von den Lesern enthusiastisch aufgenommen und mit mehreren renommierten Preisen ausgezeichnet. Er gilt gerade wegen seiner ungewöhnlichen Form als seinem Beobachtungsobjekt angemessener Großstadtroman, als mutige neue Stimme.

Fazit

Der Verlag schreibt in seiner Werbung: „Mit fast paranoider Präzision gelingt es dem Autor, das Elend und die Angst, die Verlogenheit und den Schmerz, den Klang und die Farben der 22-Millionen-Stadt poetisch exakt zu erfassen. ..“ Die Facetten einer kranken, zerrissenen, gewalttätigen, sich verzweifelt nach einem kleinen Glück sehnenden Gesellschaft, aufgeschrieben als seien es Fernsehbilder, durch die sich ein hysterisch-atemloser Beobachter hindurchzappt. Anstrengend, einfühlsam und lesenswert.

 

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