Feuchtgebiete

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Feuchtgebiete

Charlotte Roche. Ullstein 2011, Taschenbuch, 220 Seiten, € 9,99

Rezension von: lillie0789 | Rezensionsdatum:

von

Inhaltsangabe

Nach einer missglückten Intimrasur liegt die 18 – jährige Helen auf der Inneren Abteilung von Maria Hilf. Sie wartet auf den Besuch ihrer geschiedenen Eltern, in der Hoffnung, die beiden könnten sich am Krankenbett der Tochter endlich versöhnen. Unterdessen nimmt sie jene Bereiche ihres Körpers unter die Lupe, die gewöhnlich als unmädchenhaft gelten, und lässt Krankenpfleger Robin die Stellen fotografieren, die sich ihren neugierigen Blicken entziehen. Nebenher pflegt sie ihre Sammlung von Avocadokernen, die ihr auch in sexueller Hinsicht wertvolle Dienste leisten. Selbst, wenn Helens Bessenheit eine Notoperation nötig werden lässt – ihr ungestümer Witz und ihre Wahrhaftigkeit machen sie zu einer Sensation nicht nur auf der Station des Krankenhauses. Sie spricht aus, was andere nicht einmal zu denken wagen.

Kein Buch für schwache Mägen

Schon der erste Satz in Kapitel eins ist Fragwürdig

„Solange ich denken kann, habe ich Hämorrhoiden“

Eines wird dem Leser sofort klar: ‚Das wird keine leichte Literatur und man muss sich gnadenloser Ehrlichkeit aussetzen, die nicht von einem selbst ausgeht‘.

Natürlich wird diese Vermutung schon mit den nächsten Sätzen bestätigt, in denen erklärt wird, wie man Hämorrhoidensalbe benutzt und man sich unfreiwillig im Schlaf Abhilfe gegen den Juckreiz verschafft.

Die ‚missglückte Intimrasur‘ hat Helen nur, weil sie sich die Haare rund um ihre Hämorrhoiden entfernen wollte und sich (so klingt es) genau an jener Stelle geschnitten hat. Das Ganze entzündete sich und wurde von einem Arzt, der ihr nicht einmal erklären konnte was er genau mit ihr macht, operiert. Sie überredet einen Pfleger die operierte Wunde zu fotografieren, damit sie sich alles genau ansehen kann. Genau da scheint auch Helens Problem zu liegen, sie will alles sehen, riechen und schmecken. Blut, Eiter, Popel und Scheidenflüssigkeit, alles rein in den Mund und erstmal auf der Zunge zergehen lassen.

Jeder hat sich wahrscheinlich schon einmal am Finger geschnitten und diesen sofort in den Mund gesteckt. Kein Problem, fühlt sich ja schmerzstillend an. Helen jedoch inspiziert sogar das frisch raus geschnittene Fleisch ihres Hinterteiles, vergleicht die Stückchen mit Gulasch und weil sie nichts findet an dem sie ihre Hände sauber machen kann, lutscht sie ihre Finger einfach ab, bevor sie genüsslich nach einem Stück Pizza greift.

Auch Eiter ist jedem ein Begriff, aber es schmeckt einfach abscheulich, wer aufgrund einer Zahnwurzelentzündung schon einmal eine dicke Wange hatte und dessen Zahnärztin der Auffassung war einen Schnitt setzen zu müssen, weiß wie sich das eklige Zeug frei im Mund entfaltet. Freiwillig würde sich das sicher keiner ein zweites Mal antun, Helen schon. In ihren Mund finden sogar die Überreste ausgedrückter Mitesser ihren weg oder sie quetscht sich Entzündungen aus, um sich den bitteren Saft in den Mund stecken zu können. Eines ihrer unzähligen ekligen Hobbies.

Ihr scheint alles was ihr Körper so ausdünstet köstlich zu schmecken, das nennt sich wohl ‚vegetarische Ernährung der anderen Art‘.

Den Finger in der Nase hatte wahrscheinlich jeder schon einmal, aber DAS auch noch zu lutschen wie ein Bonbon würde wohl niemandem im Traum einfallen. Helen jedoch liebt ihre ‚Delikatesse‘ und erklärt eindrucksvoll, wie man sich einen schleimigen Popel aus der Nase zieht. An diesem Punkt ist der Leser dem Würgereiz wohl so nahe wie nie zuvor.

Sie tauscht gebrauchte Tampons mit ihrer Freundin für eine Blutsschwesternschaft, führt sich Avocadokerne unten ein (generell führt sie sich so einiges ein), bastelt sich selber Tampons aus Toilettenpapier, lässt sich von einem Fremden rasieren oder  trinkt ihr eigenes Erbrochenes weil noch Drogen darin rum schwimmen und verschmiert ihr Menstruationsblut in einem Aufzug um ihre Keime zu verteilen.

Natürlich ist Helen nicht nur auffällig durch ihre Vorstellung von Hygiene… sie ist auch witzig und äußerst selbst-ironisch, aber sie ist auch reif für einen Psychiater und hat scheinbar hunderte von vererbten Krankheiten, die sie im Laufe des Buches erklärt.  Auffällig ist auch, dass an allem ihre Mutter die Schuld bekommt.

Ein Buch sorgt für Aufsehen

Charlotte Roche rebelliert mit ihrem ersten Buch „Feuchtgebiete“ gegen die Hygienehysterie und alles was im Umgang mit dem weiblichen Körper heutzutage als ’normal‘ angesehen wird. Es ist eine Reise in die Welt der absoluten Tabus unserer Zeit und schockt so manchen Leser mit völlig undenklichen Situationen.

„Feuchtgebiete“ sorgte auf 25 Sprachen für Aufsehen und wurde sogar auf die Bühne gebracht. Es stand über ein halbes Jahr ununterbrochen auf Platz 1 der Bestsellerliste und wurde fast 2 millionen mal verkauft.

Jedoch wurde wahrscheinlich auch kein Buch bisher so in den Medien diskutiert, wie „Feuchtgebiete“.

Bild „Ein Schmuddelbuch“

FAZ „Ein kluger Roman“

Die Zeit „Es ist ein Buch, das polarisiert. Das viele genial und manche einfach nur eklig finden.“

Die Meinungen teilen sich.

„Dieser Roman wurde verrissen, missverstanden, in den Himmel gelobt und als Befreiungsschlag gefeiert.“

Fazit

Noch nie musste ich wegen eines Buches so oft würgen, wie in den sechs Stunden in denen ich ‚Feuchtgebiete’ gelesen habe, aber ich habe es auch in einem Zug verschlungen…

Es ist ANDERS, nichts daran ist gewöhnlich, aber gewöhnungsbedürftig.

Dieses Buch ist wie ein Unfall…man will nicht, aber man MUSS einfach hinsehen…

Ein seltsames Phänomen, das ich mir selber nicht erklären kann.

Ekel erregende, mit Humor angereicherte und geniale Geschichte eines völlig verdrehten Mädchens, das ich weder kennenlernen noch berühren möchte…

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