Fiesta in der Räuberhöhle

Autorenwertung
  • Dramatik
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  • Story
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  • Verstrickungen
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  • Realismus
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  • Cover
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  • Gesamt
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Fiesta in der Räuberhöhle

Juan P. Villalobos. Berenberg Verlag 2012, Gebundene Ausgabe, 76 Seiten, € 19,00

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Fiesta in der Räuberhöhle

Ein schmales Buch, nur 77 Seiten, schnell gelesen – leider. Denn es ist ein ganz wunderbares Buch, voller schwarzem Humor, ein Blick in die Psyche eines einsam aufwachsenden Kindes in einem ganz seltsamen Milieu.

Inhalt

Tochtli ist der Sohn eines mexikanischen Drogenbosses, er wächst einsam auf, sein Vater hält sich versteckt. Das Versteck ist jedoch ein Palast mit allem, was das Herz begehrt. Besonders für Tochtli, denn sein Vater erfüllt ihm jeden Wunsch, der mit Geld bezahlbar ist. Ein eigener Zoo mit Löwen und Tigern – kein Problem. Die gibt es nur mit den liberianischen Zwergnilpferden. El rey, der Drogenbaron, fliegt mit seinem Sohn nach Liberia/Afrika und lässt ein Zwergnilpferdpaar einfangen, der Transport klappt jedoch nicht so, wie es sich der Vater vorgestellt hatte und so erhält Tochtli halt eben nach einigen Wochen die Köpfe der beiden Tiere, montiert auf Holzplatten und ausgestopft, unter jedem Kopf den Namen, den der Junge ihnen gegeben hatte: Ludwig XVI und Marie Antoinette.

Denn vom Kopfabschlagen und von Kopf-und Bauchschüssen ist der 7-jährige fasziniert. Franzosen sind gute Kopfabschneider, Spanier nicht, die haben immer noch lebende Könige, und die Yankees sind an allem Schuld. Aber sie haben gute Waffen, von denen findet der Junge ein ganzes Zimmer voll, und steckt sich eine ein, aber nur eine ganz kleine! Außer den Männern seines Vaters, die manchmal verschwinden, den Hausangestellten und der jeweiligen Freundin des Vaters kennt der Junge nur noch den Hauslehrer. Mazatzin, der enttäuschte Revolutionär, hat eine eigene Sicht auf die Geschichte, die er Tochtli beibringt. Und er schwärmt für das alte Japan, Usagi nennt er seinen Schüler und zeigt ihm Samuraifilme. Gleichaltrige Spielgefährten hat der Junge nicht.  „Heute habe ich meine sechzehnte Person kennengelernt“, sagt der einsame Junge einmal.

Tochtli liest, sammelt Hüte, treibt sich herum, blättert in Wörterbüchern und erklärt sich selbst die Welt. Was dabei heraus kommt ist voll schmerzhaftem Humor, rabenschwarz, witzig und traurig zugleich. Kritiklos übernimmt der Junge den Machismo und den Größenwahn seines Vaters und stellt ihn damit bloß.

Der Autor

Juan Pablo Villalobos, geboren 1973 in Guadalajara in Mexiko, studierte Marktforschung und Literatur und lebt heute in Barcelona, wo er eine Firma für elektronische Produkte leitet – und schreibt.

Fazit

Schade, dass die Fiesta in der Räuberhöhle nur ein Miniroman ist, aber vielleicht hätte man mehr auch nicht ausgehalten, zu schrecklich ist das Leben im Luxus durch Drogenhandel, einsam und unsicher, mit den Augen eines 7-jährigen Kindes betrachtet. Ein wunderbar gemachtes Buch und eines, dem ich viele Leser wünsche.

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