Frauen in der Wüste

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Frauen der Wüste

Thomas A. Schmidt (Fotograf). AvivA 2011, Gebundene Ausgabe, 192 Seiten, € 39,90

Rezension von: B.Agada | Rezensionsdatum:

Frauen in der Wüste von und

„Es ist ein Gefühl der Freiheit, das mich hier festhält; die Stille, die Ruhe und die unendliche Weite“, so beschreibt Susan Sorrells die Mojave-Wüste in ihrer amerikanischen Heimat, eine von 38 Frauen, die Florence Hervé in diesem neuen Buch porträtiert.
Nachdem die französische Autorin Frauen in den Bergen und am Meer besuchte und über sie schrieb, folgte die Wüste und sie ließ frühere Schriftstellerinnen zu Wort kommen.

In diesem neuen Buch in Großformat besucht sie zusammen mit dem Fotografen Thomas A. Schmidt Frauen, die in den Wüsten der Erde geboren sind, zugezogen sind, dort leben und arbeiten. Sie stellt die Frauen und deren Erfahrungen in der westlichen Sahara in Algerien, der Namib in Namibia, in der Atacama in Chile, der Solar de Uyumi in Bolivien, der Mojavewüste in den Vereinigten Staaten von Amerika, der Negev in Israel und der Wüste Gobi in der Mongolei vor.

Arbeiten in der Wüste
Der Leser erfährt von den Frauen etwas über die Arbeitsmöglichkeiten, den täglichen Überlebenskampf in den Widrigkeiten der Landschaft und des Klimas. Sie arbeiten als Bäuerin, Winzerin, Forscherin, Künstlerin, Archäologin, Nonne, Bürgermeisterin, Gewerkschafterin, Kultusministerin, LKW Fahrerin, Salzarbeiterin, Fotografin und trotz des harten Lebens lieben die meisten diese extremen Bedingungen und die Freiheit der Wüste.
Die vorgestellten Frauen leben schon immer in der Wüste oder sind aus verschiedenen
Gründen in die Wüste gezogen. Jede verbindet ihre Vorstellungen von Freiheit, Arbeit, Leben und Überleben in ihrer eigenen Form.

Alle Interviews wurden jeweils am gleichen Ort und in unmittelbarer Nachbarschaft geführt, zum Beispiel in Chile rund um die größte Kupfertagebaumine der Welt Chuquicamata oder San Pedro de Atacama, in der Mojave Wüste im Death Valley in Namibia an der Skeletoncoast um Swakopmund. So sieht der Leser die Wüste aus verschiedenen Blickwinkeln.

Kämpfen in der Wüste
Schon seit 35 Jahren kämpfen die Frauen (und Männer) der Saharaoui von der westalgerischen Wüste aus um die Anerkennung ihres Staates Demokratische Arabische Republik Sahara (Westsahara). Sie leben in Flüchtlingslagern in der Nähe von Tindouf, einer ehemaligen Oase und französischen Lager der Fremdenlegion ganz im Westen von Algerien.
„Warum“ fragt sich die Kultusministerin Khadja Hamdi, „sollen sich die Flüchtlinge nicht kulturell weiterbilden können?“ Die humanitären Organisationen und Geldgeber sorgen für medizinische Hilfe und Ernährung, aber sie vergessen, dass die Flüchtlinge auch ein Recht auf Bildung, Bücher, Freizeitgestaltung und Kunst haben.
Inzwischen haben die Frauen ihre eigenen Schulen, Kindergärten, Ministerien, Kulturfeste (Filmfestival, Marathon in der Sahara) geschaffen. Die, in den 1970er und 1980er Jahren, überall auf der Welt auftretende Sängerin Um Dleila, bringt mit ihren Liedern die politische Situation auf den Punkt und erinnert an die Märtyrer, die ihr Leben ließen im Kampf gegen den spanischen Kolonialismus und um die Unabhängigkeit von Marokko, das seit 1975 das Land besetzt hält. Heute arbeitet sie im Krankenhaus von Smara, einem Flüchtlingslager unweit von Tindouf.

Leben meistern in der Wüste
Es ist beeindruckend zu erfahren, wie die Frauen ihr Schicksal in die Hand nehmen und ihr Leben meistern. Da gibt es kein Gejammer und kein Klagen. Die Wüste lehrt mit den Dingen, die sie bietet, schonend umzugehen, das Leben wird auf Arbeit reduziert und auf die Frage „Was macht man in der Wüste in der Freizeit?“ erhält man zur Antwort: Tee trinken, im Schatten liegen, sich ausruhen, feiern, musizieren, singen, lesen und einiges mehr.

Fazit:
Ein interessantes Buch mit knapp zweihundert Seiten über Frauen, aber nicht nur für Frauen, die in den Wüsten leben und oft ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, wenn sie beispielsweise für die moderne Handyherstellung Lithium oder andere Rohstoffe dem Boden entlocken, von denen sie selbst keinerlei Nutzen haben.

Die begleitenden einhundert Bilder zeigen viele Facetten der Wüsten, die unwirtliche Landschaft des Altiplano in Bolivien mit den weißen Salzflächen, in der die Frauen in gleißendem Sonnenlicht das Salz aufklauben, die stolze Fahrerin in Chile vor ihrem Lastwagen, dessen Reifen zweimal so groß sind wie sie, die Gesichter der vielen Frauen, die nachdenklich, manchmal zweifelnd und trotz allem oft fröhlich sind.

Ein empfehlenswertes Buch für alle, die keine romantisch, verklärten Träume suchen, sondern sich wirklich für das Leben der Frauen (Menschen) in den Wüsten dieser Erde interessieren.

Die Herausgeberin
Florence Hervé (geb. 1944) ist promovierte Germanistin, Autorin und Dozentin. Sie veröffentlichte im u.a. den Band „Sehnsucht nach den Bergen“ über Schriftstellerinnen im Gebirge und „Durch den Sand – Schriftstellerinnen in der Wüste“. Die Französin lebt in Düsseldorf und im Finistère.

Der Fotograf
Thomas A. Schmidt (geb. 1945) arbeitete als Rechtsanwalt für Gewerkschaften. Er ist als Rechtsanwalt für die europäischen Juristenorganisation EJDM tätig und setzt sich für die Verteidigung der Menschenrechte ein.
Seine Bilder veröffentlicht er in Anthologien, Bildbänden und Zeitungen.

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