Friedrich Dürrenmatt – Der Besuch der alten Dame

Autorenwertung
  • Spannung
    ein Buchein Buchein Buchhalbes Buchkein Buch
  • Emotionen
    ein Buchein Buchein Buchein Buchkein Buch
  • Lesbarkeit
    ein Buchein Buchein Buchein Buchkein Buch
  • Kreativität
    ein Buchein Buchein Buchein Buchein Buch
  • Nutzen
    ein Buchein Buchein Buchein Buchein Buch
  • Gesamt
    4.5 Sterne4.5 Sterne4.5 Sterne4.5 Sterne4.5 Sterne

Der Besuch der alten Dame

Friedrich Dürrenmatt. Diogenes Verlag 1999, Taschenbuch, 160 Seiten, € 10,00

Rezension von: Christopher | Rezensionsdatum:

Der Besuch der alten Dame von . Eine mit einer existentiellen Frage zum Leben.

 Friedrich Dürrenmatt,

seines Zeichen , Schriftsteller, Dramatiker und Maler verfasste eine Reihe von Prosa- und Theater-Stücken. Eine Gemeinsamkeit umfassen fast alle seine Stücke: sie stellen gezielt eine grundlegende Lebensfrage an den Leser. Im Falle „Der Besuch der alten Dame“ handelt es sich um die Frage wie viel ein Menschenleben Wert ist?

Der Inhalt,

ist an sich leicht erzählt und hat keine große Dynamik, von den 1-2 Höhepunkten einmal abgesehen. Das szenische Stück in 3 Akten spielt in der Kleinstadt Güllen, die repräsentativ für eine Reihe von Kleinstädten in allen Ländern der Erde stehen kann – wirtschaftlicher Niedergang, Verschuldung usw. Also eine Stadt, die vergessen von der großen Welt daliegt und dem Tode geweiht zu sein scheint, mit zudem passendem Namen der Situation. In dieser surrealen Situation hoffen alle Einwohner der Stadt nun, dass die betuchte ehemalige Einwohnerin Claire Zachanassian eine große Summe der Stadt spendet, die dafür sorgt, dass ihre Kleinstadt wieder auf die Beine kommt. Ihre eigene körperliche Konstitution spiegelt in gewisser Weise auch die Situation der Stadt und Lebensweise wieder.

Höhepunkte

Die Dynamik des Stückes entwickelt sich in der Folge daraus, dass Claire zwar bereit ist ihrer ehemaligen Heimatstadt Geld zu spenden und dies auch in beträchtlichem Maße aber nur unter der Bedingung, dass ihr alter Freund Ill getötet wird. Ill war in ihrer gemeinsamen Kindheit ihr Freund, der sie geschwängert und einfach verlassen hat, woraufhin sie die Stadt verlassen hat und sich reiche Ehemänner gesucht hat, um ihre Vergangenheit zu kompensieren.

Die nun folgenden Geschehnisse stellen philosophische Grundfragen dar, nämlich, ob man ein Menschenleben in Geld aufwiegen lassen kann. Die Bevölkerung der Stadt und sogar seine eigene Familie scheinen im stillen schon den Entschluss gefasst zu haben, doch es fehlt eigentlich nur noch jemand der es ausführt. Selbst der Versuch Ill zum Selbstmord zu treiben erscheinen als probates Mittel.

Für Ill kommen nun quälende Tage, in welchen er mit dem steten Glauben lebt, dass ihn jeden Moment jemand töten könnte. Letztlich entschließen sich alle Bewohner, in einer sehr skurrilen Szene, per demokratischen Beschluss, ihn kollektiv zu töten, was zum Aufschwung der Stadt führt, gegen Ende des Buches. Der Aufschwung bewirkt, dass die Stadt von der sprichwörtlichen Gülle zum Ort Gülden (vgl. Gold) wird.

Figuren

Claire Zachanassian

Sie stellt die rachedurstige Millionären des Stückes dar. Sie steht Ill selbst nicht feindlich gegenüber, sondern sie pflegt in gewisser Weise immer noch das freundschaftliche Verhältnis, was dem Buch eine ganz eigene Stimmung verleiht.

Ill,

ist die Figur, welche man in jedem Fall nur gern haben kann. Offen, ehrlich, zu jedem freundlich aber mit dem Makel in der Vergangenheit einen großen Fehler begangen zu haben. Er steht loyal zu allen, selbst als klar wird, dass sie alle gegen ihn sind. Daher entschließt er sich auch gegen Ende den Mord, quasi über sich ergehen zu lassen. Er opfert sein eigenes Seelenheil zugunsten der gesamten Einwohner der Stadt. Die Frage die sich daran anschließen würde wäre, wie die aristotelische Katharsis für die Einwohner nach der Tat aussehen würde.

Die Bewohner,

verkörpern anfangs die Werte, die es gilt zu erhalten, also Ehrlichkeit und Zusammenhalt. Doch Stück für Stück wird ersichtlich, dass sie nur halb dazu stehen, im Augenschein des Geldes, welches sie korrumpiert und in Tat hineinmanövriert. Einzelne Appelle zu Ill zu halten verhallen in den sich verschuldenden Gülleneer Einwohner. Sogar der über längere Zeit zu Ill haltende Pfarrer ergibt sich den Fängen des Geldes.

Fazit

Wieder ein sehr teils bedrückendes aber auch sehr tiefgründiges Werk von Friedrich Dürrenmatt, der an seine anderen Arbeiten, beispielsweise Die Physiker, anschließt und dem Leser grundlegende Fragen stellt. Jeder Leser sollte also sich dieser Frage annehmen und das Buch als Anstoß verstehen sich tiefer mit der Frage auseinanderzusetzen. Sehr zu empfehlen sind von daher auch seine anderen Werke, beispielsweise Die Physiker.

Wie bewerten Sie dieses Produkt?

Ihre Bewertung
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar