Geborgene Babys

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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Julia Dibbern: Geborgene Babys

Lasst uns leben!
Wird die Welt eines Tages sogar noch mal besser? Wird sich die Menschheit tatsächlich ihrer ureigenen Ganzheit erinnern und der kapitalistischen, synthetischen und lebensfeindlichen Moderne den Rücken kehren? Werden verspannte Muskelpanzer, christlich traumatisierte Moralseelen und von der Werbung manipulierte Sinneswahrnehmungen zurück zu ihren biologischen Wurzeln kehren dürfen? Not in this life, würde Nathalie Merchant singen, eine kanadische Songwriterin, die vor vielen Jahren ein beachtenswertes und sehr anrührendes Album namens Motherland auf den Markt gebracht hat.

Ähnlich beachtenswert, anrührend und dazu aufrüttelnd ist das tolle Buch Geborgene Babys der deutschen Ingenieurin Julia Dibbern. Im Gegensatz zum Autor dieser Zeilen und Miss Merchant hört man bei Dibbern die vage Hoffnung auf Besserung in der Welt immer wieder heraus. Nun denn, es sei jedem frei gestellt. Tatsache aber ist, dass zumindest der Einzelne und die Einzelne den Lebenswert und den Umgang mit der Welt für sich selbst entscheiden können. Und dazu gehört in ganz speziellem Maße das Verhalten während der Schwangerschaft, der Geburt und der ersten Jahre mit einem Kind.

Auch wenn dieses Buch kein Leitfaden sein will, ist er – vielleicht gerade deshalb – für den deutschsprachigen Raum ein pragmatischer, realitätsbezogener und immer konkreter Begleiter, der an die Kraft von Jean Liedloffs Klassiker Auf der Suche nach dem verlorenen Glück erinnert. Im Gegensatz zum Original geht Dibbern aber noch weiter. Bonding, Getragen werden und der Schlaf im elterlichen Bett (Themen, die bei Liedloff anhand eines südamerikanischen Volkes als natürlich vorgestellt worden waren) werden durch den alternativen Umgang mit der modernen Medizin, mit Hinweisen zu Stillen und Windeltragen ergänzt. Wenn man so will: ein rundum-alternativ-Paket zur feindlichen Welt da draußen.

Dibbern schreibt emotional und weiß dies auch. Wenn sie was gar nicht mag, dann mag sie dass nie, nie, niemals, wie sie des Öfteren zum Ausdruck bringt. Und wirkliche wichtige Dinge brauchen FETTE Buchstaben oder mindestens drei Ausrufezeichen!!! Ist in Ordnung – aus C.G. Jungs wäre zumindest hier die Typologisierung der Autorin ein Leichtes. Gleichzeitig unterstreicht es die intentionale Kraft, die sich lobens- und lohnenswert für alle werdenden und seienden Eltern deutlich zu Wort melden will.

Dass das Buch mit der Bemerkung beginnt, dass die Rechtschreibung neben der modernen auch dem gesunden Menschenverstand folgt, dass das Papier der Druckerei sauber recycled wurde und dass neben dem Rezensionsexemplar vom Verlag noch eine Zeitschrift mit dem Titel Unerzogen mitgeschickt worden ist, sollte deutlich machen, dass hier literarisches Gold vorliegt. Und zwar das Gold, um das es im Leben geht und welches Dibbern deutlich hervorhebt. Es gibt keinen anderen Weg als den des Herzens zu gehen. Und Herz ist hier keine Ökolüge, wie sie die Grünen seit den 1990ern vormachen und auch kein esoterisches Wischiwaschi, sondern echte Hingabe an das Leben selbst.

Ihre persönliche Bekehrung, die Dibbern den Lesern freimütig erzählt, macht das Buch noch authentischer. Denn wer wie Dibbern in den 1970er Jahren geboren wurde, ist die Ausgeburt der kalten, synthetischen Moderne schlechthin, wurde quasi mit McDonalds, Plattenbauten und Videogames sozialisiert und  muss so oder so den Weg der Rekapitulation einschlagen. Und wie ihr das gelungen ist, möchte man nach der Lektüre dieses Buches meinen.

Fazit:
Ein natürliches System der Menschwerdung ist in einem unnatürlichen System mit Babynahrungsproduzenten, Familienministerien und all dem anderen Grauen gar nicht möglich. Dass jeder Einzelne aber diese eine Chance hat, wird in diesem großen Buch deutlich, das eigentlich nur dann Schwächen hat, wenn sich die Autorin auf die Seite der Wissenschaften schlägt und ihre – eigentlich gut gemeinten – Ratschläge mit neurobiologischen Beweisen und Hormonen wie Prolaktin unterfüttert. Ist gar nicht nötig. Das Buch ist auch so schon ein Segen für die Menschen von morgen. Und zuvorderst natürlich für die Erzeuger-Generation von heute. Sie müssen es nur lesen. Schön für alle Beteiligten wäre dies allemal.

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