Gemini Rue – Verschwörung auf Barracus

Autorenwertung
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  • Grafik
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  • Sound
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  • Langzeitspaß
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  • Gesamt
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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Zurück in die Zukunft

Das waren noch Zeiten als Michael J Fox samt seinem Airmax-Skateboard von heute ins gestern und umgekehrt reisen konnte. Doch so abgedroschen diese Floskel auch klingen mag, so tausendfach kopiert diese Sentenz übernommen worden ist, selten passte sie besser als zum neusten Spiel aus der Schmiede der -Spezialisten von Daedalic. Gemini Rue spielt nämlich in der Zukunft, genau genommen im Jahr 2228, kommt aber designtechnisch im Retrolook daher. Nur warum, mag sich manch einer fragen, haben doch die Jungens (und Mädels – behaupte ich jetzt einfach mal) von Daedalic Maßstäbe gesetzt in Sachen Gamehits von heute. A new Beginning mit herrlichen Comicelementen oder Tales of Monkey Island als archaisches Ultravergnügen im modernsten Gewand.  Und nun?

Lange vergessen Gefühle tauchen auf, Pixel lassen sich als solche wahrnehmen und identifizieren, Hot-Spot-Tasten sind obsolet und tatsächlich werden wir mahnend darauf hingewiesen, dass wir uns dem  Objekt erst annähern müssen, um es benutzen zu können. Ein wirklich unglaublich interessanter Rückfall in längst verlorene Zeiten. Die nicht immer besser waren, aber auch nicht so durchgestylt wie heute. Richtig Retro, genau genommen wie einst Indiana Jones 3, sind kleine Schießszenen, die aus dem Nichts auf die Abenteurer warten. Nichts für ungut, das war damals nichts für mich, ist es auch heute nicht, aber den Mut muss man eben einmal haben, solche Dinge wieder einzubringen.

Werfen wir einen Blick auf die Story, ist der Bladerunner nicht weit. Übrigens gibt es aus dem gleichen Jahr, nämlich 1982, einen ähnlichen Film und der hieß, genau, Gemini Rue; und der gibt sozusagen die perfekte Vorlage ab. Da nun aber ein jeder Bladerunner kennt, mag er sich stattdessen einfacher in diese Atmosphäre hineinversetzen. Azriel ist, auch das keine neue Idee, einst ein Verbrechermitglied gewesen und nun der raubeinige Reumütige auf Seiten der Guten, so es sie in  dieser trostlosen Zukunftswelt denn noch gibt. Verregnete Straßen, einsame Runden und Feinde auf allen Seiten (die Ex-Mafiosos mit Racheplänen sowie die neuen Kollegen mit Misstrauen) sind sein täglich Brot. So weit, so altbekannt möchte man meinen.

Doch der Clou ist Kollege Delta Six, der ebenfalls vom Spieler gesteuert werden kann. Wobei Kollege sich nicht auf den Beruf, sondern eben auf die Tatsache bezieht, dass man hier abwechselnd zwei Charaktere in der Hand haben kann. Delta Six‘ Story ist deutlich abgedrehter, taucht er doch erinnerungslos in einer seltsamen Anstalt auf, und unangenehm in zwanghafte Tagesabläufe hineingepresst wie eine Salami in ihre Pelle. Kein schönes Leben also, und das Ziel kann nur lauten: hinaus aus dem Gefängnis. Dafür steht ihm allerdings nur ein kleines Inventar zur Verfügung, so dass die Rätsel sich auf das beziehen, was Menschen eigentlich auch ausmacht. Bewegungen und Kommunikation. Auch Azriel trägt längst nicht so viel Müll mit sich, wie die modernen Comicclowns, sondern ist Teil eines minimalistischen, soliden und eiskalten Adventurewelt, das in dieser Hinsicht besonders zu gefallen weiß.  Denn die Rätsel werden so zur richtigen Schwerstarbeit, auch unter den schon erwähnten Bedingungen des Retro-Stils, die es dem Spieler ja eher schwerer machen. Immerhin aber sind die Actionsequenzen (neben dem Schießen gibt es auch andere Einlagen, in denen es um Schnelligkeit geht, letztlich darum, nicht zu sterben) so gemacht, das automatisch gespeichert wird, so dass man es erneut probieren darf.

Fazit

Wieder alles richtig gemacht, vor allen Dingen ständig anders und lebendig bleiben die Jungs (und Mädels – naja, ich wollte damit mal eine grundsätzliche Diskussion initiieren, wie viele Frauen es wohl in den Entwicklungsstudios von Adventurespielen geben mag) bei Daedalic. Dieses Mal in Retro, mit unheimlich stimmungsvoller Musik und knappen, kühlen, minimalistischen Rätseln, Räumen und Optionen. Genau das Gegenteil zu den Flowerpower-Hits a la Whispered World. Selbst Greenhorns auf dem Adventuresektor werden begeistert sein, denn nicht umsonst fing so alles an – und so gesehen wird ja auch heute noch auf diese Zutaten zurückgegriffen. Ein erstklassige Spiel, das natürlich auch für fast jeden Rechner spielbar ist (minimal auch in den Anforderungen!). Warum nicht, mal so frech gefragt, ne Retro-Reihe starten und öfter mit so was aufwarten? Denn das tut gut, sehr gut.

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