Geschichten aus dem Herzen Indiens

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Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Geschichten aus dem Herzen Indiens

21 Geschichten von Ruskin Bond hat Reinhold Schein in Neu- bzw. erstmaliger Übersetzung in einem Band zusammengefasst. So konnte eine Lücke geschlossen werden, denn dieser moderne Klassiker ist Schullektüre in Indien, während in deutscher Übersetzung bisher nur Die Straße zum Basar vorlag und jetzt vergriffen ist und von allen Romanen, Erzählungen und Kurzgeschichten sonst nur die Erzählung Ein Schwarm Tauben 2010 vom Draupadi Verlag herausgebracht wurde.

Ruskin Bonds Leben ist selbst romanhaft ungewöhnlich. Als Sohn eines Schotten und einer Anglo-Inderin ist er 1934 in der kleinen Granisonsstadt Kasauli im Norden Indiens geboren worden. Nach der Scheidung seiner Eltern und dem frühen Tod des geliebten Vaters wächst der Junge bei den Großeltern in Dehra Dun auf. Nach der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 verlassen einige Verwandte, wie auch die Großeltern das Land und kehren nach Großbritannien zurück, der Junge bleibt jedoch bei seiner Mutter in Indien, die in der Zwischenzeit in zweiter Ehe mit einem Inder verheiratet ist. Seine Schulzeit verbrachte der Junge in strengen Internatsschulen, nach dem Schulabschluss geht er nach England und schreibt dort, mit 17, seinen ersten Roman. The Room on the Roof, dieser erste, autobiographisch gefärbte Roman (dt: Die Straße zum Basar, 1958) bringt ihm das Geld ein, das es ihm ermöglicht, für immer nach Indien zurückzukehren. Hier arbeitet er zuerst als Journalist, später als freier Schriftsteller. Geographisch bleibt er der Himalayaregion, in der er aufgewachsen ist, treu. Hier verortet er auch die meisten seiner Geschichten, viele spielen in dem fiktiven Städtchen Pipalnagar.

Ruskin Bonds Geschichten sind gradlinige Erzählungen aus dem Leben einfacher, „normaler“ Menschen. Oft sind es Kinder und Heranwachsende, die versuchen müssen, ein Auskommen zu finden und ihr Leben zu organisieren. Ruskin Bond nimmt klar Stellung in seinen Erzählungen, er ist auf der Seite der einfachen Menschen und auf seiten der ökologischen Vernunft. Er liebt die Natur des Himalaya-Vorgebietes, ihre Tier- und Pflanzenwelt und lässt auch ab und an ein Tier zum Helden einer Geschichte werden, etwa einen alten Tiger oder eine Krähe. Ruskin Bond schreibt ohne soziales Pathos, aber oft mit einem leisen wehmütigen Ton des Verlustes. Er schreibt über sich: Die Sehnsucht nach etwas Verlorenen ist vielleicht das vorherrschende Thema meiner Geschichten. Es ist eine Sehnsucht, die jeder irgendwann im Leben erlebt, sofern Geld und Macht ihn nicht desensibilisiert haben.“ Mit Verlust und Sehnsucht sollte sich Ruskin Bond schon seit frühester Kindheit auskennen. Ruskin Bonds Besonderheit sind die leisen Zwischentöne, das genau Beobachtete, die Details und Dialoge, die eine ganz bestimmte Stimmung zu erzeugen vermögen. Geschichten, die verzaubern und ein Fenster öffnen in eine unbekannte und doch eigentlich vertraute Welt. Alle von Reinhold Schein wunderbar übersetzten Kurzgeschichten stammen aus den Sammelbänden Time Stops at Shamli und The Night Train at Deoli.

Fazit

Feine, athmosphärisch genau beobachtete Erzählungen, die einfach daherkommen, ohne es zu sein. Wunderbare Lektüre, die gut einen Platz am Bett finden könnte. Nur schade, dass auch 21 Erzählungen irgendwann zu Ende gelesen sind!

 

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