Götter und Mythen des Nordens

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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Klaus Böldl: Götter und Mythen des Nordens: Ein Handbuch

Nordisch, nüchtern, normal

Klaus Böldl ist gebürtig aus Niederbayer und arbeitet momentan als Professor für Skandinavistik im hohen Norden der Republik, nämlich an der Universität zu Kiel. Wo, wenn nicht an der Grenze zu Skandinavien, lässt sich über jenes Ressort, dem Böldl sich seit langer Zeit verschrieben hat, am Besten dozieren und forschen. Das Handbuch der Götter und Mythen des Nordens ist eine seriöse, akademische, spannende und fast unterhaltsame Zusammenfassung eines weisen und alten Themas.

Gespickt mit unterstützenden Fotografien und Abbildungen und garniert mit einer Menge Zitaten aus Originalquellen bietet der Autor den Lesern Einstieg sowie Vertiefung von Anschauungen und Kenntnissen, von denen vielleicht jeder schon einmal gehört hat, aber nicht so recht einzuordnen weiß. Nordische Götter, , heidnische Vorstellungswelt der , gar die deutschen Götter? Mit all diesen, zum Teil paranoiden Glaubenssätzen räumt Böldl bereits auf den ersten Seiten auf und verortet die Sagen und Legenden und vor allen Dingen die zwei schriftlichen Traditionen der Edda in einen soziokulturellen Kontext, der zeigt, dass christliches Weltbild und traditionelle Erzählungen hier Hand in Hand gingen.

Gerade die häufig so verklärte Welt der Heiden, die ja angeblich diesen Erzählungen zugrunde liegt, wird differenziert betrachtet und anhand der Geschichte Islands, von woher zweifelsfrei der Großteil der Quellen überliefert worden ist, erläutert. Der Überblick über die mythologischen Überlieferungen ist wie alles Weitere im Buch historisch sehr fundiert, gut zu lesen und auf höchstem akademischen Niveau.

In den folgenden Kapiteln werden dann die Gestalten, Götter, Familien, Welten und Vorstellungen skizziert. Der Weltenbaum oder die Götter Odin, Thor, Freya, Loki oder Baldur kommen hier ausführlich zu Wort. Mit Zitaten, mit Verknüpfungen auch zu anderen Mythologien der Erde und mit einer ganzen Menge plausibler, dennoch vorsichtiger Mutmaßungen. Was bleibt dem Autor auch anderes übrig, als diese religiösen Vorstellungen einer behutsamen Analyse zu unterziehen? Die Zeiten des positivistischen, starren und festen Weltbildes, in jedweder Form der Wissenschaften, sind (zumindest hier) vorbei und der Autor legt mit seiner Schreibe beredtes Zeugnis davon ab.

Fazit:

Wenn die Rezension bis hierhin recht nüchtern und aufzählerisch geklungen hat, mag das daran liegen, dass dieses inhaltlich durchaus interessante Buch eben letztlich auch ein Fachbuch ist und als solches mit eben jenen Adjektiven auskommen muss. Die Verve eines Egon Friedells, einem der größten Literaten unter den Historikern, ist eben recht einmalig und so begeistert das Buch primär mit akademischer Dichte und ist auf der anderen Seite einfach kein spektakulärer Wissensfang – eben nordisch und nüchtern. Für den Interessierten, den Jungakademiker, auch den Experten mit Wissensdurst und Hang zur Rationalität daher besonders zu empfehlen.

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