Gut gegen Nordwind

Autorenwertung
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  • Lesbarkeit
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  • Charaktere
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  • Anspruch
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  • Gesamt
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Gut gegen Nordwind

Daniel Glattauer. Zsolnay 2006, Gebundene Ausgabe, 224 Seiten, € 12,00

Rezension von: istillreadbooks | Rezensionsdatum:

Gut gegen Nordwind von

Inhalt
Daniel Glattauers Roman „Gut gegen Nordwind“ handelt von den Widrigkeiten und Problemfeldern der zwischenmenschlichen Kommunikation, der Leichtigkeit und Unbeschwertheit einer Konversation mit einem fremdem Menschen und der virtuellen Kommunikation als Rückzugsort für von Sehnsüchten erfüllte Menschen. Als Emmi Rothner eines Tages per E-Mail ihr Abonnement einer Zeitschrift kündigen möchte, landen Ihre E-Mails mehrmals beim falschen Empfänger. Bei der dritten irrtümlich an ihn gerichteten E-Mail beschließt Leo Leike, der ihm unbekannten Emmi Rothner zu antworten. Aus dem anfänglichen Irrtum entwickelt sich eine tiefgehende Freundschaft mit weitreichenden Folgen, sowohl für Emmi als auch für Leo.

Von Menschen, die nicht ohne einander sein können, der Angst vor der eigenen Courage und einigen Gläsern französischen Landweins
Daniel Glattauer beschreitet in seinem nunmehr achten Roman Wege, die zuvor noch nicht von vielen Autoren der zeitgenössichen Literatur beschritten wurden. Zwar lässt sich sein Roman durchaus als eine modernere Form des vor allem im 19. Jahrhundert beliebten „Briefromans“ verstehen, jedoch wird die gesamte Handlung des Romans in Form von E-Mails erzählt, ein reales Treffen der beiden Protagonisten Leo und Emmi, soviel sei an dieser Stelle bereits verraten, findet im Verlauf des Romans nicht statt. Es kommt zwar zu einer zufälligen Begegnung der beiden Hauptfiguren Leo und Emmi, jedoch ohne dass die beiden wissen oder erkennen können, wer der bzw. die jeweils andere ist.

Die Handlung setzt zunächst relativ unspektakulär und unvermittelt ein, doch bereits nach den ersten paar Seiten wird dem Leser klar, in welche Richtung sich der Handlungsverlauf entwickeln wird, ohne dass dabei jedoch der weiteren Entwicklung der Geschichte zu weit vorgegriffen wird. Zu Beginn handelt es sich bei der „Beziehung“ zwischen Emmi und Leo um eine rein platonische Bekanntschaft zwischen zwei Personen, die voneinander nicht viel mehr wissen, als die E-Mail-Adresse des jeweiligen Gegenübers. Hieraus entwickelt sich mit der Zeit jedoch viel mehr – was sich zunächst zu einer tiefen Freundschaft entwickelt, wird im späteren Verlauf der Handlung zu Liebe und Zuneigung.

Da vor allem Leo sich jedoch vor einem persönlichen Treffen scheut, aus Angst, die bis dahin unverbindliche aber dennoch intime Beziehung zu zerstören, wird dieses Treffen deshalb von beiden Figuren immer weiter in die Zukunft verschoben, bis zu dem Zeitpunkt, an dem es schließlich zu spät ist.

Fazit
Die in gewisser Weise „innovative“ Schreibweise in diesem Roman von Daniel Glattauer hat mir persönlich sehr gut gefallen, obgleich ich es auch nachvollziehen kann, dass andere mit einem ganzen Roman, der ausschließlich aus einer E-Mail-Korrespondenz besteht, nicht viel anfangen können. Wie Glattauer es jedoch gelingt, seinen Figuren allein durch die E-Mails und durch den Verzicht auf jegliche „beschreibenden Begleitsätze“ und ähnliches „Beiwerk“ eine solche Menschlichkeit in die Charaktere der Protagonisten hineinzutransportieren und dem Leser damit die Identifikation mit den beiden Protagonisten zu ermöglichen, das ist tatsächlich „Kommunikationskunst auf höchstem Niveau“ (Die Literarische Welt).

Dem Leser, der dazu bereit ist, sich auf diesen Roman einzulassen, bietet sich ein unterhaltsamer und kurzweiliger Roman, der dem Leser darüber hinaus viel Interpretationsspielraum für seine eigene Fortsetzung der Geschichte lässt.

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