Haus der Erinnerungen

Autorenwertung
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  • Gesamt
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Rezension von: Kokoro | Rezensionsdatum:

Haus der Erinnerungen von
Andrea, eine junge Armerikanerin, fliegt nach London, um erstmals ihren Großvater zu besuchen, der im Sterben liegt. Ihre Mutter war, als Andrea noch sehr klein war, in die USA ausgewandert und außer Briefen und einigen Erzählungen ihrer Mutter kennt Andrea ihre Familie nicht. Im Gegenteil, Familie ist bei ihr nur ihre Mutter, Vater und ihr Bruder, ansonsten ist sie komplett ohne Wurzeln. Der Reise zu ihrer Familie sieht sie daher mit gemischten Gefühlen entgegen, da Familienbande ihr nichts wirklich sagen, aber auf der anderen Seite hat sie sich gerade von ihrem Freund Doug getrennt und begrüßt ein wenig Abstand zur Situation.

Kaum betritt sie das Haus ihrer Großmutter in der George Street in London, fühlt sie, daß es unheimlich ist, daß irgendetwas mit dem Haus nicht stimmt. Hinzu kommt, daß das Haus weder Heizung, Telefon noch sonstige Annehmlichkeiten hat, aber ihre Oma empfängt sie wärmstens und versucht, ihr den Aufenthalt so schön wie möglich zu machen.

Mit ihren Verwandten (Schwester ihrer Mutter und deren Mann und anderen) besucht sie regelmäßig ihren Großvater im Krankenhaus. Schon bald hat sie aber seltsame „Eingebungen“, sie hört Musik, später auch Gespräche und fängt an, Figuren aus der Vergangenheit ihrer Familie zu sehen und zu hören. Ihre Großmutter hat ihr auf ihre Frage nach dem väterlichen Zweig der Familie nur erzählt, daß ihr Großvater bei einer Vergewaltigung durch den Bruder (Victor) des Ehemanns seiner Mutter Harriet gezeugt worden war und Zeit seines Lebens darunter gelitten hat, vor allem, weil seine Mutter sehr bald gestorben ist, wahrscheinlich weil sie seinen Anblick nicht ertragen konnte. Ansonsten will die Oma, die den Vater ihres Mannes (also den Urgroßvater Andreas) abgrundtief verabscheut, über die Ereignisse und Personen nicht reden.

Nach und nach fällt Andrea, die die Eingebungen/Tagträume immer häufiger bekommt, auf, daß sie chronologisch genau die Ereignisse aus dem väterlichen Zweig der Familie miterlebt, vor allem die Beziehung zwischen Harriet und Victor. Nach diesen Träumen geht es Andrea immer sehr schlecht, sie kann kaum essen, schlafen, friert aber trotz der bitteren Kälte im Haus ihrer Großmutter nicht. Immer mehr gerät sie in den Sog dieser Tagträume, sie fürchtet sie, sehnt sie aber auch herbei – fast wie bei einer Drogenabhängigkeit. Im Gegensatz dazu sind ihr die Begegnungen und Unterhaltungen mit den lebenden Menschen der Gegenwart fast lästig. Sie glaubt zu wissen, daß sie die Wahrheit über die schrecklichen Ereignisse, die das Haus belasten, erfahren soll und muß, weiß aber noch nicht, zu welchem Zweck. Immer näher kommen die Ereignisse der schrecklichen Tat von vor über 100 Jahren… Dies hat auch Auswirkungen auf ihr gegenwärtiges Leben, auch wenn Andrea dies noch nicht ahnt!

Fazit
Auch für Leser, die nicht so sehr an das Übersinnliche glauben bzw. sich nicht für solche Literatur interessieren, liest sich der Roman sehr flüssig und – wenn man die Tagträume als normale Fiktion eines Autors akzeptiert – auch sehr spannend. Die Charaktere sind gut dargestellt (wie immer bei Barbara Wood), die Dialoge sehr natürlich und die Übersetzung gut gelungen.

Das einzige, das etwas störend – weil sehr unglaubhaft – ist, ist, daß Andrea den englischen Teil der Familie angeblich nie gesehen und – wenn überhaupt – nur selten telefonisch gesprochen hat. Auch wenn der Roman 1979 schon geschrieben ist, ist es doch äußerst unwahrscheinlich, daß die Familie sich nicht besucht hat; und wenn es nur zum Austausch der Kinder gewesen wäre, die sicherlich gern Urlaub im jeweiligen anderen Land gemacht hätten.

Ansonsten ein wirklich lesenswerter Roman, vor allem, weil die Autorin Barbara Wood nicht, wie viele andere Autoren, immer wieder das gleiche Strickmuster für ihre Geschichten nimmt, sondern immer eine wirklich komplett andere Geschichte – eine wirklich vielseitige Autorin!

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