Heike Koschyk: Pergamentum

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Pergamentum

Heike Koschyk. Rütten & Loening 2009, Gebundene Ausgabe, 426 Seiten, € 5,60

Rezension von: Andreas Kurth | Rezensionsdatum:

: Roman von von Rütten & Loening

Der Vorabend der dritten Kreuzzugs
Heike Koschyk versetzt ihre Leser mit „Pergamentum“ in eine finstere Zeit. Es ist der Vorabend des dritten Kreuzzuges, der Jerusalem nach der verlorenen Schlacht von Hattin nun wieder in die Hand der Christen bringen soll. An einem Abend im Jahr 1188 klopft ein Mönch, völlig ausgemergelt und mit fratzenhaft verzogener Miene, an die Pforte des Klosters Eibingen. Die Nonnen sind zu Tode erschrocken und glauben, der Antichrist sei zu ihnen gekommen. Doch bei dem Mönch handelt es sich um Bruder Adalbert aus dem Kloster Zwiefalten, einst ein enger Vertrauter  der seligen Hildegard von Bingen. Am folgenden Morgen wird Adalbert tot im Skriptorium gefunden, in der Hand hält er ein rätselhaftes Pergament.

Agentin des Kanonikus
Die junge Adelige Elysa ist zur gleichen Zeit auf dem Weg zur heimischen Burg Bergheim, wird aber vom Kanonikus Clemens von Hagen überredet, sich als zukünftige Novizin in Eibingen einführen zu lassen, um den Mord aufklären.  Sie ist kaum im  Kloster angekommen, als sich die Ereignisse überschlagen. Zunächst brennt die Kirche – und dann wird eine Nonne ermordet aufgefunden. Die einzige Verbindung zu Adalberts Tod ist das Pergament, auf dem offenbar einige Worte in der mysteriösen Geheimsprache Hildegards von Bingen stehen.  Elysa stellt schon bald fest, dass es nicht nur um einen Kampf zwischen Gut und Böse geht, sondern politische und religiöse Ränke hinter den Vorfällen stecken – es geht um das Überleben der gesamten christlichen Welt.

Gut erzählte Geschichte
Als Hauptschauplatz für ihren Roman hat Heike Koschyk  ein  Kloster gewählt, das Hildegard von Bingen nahe stand.  Zudem hat die Autorin ihren Roman vordergründig nach einem ähnlichen Muster aufgebaut wie den Klassiker von Umberto Ecco. Anders als in „Der Name der Rose“ geht es hier allerdings nicht um ein verschollenes Buch aus der Antike, sondern um eine aktuelle Schrift – eine wegweisende Prophezeiung von Hildegard von Bingen. An den enormen Spannungsbogen des Bestseller-Autor aus Italien vermag Heike Koschyk nicht heran zu reichen. Aber sie zeigt in diesem Buch, dass sie eine gute Geschichten-Erzählerin ist.
Ihre Protagonistin Elysa, ist eigentlich auf dem Weg zur düsteren Burg ihres ungeliebten Bruders – und wird unfreiwillig zur Agentin ihres väterlichen Freundes,  Kanonikus Clemens von Hagen. Die junge Frau ist clever, aber schnell fällt ihre mangelnde Demut auf, und sie erregt durch ihre Schnüffelei bald das Misstrauen der Klosterführung. Die junge Adelige zeigt sich jedoch schon bald als furchtlose junge Frau mit enormer geistiger Beweglichkeit. Ihr Charakter hätte noch etwas prägnanter und tiefgründiger ausfallen können, aber auch so gibt sie eine liebenswürdige Heldin ab.
Hildegard von Bingen wird zwar neun Jahre nach ihrem Tod noch immer glühend verehrt, aber dennoch spielt sie keine herausragende Rolle. Interessant ist einzig ihre Geheimsprache und die darin abgefasste Prophezeiung. Mitunter übertreibt Heike Koschyk etwas, indem sie ihr großes Fachwissen zu intensiv ausbreitet, da wäre ein wenig mehr Handlung und Action angebracht gewesen.

Ein lesensertes Buch
Insofern ist das Werk eher eine Abenteuergeschichte als ein Kriminalroman, vor allem wenn man die Rolle des Kanonikus und seine Erlebnisse betrachtet. Dem guten Gesamteindruck tut dies jedoch keinen Abbruch, „Pergamentum“ ist  ein lesenswertes Buch – und soll wohl auch keineswegs ein Krimi sei. Das Geschehen im Kloster, mit immer neuen Rätseln und Verdächtigen ist spannend und flüssig erzählt. Ein echtes Plus sind die Landkarte und die Grundriss-Skizze des Klosters, beides erleichtert dem Leser die Orientierung. Wer historische Abenteuer mag, wird „Pergamentum“ gerne lesen.

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