Heinz Rühmann und „Die Feuerzangenbowle“

Autorenwertung
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  • Anspruch
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  • Geschichte
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  • Gesamt
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Rezension von: Wolfi | Rezensionsdatum:

 : Heinz Rühmann und „Die Feuerzangenbowle“
Es gibt nur wenige Kultfilme aus Deutschland. Einer ist ganz sicher „Die Feuerzangebowle“. Und noch sicherer ist, dass jeder den „Pfeiffer mit drei F“ kennt, der unter dem Eindruck der berüchtigten Bowle und angesichts seiner selber nicht erlebten Pennälerzeit beschließt, die Schulzeit einfach nachzuholen.

Der Autor macht sich auf Spurensuche in der deutschen Filmgeschichte
Dass dieser Film auch über 60 Jahre nach seiner Entstehung nichts an seiner  Beliebtheit eingebüßt hat, ist Grund genug, ein Buch darüber zu schreiben. Worüber ? Nein, dieses Buch ist eben kein bloßes Fanzine, das nochmal die stärksten Szenen wiederholt, es ist auch kein „Buch zum Film“, und schon gar kein Roman, der die Geschichte der „Feuerzangenbowle“ literarisch erzählt.

Der Autor macht sich vielmehr auf Spurensuche. Er leistet fast archäologische Arbeit, ihm ist klar, dass sein Sujet Filmgeschichte ist. Und wie ein Historiker fahndet er akribisch nach Quellen und stellt Fragen, die bisher unbeantwortet sind. So z. B. was aus den vielen Darstellern geworden ist, die z. T. nur bei diesem, wenn auch großartigem Film mitgespielt haben.

Dreharbeiten während des Krieges
„Die Feuerzangenbowle“ ist zwar zeitlos in seiner Wirkung, doch war er in seiner Herstellung ganz entscheidend in den zeitgeschichtlichen Horizont eingebettet. Die Dreharbeiten waren überschattet vom zerstörerischen Krieg, und nicht wenige Schauspieler mussten direkt nach Drehschluss zurück an die Front. Doch selbst diejenigen, die dieses überstanden, waren gezeichnet. Wer wusste schon, dass alle Lehrer der „Feuerzangenbowle“ spätestens in den 50ern gestorben sind, mit nur einer Ausnahme, dem Musiklehrer.

Die Feuerzangenbowle ist einerseits klar in den Filmapparat der Nazis eingebettet gewesen. Andererseits konnte er sich aber auch von ihm abheben. Sieben Wochen vor Drehbeginn, so erläutert der Autor, hatte die 6. Deutsche Armee bei Stalingrad kapituliert und Goebbels im Deutschen Sportpalast zum „Totalen Krieg“ aufgerufen. „Die Feuerzangenbowle“ scheint mit ihrem Arnachismus  und ihrem Auflehnen gegen Autoritäten gar nicht in die Zeit zu passen, und so verwundert nicht, dass der Film zunächst verboten wurde. Man setzte eher auf Durchhaltefilme wie „Kolberg“ oder Helden-Epen wie „Carl Peters“ mit Hans Albers.

Heinz Rühmann schließlich erreichte, dass nur wenig später genau das Gegenteil eintrat: Der Film wurde „auf Befehl“ aufgeführt. Offensichtlich glaubte man durch scheinbar leichte Unterhaltung die zweifelnden Menschen  der „Heimatfront“ bei Laune halten zu können.

„Die Feuerzangenbowle“ heute: Unterhaltung losgelöst vom literarischen Vorbild
Heute scheint der Film dagegen wie losgelöst von dem zeitgeschichtlichen Kontext zu sein. Er hat in der Tat ein Eigenleben, und auch für die Leser, die sich der reinen Unterhaltung hingeben möchten, ist das Buch geeignet. So erfährt man vieles über die charmanten Mitschülerinnen Pfeiffers oder Interessantes über die „Herren der Bowlenrunde“. Auch die Romanvorlage –ein Reclam-Heft- wird näher beleuchtet, sowie verschiedene Drehbuch-Entwürfe und Filmnotizen des Autors der „Feuerzangenbowle“, Heinrich Spoerl.

Anders als der Titel vermuten könnte, wird Heinz Rühmann nicht herausgehoben behandelt. Ein eigenes Kapitel wird ihm nicht gewidmet. So genial er auch die Figur des Pfeiffers auch spielt, macht dies auch Sinn, denn seine Persönlichkeit würd die vielen anderen überdecken, über die man noch so wenig weiß, und nun etwas mehr.

Fazit
Dem Journalisten Oliver Ohmann ist ein erstaunlich tiefer Blick in die deutsche Filmgeschichte gelungen. Der wohl beliebteste deutsche Film „Die Feuerzangenbowle“ ist so vielschichtig, dass man getrost noch weitere Bücher über ihn veröffentlichen könnte. Der Autor hat wahre Detektivarbeit geleistet und widmet den zum Teil vergessenen Schauspielern den Platz, den ihnen bisher nicht eingeräumt wurde. Ein sehr gelungener Ansatz, der aber für eingefleischte „Feuerzangenbowlen“-Fans gewöhnungsbedürftig sein dürfte.

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Ein Kommentar to “Heinz Rühmann und „Die Feuerzangenbowle“”

  1. Lutz Klapp schreibt:

    Ein tolles Buch. Ich habe von der ersten Sekunde bis zum Schluss immer Spannung gespürt, es war nie langweilig.
    Desweiteren habe ich sehr viel über den Film in der Nazizeit erfahren. Ich kann jedem Freund des deutschen Filmes dieses Buch empfehlen.

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