Himmel und Hölle

Autorenwertung
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Himmel und Hölle

Karl L Wetzig (Übersetzer). Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag 2009, Gebundene Ausgabe, 231 Seiten, € 9,18

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

Himmel und Hölle von

Inhalt
Poesie zu lesen ist lebensgefährlich, dass muss Bardur schmerzlich erfahren. Schnell vor der Ausfahrt des Bootes am frühen Morgen läuft er noch einmal zurück in die Hütte, um sich noch ein paar Zeilen von Miltons „Das verlorene Paradies“ einzuprägen. Dann hat er etwas, um darüber nachzudenken in den Stunden vor dem Tag, wenn die sechs Männer in dem geradezu winzigen Fischerboot draußen auf dem winterlich kalten Meer sitzen und warten, dass der Dorsch anbeißt. In der Eile vergisst Bardur den Anorak. Als das Wetter umschlägt und hohe Brecher über das Boot herfallen, wird Bardur klatschnass – und erfriert in kürzester Zeit.

Als die Männer wieder anlanden, können sie nur noch Bardurs Leiche an Land bringen – und der Junge, die namenlose Hauptperson von Stefanssons Himmel und Hölle, hat den einzigen Freund verloren, den einzigen Menschen, der ihm etwas bedeutete und ihm im Leben hielt. Der Junge saß mit im Boot, aber er konnte seinen Freund nicht retten. Auch der Junge will nicht mehr leben, zuvor jedoch muss er noch das Buch, das ihn seinen Freund gekostet hat, seinem Besitzer zurückbringen. Für den Jungen eine Aufgabe der Ehre, auch wenn der Gang übers Hochland im tiefen Winter ebenfalls lebensgefährlich ist.

Wir befinden uns in Island, einem Island vor etwa 100 Jahren, als Fischfang und Seefahrt fast die einzige Möglichkeit des Lebensunterhaltes darstellten und die, die nicht aufs Meer hinausfuhren, in den Fischfabriken arbeiteten und Dorsch einsalzten. Das Land ist bitterarm und jede Familie hat Männer auf See verloren. Auch der Vater des Jungen starb, als er erst sechs Jahre alt war, er wurde zu Fremden gegeben, da die Mutter die drei Kinder nicht ernähren konnte. Das Meer ist der Horizont dieser Welt, nicht nur in der Wirklichkeit. Dass Bardur und der Junge lesen, das ist ungewöhnlich. Bücher leihen sie sich von Kolbeinn, dem alten, erblindeten Kapitän, der 400 Bücher hat – kaum zu glauben. Ihm gehört auch „Das verlorene Paradies“, das Buch, das er nur sehr selten verleiht. „Vielleicht ist die Hölle eine Bibliothek, und du bist blind“, murmelt einmal der verbitterte alte Kapitän.

Der Junge bringt das Buch zurück und bricht in der Gaststube, in der Kolbeinn immer sitzt, zusammen. Von den zwei Besitzerinnen des Gasthauses der Hafenstadt wird er gepflegt und sie bieten ihm auch eine Alternative zum Kältetod, den der Junge sich schon ausgemalt hatte. Wie findet man auch aus Trauer und Verzweiflung zurück ins Leben? Der Junge hatte ja weder ein Zuhause, noch eine Familie mehr, in der anderen Welt warteten sein Freund, sein ertrunkener Vater, und seine Mutter mit der kleinen Schwester auf ihn. Doch plötzlich stellt er fest, dass er leben will – was ihn selbst sehr verwundert. Auch das eine oder andere weibliche Lächeln trägt zu dem neuen Lebenswillen bei.

Der Autor
Jon Kalman Stefansson wurde 1963 in Reykjavik geboren. Er arbeitete in verschiedenen Berufen, wie viele isländische Schriftsteller u.a. in der Fischindustrie, als Maurer und als Polizist am Flughafen, bevor er Literatur studierte, was er jedoch nicht abschloss. Dann folgten Arbeiten als Lehrer, Journalist, Leiter einer Bücherei und zuletzt als freier Schriftsteller. Heute gehört er zu den wichtigsten Autoren seines Heimatlandes.

Fazit
Die Geschichte um den Jungen und seinen Freund ist nur eine Episode des Buches über das Leben zwischen Himmel und Hölle. Auf eine ganze Reihe weiterer Figuren, manchmal recht kauzige, vom Leben nicht unbedingt verwöhnte Menschen wirft Stefansson Schlaglichter. Sätze wie geschnitzt, poetische Schlaglichter, kleine Anekdoten erwecken diese vergangene Welt wieder zum Leben. Wer eine Ader hat für die Schönheiten von Sprache, von passgenauen Formulierungen, der wird Stefansson lieben.

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