Hinterhofhelden

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Hinterhofhelden

Johannes Groschupf. Eichborn Verlag 2009, Gebundene Ausgabe, 224 Seiten, € 0,59

Rezension von: istillreadbooks | Rezensionsdatum:

Hinterhofhelden von

Inhalt
Der junge Hans Odefey zieht Anfang der 80er Jahre zum Studieren in den West-Berliner Stadtteil Neukölln. Für ihn beginnt eine Odyssee, bei der er vor dem rauhen Hintergrund von Neukölln lernt, das Leben zu genießen, die Dinge zu nehmen, wie sie kommen und sich mit seiner Situation zu arrangieren. Odefey verliert schnell die Lust am Studium und verbringt seine Tage daraufhin in den Straßen von Neukölln, immer mit einer Kamera ausgerüstet, mit der er alles einfängt, was ihm interessant erscheint – Hausfrauen, die rauchend am Fenster stehen sind dabei für ihn genauso von Bedeutung wie die Straßenzüge „seines“ Bezirks, der von zahlreichen skurrilen Gestalten bevölkert wird.

Als es für Odefey finanziell eng wird, beginnt er, einige seiner Fotos an Lokalzeitungen zu verkaufen und hält sich damit mehr schlecht als recht über Wasser. Mit dem Foto eines Kontrolleurs der BVG, welches in einer größeren Tageszeitung abgedruckt wird, avanciert Odefey schließlich zu einer lokalen Berühmtheit. Die Frauen gleichwelchen Alters sind einem Stelldichein mit Odefey nicht abgeneigt, doch Odefey ist etwas unbeholfen, und als er sich verliebt, bringt das seine bis dahin halbwegs geordnete Welt ins Wanken.

Ein amüsanter und berührender Roman, der ein stimmungsvollen Bild der längst vergangenen Tage Berlins zeichnet
Dem Autor Johannes Groschupf gelingt mit „Hinterhofhelden“ eine faszinierende Milieustudie, die sowohl durch intelligenten Wortwitz und überraschende Wendungen als auch durch eine anfangs nicht zu erahnende Tragik besticht. Im Mittelpunkt der Handlung steht der junge Student Hans Odefey, der immer etwas unbeholfen wirkt und gerade dadurch so lebensecht erscheint, ein Charakter, mit dem sich jeder Leser schnell identifizieren kann.

In gewisser Weise ist „Hinterhofhelden“ dabei eine Ode an das Neukölln der 80er Jahre, einem Bezirk, der heutzutage meist nur noch in Zusammenhang mit Armut, Perspektivlosigkeit und Gewalt in den Medien präsent ist. Dass es einst ein anderes Neukölln gab, in dem die Bewohner des Bezirks zwar genauso rau und offen miteinander umgingen wie heute, im tiefsten Herzen jedoch stolz auf ihren etwas alternativen Bezirk waren, rückt durch Groschupfs Roman wieder in den Vordergrund.

Die Sätze, die Groschupf wählt sind dabei wunderbar unprätentiös und zuweilen lakonisch und fangen dabei auf beeindruckende Weise das Lebensgefühl der Neuköllner ein. Viele bekannte deutsche Zeitungen schrieben über „Hinterhofhelden“, „dass der Leser die Kohlsuppe förmlich riechen kann“ (Berliner Morgenpost). Der Handlungsstrang verläuft dabei sehr klar und nachvollziehbar, und auch die Entwicklung des Protagonisten Odefey ist zu jeder Zeit verständlich. Und die kleine Liebesgeschichte, auf die der Leser von „Hinterhofhelden“ auch nicht verzichten muss, ist dabei absolut überzeugendes „Beiwerk“.

In „Hinterhofhelden“ kommen die unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zu Wort: Der Alltag von Alkoholikern in einer Eckkneipe wird genauso eindrücklich beschrieben wie das Leben von zwei etwas angsteinflößend wirkenden Trödlern, die in ihrem Laden für die zahlungswillige Kundschaft fast alles bereit halten – von der Minolta-Kamera, die Odefey sich gönnt über gefälschte Berlinale Tickets (die Odefey später ebenfalls erwerben wird) bis hin zu Waffen und Antiquitäten.

Fazit
„Hinterhofhelden“ ist ein sehr gelungener Roman, der eine vergangene Zeit wieder auferstehen lässt. Das Leben im West-Berlin der 80er Jahre geht angesichts der seit Jahren immer wieder aufschwappenden „Ostalgie-Welle“ oft unter, und so bietet „Hinterhofhelden“ eine gelungene Abwechslung zu den sonst oft eintönigen Berlin-Romanen.

Manche Anekdoten werden den geneigten Leser dabei an „Herr Lehmann“ erinnern, trotzdem ist „Hinterhofhelden“ eine ganz eigene Geschichte, und es muss natürlich auch gesagt werden, dass beispielsweise die „Legenden“ um die Berliner Hunde sich einfach ideal zur literarischen Verarbeitung eignen – was sich an „Hinterhofhelden“ eben genauso festmachen lässt wie an „Herr Lehmann“. Kurzum: Hinterhofhelden ist ein unglaublich komischer, realitätsnaher Roman, der das Kunststück vollbringt, trotz aller Komik niemals nur an der Oberfläche zu kratzen – bedingungslos empfehlenswert!

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