Hirngespinste

Autorenwertung
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  • Unterhaltung
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  • Gesamt
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Hirngespinste

Markus Orths. Schöffling 2009, Gebundene Ausgabe, 160 Seiten, € 17,90

Rezension von: istillreadbooks | Rezensionsdatum:

Hirngespinste von

Inhalt
Ein junger Autor steht vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe: Er soll endlich seinen zweiten Roman fertigstellen. Der Name des Schriftstellers: Kranich, Lehrer für Englisch und Deutsch – den Lesern von Markus Orths erstem Roman „Lehrerzimmer“ wird Kranich bereits bekannt sein. Doch nachdem Kranich mit „Lehrerzimmer“ seinen ersten Erfolg als Literat hatte, fällt er in ein Loch. Zwar ist er selbst von der Genialität seines zweiten Werks „Schreib, Maschine!“ absolut überzeugt, doch Kranichs Verleger ist unglücklicherweise völlig anderer Meinung: „Schreib, Maschine!“ sei Schrott, und da auch der Verleger selbst in Kranichs neuem Roman nicht besonders gut wegkommt, ist Kranichs Verleger noch weniger gewillt, Kranichs zweiten literarischen Versuch zu veröffentlichen.

Doch von einem Misserfolg lässt sich Kranich noch nicht abbringen: Er entschließt sich zu einem Umgebungswechsel und zieht bei seiner Tante Erna ein – zwar hatte Kranich sich die „neue Umgebung“ etwas anders vorgestellt, doch seine finanzielle Situation ließ ihm nicht viele Wahlmöglichkeiten, denn seinen Job als Lehrer an einem Frankfurter Gymnasium hat er bereits nach kurzer Zeit wieder an den Nagel gehängt, und das Geld, welches er dank des Erfolgs von „Lehrerzimmer“ zurücklegen konnte, ist mittlerweile auch aufgebraucht. Nun versucht Kranich verzweifelt, in der kleinen Dachwohnung seiner Tante Erna seinen zweiten (eigentlich ja schon seinen dritten,  denn der zweite wurde ja nur nicht veröffentlicht) Roman zu Papier zu bringen.

Plötzlich hat Kranich eine geniale Idee und bereitet sich auf den großen Erfolg vor – Kranich ist der Meinung, dass er schon bald in die Riege der internationalen Bestsellerautoren aufsteigen wird. Er ist von seiner Idee so überzeugt, dass er sich bereits ausmalt, wie sich seine Idee zu einem Epos entwickelt, wie jährlich neue Fortsetzungen der gefeierten Erzählungen um einen unsterblichen Grafen erscheinen, und wie schließlich der Veröffentlichungstermin eines jeden neuen Bandes der „Kranich-Erzählungen“ zum nationalen Feiertag erklärt wird. Das einzige Problem an der Sache: Nach Wochen hat Kranich immer noch nicht mehr als den ersten Satz seiner Erzählung um den Grafen geschrieben, und bald ist Kranich selbst nicht mehr von seinem „genialen Einfall“ überzeugt.

Seine finanzielle Lage nimmt derweil immer „ernstere Züge“ an, und zu allem Überfluss nistet sich in der Zwischenzeit auch noch Kranichs schwangere Schwester Tamara bei ihm ein. Kranich weiß nur eins: Er braucht dringend einen „literarischen Quickie“, einen Roman, den er schnell schreiben kann und mit dem er ebenso schnell Geld verdienen kann. Um seine Schreibblockade zu überwinden, nimmt Kranich die Hilfe eines Neurowissenschaftlers in Anspruch, der versucht, Kranichs Hirn mithilfe einer experimentellen Methode auf Trab zu bringen und in neue Bewusstseinssphären vordringen zu lassen. Ein Versuch, dessen Ergebnis eher zweifelhafter Natur ist…

Ein wahnwitziger Roman, der mit viel Sprachwitz und Einfallsreichtum begeistern kann
Die Figur des Lehrers Kranich lehnt sich an den Verfasser Markus Orths selbst an, ohne dass die Romane von Markus Orths autobiographisch sind oder so wirken. „Hirngespinste“ beschreibt, wie es mit Kranich nach dem Erfolg von „Lehrerzimmer“ weitergeht, und die fixen Ideen und abstrusen Vorstellungen mit denen sich Kranich in „Hirngespinste“ beschäftigt – von einer „Auseinandersetzung“ mit den Gedanken kann wahrlich keine Rede sein, denn Kranich ist von seinem eigenen Können stets überzeugt – sind ungemein skurril, ohne unglaubwürdig zu wirken. Orths gelingt es stets, die Balance zwischen der teils schon ins Groteske abdriftenden Situationskomik auf der einen Seite und der beeindruckend authentischen Erzählweise auf der anderen Seite zu halten.

Dabei vermittelt schon der Klappentext einen ersten Eindruck von dem, worum es in „Hirngespinste“ geht: „Ein anderer, sagte V., dieser Eberhardtner, der hat mir mal, das ist ja schon zwanzig Jahre her, da hat der mir ein Manuskript geschickt: 354 leere Seiten. Einfach leer. Nichts drauf. Das Ganze hatte sogar einen Titel: Der Tanz der weißen Buchstaben. Wenn du willst, hat Eberhardtner gesagt, kann ich den Text noch kürzen.“ In Markus Orths zweitem „Kranich-Roman“ gibt es noch einige solcher Passagen. Der Roman vermittelt auf äußerst amüsante Weise einen Eindruck vom häufig so „angestrengt ernsten“ Literaturbetrieb und erzählt die Geschichte eines Schriftstellers, der auf der Suche nach der Freiheit ist und dabei immer wieder in den Wirrungen des Alltags verloren geht.

Fazit
„Hirngespinste“ ist ein leicht zu lesender, vergleichsweise kurzer Roman, der mehr bietet als nur „solide Unterhaltung“ – der Roman ist so unfassbar komisch, dass man ihn besser nicht in Gesellschaft lesen sollte – die Mitmenschen könnten sich sonst aufgrund von unerwarteten Lachanfällen erschrecken. Markus Orths beweist mit seinem zweiten „Kranich-Roman“ einmal mehr, dass er die zahlreichen Preise, mit denen er seit dem Jahr 2000 ausgezeichnet wurde, absolut verdient hat.

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