Hotel van Gogh

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Hotel van Gogh

J. R. Bechtle. Frankfurter Verlagsanstalt 2013, Gebundene Ausgabe, 320 Seiten, € 3,18

Rezension von: Kokoro | Rezensionsdatum:

Hotel van Gogh von J.R.

 

Inhalt

Frankreich 1953 und 2003: In zwei parallelen Haupthandlungssträngen kämpfen zum einen die Brüder Vincent und Theo van Gogh um die Anerkennung Vincents als Maler; die Handlung beginnt am Vorabend von Vincents Tod in einem kleinen Hotel in Auvers-sur-Oise in Frankreich, als Theo zu seinem Bruder anreist, da er informiert wurde, daß sich sein Bruder angeschossen hat und nicht zu retten sei. 150 Jahre später reist Sabine Bucher, eine gestandene Anwältin aus Deutschland zu dem gleichen Hotel an, da sie von der französischen Polizei von dem Selbstmord ihres Onkels Arthur Heller informiert wurde und ihn nun identifizieren soll. Sie hat eigentlich gerade Urlaub und möchte diesen auf Sylt mit ihrem Gelegenheitsliebhaber Peter, einem Investmentbanker, verbringen. Entsprechend ist sie nicht sonderlich begeistert, nach Frankreich zu fahren, zumal sie lange keinen Kontakt zu ihrem Onkel hatte. Dieser hatte vor 10 Jahren in Deutschland sein erfolgreiches Unternehmen gut verkauft und sich als Schriftsteller selbständig gemacht, jedoch bislang ohne Erfolg – ähnlich also wie Vincent van Gogh. Nach und nach wird Sabine in den Fall hineingesogen, sie erfährt durch Tagebucheinträge ihres Onkels mehr über ihn, seine Werke und auch seine Liebschaften, stellt fest, daß es gar kein Selbstmord gewesen sein kann und nicht zuletzt erlebt sie, wie sich Peter zu einem echten Partner entwickelt.

Ein deutscher Verlag hat quasi genau zum Todestag Arthur Hellers diesem die langersehnte Zusage geschrieben, daß sein Lieblingsbuch veröffentlich wird, was Heller jedoch nicht mehr erreicht hat. Sabine muß sich also zusätzlich in das Werk Hellers reinarbeiten, damit es pünktlich zur Buchmesse veröffentlicht werden kann.

Aufbau des Buches und Hintergrundinformationen

Die Schilderung von Van Gogh beruht auf den wahren Umständen der Geschwisterbeziehung der beiden Van Gogh Brüder, ebenso wie die Orte, die geschildert werden.

Der Roman besteht aus drei großen und zwei kleinen Teilen bzw. Handlungssträngen: Zunächst wird kapitelweise abwechselnd das Leben von Vincent van Gogh und seinem Bruder Theo auf der einen und Sabine Bucher und ihrem Onkel Arthus Heller auf der anderen Seite beschrieben. Als dritter Teil eingeschoben ist auf knapp 100 von 300 Seiten der Teil „Aus den Tagebüchern Arthur Hellers“, also dem toten Onkel von Sabine. Dies ist jedoch eher ein schriftstellerischer Kunstgriff denn richtige Tagebucheinträge. Es handelt sich nämlich nicht um richtige Tagebucheinträge, sondern eher eine zusammenfassende Erzählung der entscheidenden 10 Jahre Arthur Hellers aus seiner Zeit nach dem Ausstieg als Unternehmer hin zu einem Leben in Paris als Schriftsteller, der mit ähnlichen Schwierigkeiten kämpft wie seinerzeit Vincent van Gogh.

In zwei kleineren, aber ebenso interessant geschriebenen Handlungssträngen schließlich vergleicht der Autor das Leben von Johanna van Gogh, Vincents Schwägerin und Theos Frau, mit Sabine Bucher. Johanna kämpfte ebenso wie Sabine posthum um die Anerkennung des Künstlers Vincent, so wie es Sabine mit ihrem Onkel tut.

Eine weitere Parallele gibt es noch inhaltlich: während in Auvers-sur-Oise zeitgleich zum Tod von Arthur Heller eine Polizeirazzia gegen die dort wohnenden Muslims stattfindet, handelt das Hauptwerk Arthur Hellers in dem Roman von den Schwierigkeiten zwischen einer Jüdin und einem Deutschen in der heutigen Zeit.

Schließlich, und auch das ist sehr interessant, gleicht offenbar auch das Leben des Autors Bechtle in einigen Aspekten den Haupthandlungssträngen. Er hat lange Jahre als Jurist gearbeitet und sehr spät dieses Buch veröffentlicht.

Fazit

Für jemanden, der nicht so gern historische Romane liest, fängt das Buch zunächst etwas schwierig an, aber schon nach den ersten Seiten ist der Leser gepackt von der wirklich guten Schreibweise, der sehr interessanten Story und den sich parallel entwickelnden Handlungen, eine in der Vergangenheit, eine in der quasi Gegenwart (2003).

Auch die beiden zusätzlichen kleinen Handlungsstränge über die Frauen im Leben der Hauptprotagonisten ist sehr interessant gemacht und greift ein heute immer wieder aufkommendes, und genauso immer wieder mißachtetes Thema auf: oft sind es die Frauen, die die den Erfolg erst ermöglichen – und zwar nicht dadurch, daß sie den Haushalt führen und den Mann entlasten, sondern durch ihre Beharrlichkeit, ein Ziel zu verfolgen.

Lediglich der eingeschobene „Tagebuchteil“ ist etwas verwirrend am Anfang, da er eben als „Tagebuch“ dargestellt wird. De fakto aber sind diese Schilderungen zeitlich und emotional distanziert geschrieben, anders als es echte Tagebucheinträge wären. Daher ist die Kapitelüberschrift verwirrend. Da aber genau diese Gedanken Arthur Hellers wichtig für den gesamten Roman sind, wäre es sinnvoll gewesen, das Kapitel umzubenennen.

Insgesamt ein sehr sehr lesenswertes Buch. Spannend, gute Geschichte, hervorragend recherchiert, ohne langweilig zu sein. Großartig!

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