Hunger

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Hunger

Muhammad Al-Bissati. Lenos 2010, Gebundene Ausgabe, 140 Seiten, € 17,50

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Hunger

Hunger, wir kennen das kaum noch, ist nicht nur ein momentanes Gefühl. Hunger verändert das ganze Leben und – Hunger hat viele Gesichter. Das ist das Thema des Romans des Ägypters Muhammad al-Bissati: Er schreibt über Hunger.

Plot
In einer ägyptischen Kleinstadt lebt die Familie: Saghlûl, der Mann, Sakîna, die Frau und ihre zwei Söhne. Schon früh morgens, lange vor den anderen, sind sie wach. Es ist der Hunger, der sie nicht schlafen läßt. Und die Leere des Magens breitet sich im ganzen Menschen aus, alles wird der Suche nach Brot untergeordnet. Die Suche nach etwas zum Essen wird zum Lebensinhalt, wenn es etwas zu essen gibt, ist das die Erfüllung aller Wünsche. Was wünscht sich Sakîna? Dass ihre Söhne satt werden. Was macht ihr Mann? Er sitzt auf der Bank und stochert mit einem Halm aus dem Strohsack, auf dem sie schlafen, in seinen Zähnen. Saghlûl kann arbeiten für zwei, manchmal tut er das auch, aber schnell ist dieser Ausbruch auch wieder vorbei. Er arbeitet als Bedienung im Café, schnell und fleißig, aber nach ein paar Tagen – es gibt endlich Brot – ist er wieder zu Hause, die Arbeit hat er verlassen, jemand habe seine Mutter beleidigt und das konnte er doch nicht auf sich sitzen lassen. Also ging er und die nächsten Tage wird der Korb, der von der Decke hängt und über den die Mutter eifersüchtig wacht, wieder kein Brot enthalten.

Bei Beerdigungen oder Hochzeiten arbeitet Saghlûl auch, für die Belohnung im Jenseits schleppt er Möbel, die zur Aussteuer der Braut gehören, ins Haus des Bräutigams – dafür gibt es manchmal Zigaretten. Kein Brot für die Kinder. Doch auch Saghlûl hungert, nicht nur nach Brot – und wenn möglich etwas, um es einzutunken, nicht nur nach Zigaretten, er hungert nach Wissen. Tagelang verfolgt er eine Gruppe von Studenten und lauscht ihren Reden. Wenn sie nur über Frauen sprechen, ist er enttäuscht, wenn sie über Politik reden, lauscht er jedem Wort.

Der älteste Sohn erhält zerbrochene oder angebrannte Restbrote beim Bäcker, es geht der Familie besser, auch wenn es nur Regierungsbrot ist für die Armen. Dann verlässt der Bäcker die Stadt und sein Nachfolger ist nicht so großzügig. So ist es immer, Glück und Unglück, Hunger und Sattsein wechseln einander ab. Die Familie ist den Wechselfällen des Lebens ausgeliefert. Jeder Versuch, das Glück zu ändern, scheitert letztlich. Auch vereinzelte Aktionen der Hilfe von anderen ändern nicht wirklich die Lage der Familie. Sie hat ihren Platz im Klassengefüge, und das ist unten, Hunger ist ihr Lebensgefühl.

Fazit
Das recht schmale Bändchen macht deutlich, dass Hunger ein ganzes Leben bestimmen kann, zum Lebensgefühl wird – und immer noch ein ungelöstes Problem dieser Welt ist. Was Hunger langfristig bedeutet und in welcher Form er auftritt, zeigt uns der ägyptische Autor in einer einfach und geradlinig erzählten Geschichte.

Autor
Muhammad al-Bissati wurde 1937 in Ägypten geboren, er studierte Wirtschaftswissenschaften und war viele Jahre als staatlicher Wirtschaftsprüfer tätig. Heute lebt er als Schriftstseller in Kairo. 2000 erhielt er den Sultan-Uwaiss-Preis, verliehen in Dubai, der als ein „arabischer Nobelpreis “ angesehen wird.  Sein Werk umfasst Romane und Erzählungen, Hunger schrieb er 2007.

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