Ich will heiraten

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Ich will heiraten!

Kristina Bergmann (Übersetzer). Lenos 2010, Broschiert, 218 Seiten, € 0,94

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Ich will heiraten. Partnersuche auf Ägyptisch

Inhalt

Bride, das alter ego von Ghada Abdelaal, ist eine junge Frau, die heiraten will. Bride hat studiert und arbeitet in einer Klinikapotheke, sie verdient eigenes Geld und eigentlich geht es ihr gut. Aber sie ist bereits 28 Jahre alt, die 30 steht wie ein dunkler drohender Schatten über ihr. Ab 30 spätestens ist eine Ägypterin eine alte Jungfer, die niemand mehr haben will. Bride muss heiraten, um Kinder haben zu können, um ihr Leben vollständig zu machen. Aber wie findet ein „anständiges“ Mädchen im muslimischen Ägypten einen Mann? Da gibt es die „Salonheirat“, eine arrangierte Ehe mit dem Konzept, dass sich die potentiellen Partner vorher zwar sehen, aber keineswegs kennenlernen können. Irgendeiner der weitläufigen Verwandtschaft oder Bekanntschaft kennt jemanden, ein Treffen bei Tee und Kuchen wird arrangiert und der junge Mann unter die Lupe genommen. Romantik? Liebe? Fehlanzeige.

Bride beschreibt in ihrem sehr kurzweiligen Buch, was bei diesen Vorstellungsrunden alles so passiert. Da taucht ein Arzt auf, lädt die Familie in seine Praxis ein, ein gutaussehender Mann mit grünen Augen und Grübchen. Bride ist nahezu bereit, die „Praxis zu heiraten“, als sich bei einem weiteren Besuch herausstellt, dass der junge Arzt nur der Sohn des Arztes ist, ein Versager, der nicht einmal das Studium abgeschlossen hat. Ein anderer benutzt die gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit des Kennenlernens für einen schnöden Raub. Wieder ein anderer erscheint mit seinen zwei Schwestern im Schlepptau, die sich allerdings als seine Ehefrauen herausstellen. Bride war geplant als Frau Nummer drei. Bride macht sich über die Männer, aber auch über die jungen Frauen und die Getriebenheit der Eltern gnadenlos lustig. Bevor ein Anwärter erscheint, wird das ganze Haus geputzt, für einen als religiös bekannten potentiellen Ehemann wird auf Make up verzichtet, so dass der Vater seine Tochter kaum wiedererkennt. Kann man einen Mann heiraten, der mit Sandalen kommt, einen, der nach der Hand seiner Mutter greift?

Die Blütenlese ägyptischer Männlichkeit, die Bride uns hier vorführt, begeistert überhaupt nicht. Lass es bleiben, heirate nicht, möchte man der jungen Frau zurufen, die auch einen sehr klaren Blick auf Ehe und Familienleben hat. Lächerlich ist manche Begegnung, manches geradezu absurd, auch das Verhalten der jungen Frauen mit Torschlusspanik ist keineswegs immer anständig – in der Apotheke, in der Bride arbeitet, ist nur eine der Frauen bereits verheiratet, die anderen suchen noch.

Entstanden ist das Buch „Ich will heiraten“ aus einem in Ägypten sehr bekannten und beliebten Blog „Wanna b a bride“, in dem viele Bräute in spe ihren Frust über das absurde System der Partnersuche aufschrieben. Einerseits soll eine gute, wohlerzogene Tochter möglichst überhaupt keinen Kontakt mit Männern haben, einige der Studentinnen weigern sich sogar konsequent, mit männlichen Kommilitonen auch nur zu sprechen, und andererseits müssen sie einen Ehemann finden, um dann möglichst umgehend schwanger zu werden.

Die Autorin

Ghada Abdelaal ist 1978 geboren, hat Pharmakologie studiert und arbeitet in einer Klinikapotheke. Ihr Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt und als Fernsehserie verfilmt, für die sie das Drehbuch schrieb. Sie nennt sich selbst eine Vertreterin der 15 Millionen Frauen zwischen 25 und 35, die von der Gesellschaft gedrängt werden zu heiraten, auch wenn sie selbst am wenigsten Einfluss auf eine potentielle Eheschließung haben. Ghada Abdelaal ist keine Rebellin, sie trägt Kopftuch und steht hinter den Werten der ägyptischen Gesellschaft, sie ist nur klug und gebildet, sie will einen Mann heiraten, der ein wirklicher Partner sein könnte, und sie will Kinder. Ghada Abdelaal ist immer noch unverheiratet.

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