Il Canto di Malavita – Mafia für die Ohren

Autorenwertung
  • Melodie
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  • Authentizität
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  • Texte
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  • Gesamt
    3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne
Rezension von: Buzzanca | Rezensionsdatum:

Il Canto di Malavita oder Wie man bei Mafia, Ndrangheta, Camorra und Sacra Corona Unita singt und dennoch am Leben bleibt

Inhalt

Dass das Organisierte Verbrechen auch jenseits ohrenbetäubender Schießereien und Meldungen über Morde etwas zu sagen hat, beweist die vom Fotografen Francesco Sbano mit herausgegebene CD-Trilogie Il Canto die Malavita. Übersetzt bedeutet dies so viel wie die Musik des Verbrechens, wobei der Ausdruck Malavita nicht nur in Italien auch Assoziationen von Melancholie, Romantik, Freiheit und (paradoxerweise) Gerechtigkeit weckt.

Die 22 Stücke der ersten (und musikalisch auch besten) CD sind ein wahres Panotikum, wenn es um das schizophrene Verhältnis der Öffentlichkeit mit dem ‚Mythos‘ Mafia geht. Genauso verhält es sich mit den 21 Titeln der zweiten und den wiederum 22 Titel des letzten Teils der Trilogie. Schließlich vermitteln diese Lieder und Sprechgesänge einerseits ein wirklich akustisch betrachtet authentisches Gefühl der Malandrini und Uomini d’Onore des ausgehenden 19.jahrhunderts. Andererseits wird von Ehre und Mord an Verrätern und Polizisten gesungen, wie auch angeblich unschuldig Inhaftierte sich nach Freiheit sehnen und Rache an den Verrätern schwören. Fast schon höhnische Titel wie beispielsweise Brot und Respekt für die Arbeiter just vor einem Lied, welches Rache aus Ehre heißt, reihen sich an eingängige Instrumentalstücke,  fast schon beschwörende Sprechgesänge (Parlato) und wirklich untragbare Lieder wie Mussolini Galantuomo – also Mussolini Ehrenmann. Keiner mag widersprechen, wenn hier der Spaß aufhört –  und schöne Melodien und Authentizität ohne Wertung  hin oder her, dies sind keine Lieder, die in die Welt getragen werden sollten bzw. dürften.

Bildhafte Sprache

Alleine das Cover der dritten CD (es zeigt einen Mann, dessen Gesicht man nicht sehen kann, der jedoch eine Gitarre in der Hand hält und vor einem Tisch mit einer Pistole und einem Aschenbecher sitzt) gibt Anlass zu Diskussionen um die Verherrlichung des Organisierten Verbrechens und dessen Methoden. Auch die in den Texten benutzen Bilder und Metaphern riefen in den Jahren 2000 bis 2005 heftige Proteste seitens der italienischen Linken hervor.  Natürlich ist die Musik Kalabriens ein Teil ihrer kulturellen Identität, doch scheint trotz eingängiger Melodien und dem Benutzen traditioneller Instrumente (wie beispielweise der Maultrommel) eine gewisse Verunglimpfung dieser Tradition nicht auszuschließen.

Fazit

Es gelingt nicht, die schönen Melodien von den weniger schönen Texten zu trennen, was alle drei CDs der Trilogie zu einem zwiespältigen Vergnügen macht. Wer weiß, ob es eine praktikable Lösung wäre, die Instrumentalstücke und weniger das Verbrechen anpreisende Lieder zu einem Best Of zusammenzufassen, um somit nicht zuletzt auch den Opfern der Mafia und deren Verbrechen ein Stück weit gerechter werden zu können.


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