Im Westen nichts Neues

Autorenwertung
  • Spannung
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  • Dramatik
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  • Geschichte
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  • Emotionen
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  • Hörspaß
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  • Gesamt
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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues

Nicht neu, aber immer noch notwendig

Eine große humanistische Frage, die Psychologie und Anthropologie, Soziologie und Geschichte um Hilfe bittet, ist das zentrale Thema dieses Buchs, das weit über die Literatur und Kunst hinausgreift: ist kriegerisches Verhalten als naturgegeben zu rechtfertigen? Ist das Töten der Artgenossen um jeden Preis in der Natur des Menschen angelegt? Sich überhaupt diese Frage zu stellen, ist bei allem impulsiven Wollen gar nicht so leicht, denn wenn man es verneinte, müsste man sich die Frage stellen, warum – trotz aller anscheinend doch so vernünftigen politischen Überlegungen – täglich, wöchentlich, monatlich und jährlich die Geschütze feuern und die Menschen massakriert werden.

Erich Maria Remarque, der als Erich Paul Remark in Aachen auf die Welt kam, sich aber seinem französischen genealogischen Hintergrund im Rahmen seines Künstlernamens wieder zuwandte, wagte eine Antwort auf diese heikle Frage nicht in aufklärerischer oder usurpierender Form; er benutzte keine gefühlten Metaphern und moralische Hämmer, nein, er ließ nüchtern, fast schon militärisch, Stellung beziehen, die er höchstselbst im ersten Weltkrieg erfahren hat. Die Schreibe also ist mal grausam, mal liebreizend, aber selten wertend oder gar enthusiastisch, positiv wie negativ. Dass es sich hierbei trotzdem um das berühmteste Antikriegsbuch der Welt handelt, lässt zumindest vermuten, dass dem Menschen auf die Antwort der Eingangsfrage eine anthropologische Konstante, also eine menschliches Grundbedürfnis, zugrunde liegt; und das Nicht-Erreichen einer dauerhaften Befriedung in vielfältigen historischen oder kulturellen Übeln zugrunde liegt. Zumindest dürfte sich jeder selbst mal die Frage stellen, inwieweit der persönlichen Neigung nach Krimis, Thrillern und Abenteuerlust in Fernsehen und Literatur dem einen wie dem anderen Grundbedürfnis Rechnung getragen wird.

Angeblich, so erzählt das sehr ausführliche und lesenswerte Booklet, ist im Westen nichts Neues das meistverkaufteste Buch nach der Bibel. Das behaupten allerdings so einige wichtige Bücher der Welt von sich; immerhin aber lässt sich konstatieren, dass dieses Buch einen enormen Erfolg und eine enorme Bedeutung im kollektiven Gedächtnis hat, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass wenige Jahre nach der Erstveröffentlichung die Nazi-Horden und ihre tumben Befürworter sich just jenem Werke in verachtender Weise annäherten. Das Verbot macht ja bekanntlich besonders interessant.

August Diehl, Schaupsieler und Gitarrist in einer Band, bringt den nüchternen Pathos – wenn es so etwas geben kann – stilistisch gekonnt, ohne Schnörkel und Umschweife auf den Punkt. Das mag man bieder nennen wollen, oder einfach nur der Typologie des Autors angepasst. Von daher: trefflich.

Was für die Filmfreunde Die Brücke oder Good Morning Vietnam sind, ist im Westen nichts Neues für den Büchermarkt – eine ergreifende, bewegende und mehr als realistische Schilderung menschlichen Irr- und Wahnsinns. Nicht schöner und schlimmer als es sein könnte. Remarque muss auch gar nichts erfinden, denn er hat das alles selbst erlebt.

Fazit:

Weltbeststseller trifft hochwertigen Hörverlag, der die vom RBB produzierte Fassung mit schönem Pappetui und fünf CDs unters Volk bringt. Auf das es aufhören möge zu kriegen. Doch sie wollen immer etwas kriegen und etwas haben, und so wird’s schwer, so oft man es auch hören oder lesen mag, mit dem allzu frommen Wunsch des Friedens.

 

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