In meinem Himmel

Autorenwertung
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In meinem Himmel

Almuth Carstens (Übersetzer). Goldmann Verlag 2005, Taschenbuch, 384 Seiten, € 38,00

Rezension von: Nathalieo10 | Rezensionsdatum:
In meinem Himmel von

Susie ist tot. Am 6. Dezember 1973 wurde sie von einem Nachbarn vergewaltigt, ermordet und in die Einzelteile ihres Körpers zerlegt. Susie war erst vierzehn Jahre alt.

Das sind die erschreckenden Fakten, denen sich der Leser des Romans „In meinem Himmel“ (Original: ) von Alice Sebold stellen muss. Es klingt zunächst nach einem gewöhnlichen Thriller, doch der Eindruck täuscht. Gewöhnlich ist an dieser Geschichte gar nichts, denn es ist Susie selbst, die uns gleich auf der ersten Seite von ihrem Tod erzählt.

Inhalt

Das junge Mädchen befindet sich gerade auf dem Heimweg, als ein bekannter Mann aus der Nachbarschaft ihr auflauert und sie in sein Versteck lockt. Obwohl Susie von Anfang an misstrauisch ist, tut sie, was jeder in einem Moment wie diesem tun könnte: Sie folgt ihm. Nur ganz kurz, um ihn nicht zu enttäuschen! Danach will sie schnell nach Hause gehen. Doch ehe Susie sich ihrer Lage bewusst wird, ist es zu spät. Wehrlos muss sie ihre Vergewaltigung über sich ergehen lassen, wehrlos ihre Ermordung.
Hier endet Susie Salmons Leben, ihre Geschichte hingegen nimmt gerade erst ihren Anfang.
Denn Susie Salmon kann ihren Tod nicht begreifen. Zunächst glaubt sie, sie habe nach ihrer schrecklichen Vergewaltigung entkommen, ihrem Mörder entfliehen können. Und so irrt eine Weile lang umher, aufgewühlt, verstört. Doch die Welt scheint auf einmal verändert, die Menschen nehmen sie nicht mehr wahr. Erst allmählich lernt sie zu begreifen, dass sie bei dem Verbrechen ihr Leben lassen musste und sich nun in einer Art Zwischenwelt befindet. In ihrem Himmel.
Susie kann sich von dem Anblick ihrer Familie nicht losreißen. Ihrer Mutter, ihrem Vater, ihrer Schwester Lindsey und ihrem kleinen Bruder Buckley. Sie alle leiden unter ihrem Verlust und jeder versucht auf seine Weise, irgendwie weiter zu leben. Ihr Vater kann nicht akzeptieren, dass der Mörder seiner Tochter ungestraft davon kommen soll und so begibt er sich selbst auf die Suche, nicht ahnend, wie nahe er ihm längst ist. Doch ihr Mörder bleibt nicht lange gestillt von seinem Verlangen und mit Erschrecken muss Susie bald erkennen, dass ihre eigene Schwester, die den Nachbarn längst im Verdacht hat, in das Visier ihres Vergewaltigers gerät. Es beginnt ein nervenzerreißendes Spiel zwischen dem Mörder, der sein nächstes Verbrechen plant, Lindsay, die versucht Beweise für die Schuld des Nachbarn zu finden, dem Vater, der bei der Suche nach dem Mörder den Verstand zu verlieren droht und nicht zu letzt Susie selbst, die aus ihrer Zwischenwelt heraus mitfiebert und versucht, ihren Hinterbliebenen ein Zeichen von sich zu geben. Nicht zuletzt auch Ray Singh, ihrer ersten großen Liebe. So traurig und grausam die Welt auf Erden ist, so phantastischer gestaltet sich Susies Himmel. Sebold gewährt dem Leser Einblicke in ein Leben nach dem Tod, das außerhalb jeder Vorstellungskraft liegt.

Ein schwieriges Thema, eine gelungene Sprache

Alice Sebold, die selbst Opfer eines Vergewaltigungsverbrechens wurde, findet in ihrem Roman einen geeigneten Weg, das furchtbare Thema auf sehr sensible Weise aufzugreifen und dennoch die Wahrheit und Realität dieser Grausamkeit keineswegs zu verschleiern. Im Gegenteil: Susie, die Ich-Erzählerin, beschreibt ihr Erlebnis erschreckend schonungslos, sarkastisch gar an einigen Stellen. Sie erzählt mit einer Direktheit und Selbstverständlichkeit, dass man meinen könnte, sie erzähle von Belanglosigkeiten. Doch gerade diese Art der Erzählung ist es, die den Leser das Verbrechen in all seiner Bedeutung begreifen lässt und die zur Identifikation mit dem Mädchen anregt. Trotz dieses schonungslosen Umgangs mit dem schwierigen Thema gelingt Sebold ein sehr schöner und fesselnder Sprachstil, der einen bereits nach den ersten Sätzen für sich gewinnt und weiterlesen lässt. Einmal begonnen, lässt sich das Buch kaum mehr aus der Hand legen.

Fazit

 Ich kann den Roman „In meinem Himmel“ von Alice Sebold in jeder Hinsicht weiterempfehlen. Er überzeugt durch die ungewöhnliche Erzählperspektive eines toten Mädchens, einen interessanten und Spannung erzeugenden Sprachstil und das Thema selbst – ein literarisch schwer behandelbares Thema, bei dem die Autorin aber stets den richtigen Ton trifft.

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