Jive Talker

Autorenwertung
  • Humor
    ein Buchein Buchein Buchein Buchkein Buch
  • Charaktere
    ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
  • Story
    ein Buchein Buchein Buchhalbes Buchkein Buch
  • Emotionen
    ein Buchein Buchein Buchkein Buchkein Buch
  • Satire
    ein Buchein Buchein Buchkein Buchkein Buch
  • Gesamt
    3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne

Jive Talker

Marlies Ruß (Übersetzer). Unionsverlag 2010, Gebundene Ausgabe, 320 Seiten, € 4,83

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

Jive Talker von

Inhalt
Der „Jive Talker“, das ist der Vater von Samson in dessen autobiographischem Roman. Der Vater von acht Kindern redet gern und viel, besonders dann, wenn er zu tief ins Glas geschaut hat. Zu allem hat er eine Meinung, breitet seine Belesenheit aus und erklärt seine Philosophie. Der größte materielle Schatz im Haus Kambalu ist das „Diptychon“, das Buchregal, in dem die bibliophilen Schätze gestapelt liegen. Aber nicht nur dort liegen Bücher, überall im Haus gibt es sie und selbst Nietzsche, Lieblingsautor von Vater Kambalu, liegt auf dem Klo.

Zwar muss der Jive Talker seinen Traum, ein richtiger Arzt zu werden, bald begraben und seine immer größer werdende Familie als Hilfsarzt über die Runden bringen, aber sein auch von den Wendungen des Schicksals nicht zu brechender Optimismus und seine Philosophie bestimmen das Leben in der Familie. Als schwarzer Arzt (auch wenn er nie sein Studium abschloss) gehört der Jive Talker zur Zeit des Diktators Hastings Kamuzu Banda in Malawi zur Elite seines erst vor kurzem selbständig gewordenen Landes, trotzdem ist das wirtschaftliche Auf und Ab der Familie besorgniserregend. Und – natürlich – wird ihm im entscheidenden Moment ein weißer Arzt vorgezogen.

Samson wächst in diesem Chaos auf, mal in einer Villa in der Stadt, mal abseits von allem in einer heruntergekommenen Behausung, mal mit eigenen Möbeln, mal mit Betten aus dem Krankenhaus. Die Literatur ist eine der wenigen Konstanten in diesem Leben, und schon das Kind Samson zitiert die Bibel – und Nietzsche. Mit zwölf entwickelt er gar seine eigene Religion, dessen wichtigstes Insignium ein mit herausgerissenen Bibelseiten rundherum beklebter Ball ist, der „Holy Ball“.

Der Autor
Kambalu lebt heute als gefeierter Künstler in London, sein Holy Ball existiert wirklich und er ist mit einer Schottin verheiratet. Aber sechs Angehörige seiner Familie, auch sein Vater der Jive Talker, starben an AIDS – auch das ist leider afrikanische Wirklichkeit.

Fazit
Mit viel Humor und einigem Irrwitz erfährt man in diesem immerhin 346 Seiten starken Buch so einiges über das unbekannte Malawi, über afrikanische Diktatur und über das Aufwachsen in einer Umgebung, die nur sehr wenig Sicherheit bietet. Samson Kambalu macht sich auf, Künstler zu werden, er besucht die renommierte Kamuzu Academy mit einem Stipendium und organisiert die erste Konzeptkunstausstellung in Malawi. Es folgen ein Kunststudium an der University of Malawi und der Nottingham Trent University in Großbritannien.Seine Beschreibung des Lebens auf einer staatlich geförderten Eliteuniversität, der Aberwitz schießt hier wildeste Bocksprünge, ist äußerst vergnüglich zu lesen, auch wenn hinter dem Witz manches Mal Tränen aufblitzen.

Wie bewerten Sie dieses Produkt?

Ihre Bewertung
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar