John Locke: Über die Regierung

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Über die Regierung

Peter Mayer-Tasch (Herausgeber). Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag 1986, Taschenbuch, 251 Seiten, € 6,75

Rezension von: AndreasRuedig | Rezensionsdatum:

: Über die Regierung

Dieses Buch ist 1974 im Philipp Reclam jun. Verlag aus Stuttgart erschienen. Es gehört zu Reclams-Universal-Bibliothek und trägt dort die Nummer 9691.

Das Buch

Das Buch Two Treaties of Government, wie das englischsprachige Original heißt, wurde 1689 anonym von John Locke veröffentlicht. Es ist ein Werk der politischen Philosophie. Der zweite Teil der Abhandlung wird in der Sekundärliteratur als „Manifest für die liberale Demokratie und den Kapitalismus“ angesehen.

Gehört der vorliegende Text zu den „Zwei Abhandlungen über die Regierung“? Bekommen wir als Leser hier vielleicht nur die zweite Abhandlung als Einzeltext präsentiert? Die Frage läßt sich nicht so einfach beantworten. Es ist nämlich nicht sofort ersichtlich, ob eventuell ein Teil des Originals weggelassen wurde und warum dies geschah.

Das Buch

Zuerst gibt es den umfangreichen historischen politikwissenschaftlichen Text. Auf 2 Seiten äußert sich dann Dorothee Tidow „Zur Übersetzung“. Hier wird dann ersichtlich, daß es sich beim dem Reclamheft nur um die zweite Abhandlung handelt. Tidow beschreibt nicht, wie eine Übersetzung bewerkstelligt wird, sondern eher, welche unterschiedliche Übersetzungen die beiden Abhandlungen es im deutschen Sprachraum bislang gab.
Peter Cornelius Mayer-Tasch liefert in seinem Nachwort (einschließlich der dazugehörigen Anmerkungen) eine doch sehr umfangreiche Einordnung des Textes. Dies geschieht auf einem politischen, literaturgeschichtlichen, geistesgeschichtlichen und allgemein geschichtswissenschaftlichem Niveau, das schnell verdeutlicht, daß hier Fachleute angesprochen werden. Wer sich nicht mindestens in englischer Nationalgeschichte auskennt, ist sowohl bei dem Nachwort wie auch dem Reclamhef schnell verloren.

Nach Lockes Biographie folgt das Literaturverzeichnis.

Ausgehend von der Einsicht, daß alte Texte – hinsichtlich Wortwahl, Grammatik und Rechtschreibung – doch für heutige Leser ungewohnt und schwierig sind, kann die Übersetzung von Lockes Text durchaus als gelungen bezeichnet werden.

Ein(e) Locke

John Locke wird am 29. August 1632 geboren. Sein Vater ist Gerichtsberater in Wrington (Somerset). John Locke wird 1647 in die Westminster School aufgenommen. Sie steht unter der Leitung eines Royalisten und gilt als eine der angesehensten Schulen ihrer Zeit.

Thomas Hobbes veröffentlicht 1651 den Leviathan, sein politisches Hauptwerk. Ob und inwieweit Locke davon beeinflußt wird, können Literaturwissenschaftler, Historiker und Politikwissenschaftler besser beurteilen als ich. FOlgt man der in diesem Buch enthaltenen Biographie, gibt es diesen Einfluß durchaus.

1652 wechselt Locke an das hochangesehene Christ Church College, wo er 1656 den Baccalaureus Artium als akademischen Grad erwirbt. Studierte er bislang Fäche wie klassische Sprachen, Metaphysik und Logik, wendet er sich nun den Naturwissenschaften, bevorzugt der Medizin, zu.

Im Jahre 1658 erwirbt Locke den akademischen Grad eines Magister Artium. Als „Senior Student“ wir er im selben Jahr Mitglied des Lehrkörpers von Christ Church, eine Stellung, die er bis zum Jahre 1684 halten kann; „in Abwesenheit und auf ausdrückliche Anordnung des Königs“ wird er 1684 aus seinem Amt entfernt, wie es in der Sekundärliteratur heißt. Seit 1661 tritt Locke, der im folgenden Jahr Dozent für Rhetorik und Philosophie wird, immer wieder mit Veröffentlichungen in Erscheinung. 1666 triff John Locke erstmals Anthony Ashley Cooper, Earl of Shaftesbury, der sein politisches Denken und seine politische Karriere beeinflußt und fördert. So ist es auch kein Wunder, daß Locke 1672 „Secretary of Presentation“ und damit in der Regierung für kirchliche Fragen zuständig wird.

Der nächste Karriereschritt folgt dann im folgenden Jahr, also 1673, also Locke Sekretär des Rates für Handelsfragen wird. Auch wenn er auch weiterhin literarisch aktiv ist, nimmt die politische Karriere 1683 ein jähes Ende. Shaftesbury ist in eine Rebellion verwickelt, die Karl II vertreiben und seinen illegitimen Sohn auf den Thron bringen soll; als Shatesbury nach Holland flieht, folgt ihm Locke für kurze Zeit ins Exil. Locke stirbt am 28. Oktober 1704 in Masham.

Natürlich ließe sich noch viel mehr aus dem interessanten Leben erzählen. Diese Informationsflut würde hier aber zu weit führen. Interessant ist hier schon die Erkenntnis, daß sich bei Locke theoretische Grundlagenarbeit und praktische Erfahrung in der täglichen Arbeit miteinander verbinden. Ob es sich ein Politiker von heute erlauben kann, seine Arbeit literarisch zu reflektieren, wenn nicht sogar moralische, philosophische und politikwissenschaftliche Grundsätze aufzustellen?

Eine Beurteilung

Die Zielsetzung des Buches ist eindeutig. Es wendet sich an ein wissenschaftlich interessiertes Publikum, das wissenschaftliches Arbeiten gewohnt ist.

Nur zum Vergleich: Wikipedia heißte eine populärwissenschaftlich orientierte Internerenzyklopädie. Der dortige Beitrag „Zwei Abhandlungen über die Freiheit“ würde nur etwa 1 Seite im -Heft ausmachen und damit formal und inhaltlich nur einen Bruchteil der dortigen Erläuterungen ausmachen. Nimmt man die qualitativen Unterschiede hinzu, ist der -Text wesentlich anspruchsvoller.

Bei der Biographie sieht es dagegen ganz anders aus. Reclam beschränkt sich auf eine tabellarische Übersicht; der 24seitige Wikipedia-Text führt auch umfangreich in sein Denken ein, wobei hier eine Gesamtschau der Locke`schen Veröffentlichungen erfolgt.

Legt man beide Quellen nebeneinander, ergibt sich ein gutes Bild von Buch und Person.

Ein Fazit

Reclam veröffentlicht hier eine historisch wichtige Quelle auf hohem Niveau.

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