Kafka am Strand – Haruki Murakami

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Kafka am Strand

Ursula Gräfe (Übersetzer). DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG 2017, Gebundene Ausgabe, 640 Seiten, € 28,00

Rezension von: Jan | Rezensionsdatum:

Kafka am Strand – Die Reise eines Jungen, der sich selbst finden muss, auf dem Weg durch das beinahe undurchdringliche Labyrinth des Lebens, immer im Schatten der ödipalen Prophezeiung eines Vaters, der sich selbst als Johnnie Walker vorstellt und die schlagenden Herzchen von Straßenkatzen verschlingt.

Der 15-jährige Kafka will von Zuhause weg, weg von nichts und niemanden, was ihn hält oder der ihn liebt. Alleine mit seinem Vater, der berühmter Künstler und irgendwie auch Hersteller von Seelenflöten ist, lebte er vor sich hin, verbrachte die meiste Zeit in der Bibliothek oder im Fitnessstudio.

Einst prophezeite sein Vater ihm, dass er ihn töten und sich mit seiner Mutter und seiner Schwester – die Ehemann und Bruder vor langer Zeit verlassen haben – vereinigen wird.

Kafka Tamura flüchtet und landet in Takamatsu. Es zieht ihn in eine  geheimnisvolle, alte Bibliothek, in der er den Hermaphroditen Herr Oshima kennen lernt. Und die Verwalterin der Bibliothek, Saeki-san, die er für seine Mutter hält. Und mit der er später viele Male schläft.

Die Suche nach seiner selbst, die durch viele innere Monologe, Gespräche mit dem Jungen namens Krähe (der; Junge, halb Mensch, halb Krähe, nur eingebildet), klassischer Musik und dem Verständnis des Lebens als einzige Metapher führt, verstrickt sich zusehends mit einem autistischen Mann ebenfalls aus Tokyo und dessen Begleiter Hoshino.

Dieser Autist heißt Nakata, ist erst seit seiner Kindheit ein solcher. Alte Militärakten berichten davon, wie eine ganze Schulklasse während des Zweiten Weltkriegs einen Ausflug in den Wald unternahm und sie dabei zusammenbrach.

Alle Kinder wachten beinahe sofort ohne weitere Schädigung wieder auf; alle außer Nakata, der erst Wochen später in einem Krankenhaus erwachte, der seine Fähigkeit zu lesen und zu schreiben verloren hatte und alle Erinnerung an sein früheres Leben. 

Er lebt ein geruhsames Leben, und verdient sich ein kleines Taschengeld damit, verloren geglaubte Familienkatzen zu suchen. Seine Fähigkeit, mit Katzen zu sprechen, kommt ihm dabei natürlich zu gute. 

Dieses Leben findet sein Ende mit der Ermordung von Johnnie Walker, die Nakata auf dessen eigenen Wunsch hin durchführte. Danach führt das Schicksal Nakata ebenfalls nach Takamatsu; auf seiner Reise per Anhalter schließt sich ihm der junge, kettenrauchende Frauenliebhaber und Fernfahrer Hoshino an, der sich als vortrefflicher Mitstreiter erweist, denn Nakata ist auf einer Mission, die er selbst nicht begreift: Er muss den Eingangsstein finden und den Eingang öffnen.

Unterwegs kann es schon mal vorkommen, dass der alte Autist mal Blutegel vom Himmel regnen lässt. Genauso wie die Reise des jüngeren Protagonisten Kafka muss Nakata das auf den ersten Blick ziemlich simpel gestrickte Konstrukt seines Gemüts durchqueren – eine Reise, die, fesselnd bis zum Schluss, den Leser mit sich reißt.

Fazit

Kafka am Strand, ein Buch, dass den Leser nicht nur mit auf die Reise durch anderer Leute Geister, sondern auch durch den eigenen führt und die ein oder andere (Selbst-)Erkenntnis ans Tageslicht befördert. Und das auch nach der letzten Seite.  Unbedingt und absolut empfehlenswert.

„Das spezifische Gewicht der Zeit lastet auf dir wie ein alter, ambivalenter Traum. Unablässig bist du in Bewegung, um der Zeit zu entrinnen. Doch auch wenn du bis an den Rand der Welt läufst, wirst du ihr nicht entkommen. Und dennoch kannst du nicht anders, als bis an den Rand der Welt zu gehen.“ – Haruki Murakami

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