Kinder von den Sternen

Autorenwertung
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  • Geschichte
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Kinder von den Sternen

Sigrid Gross (Übersetzer). Hammer, P 2001, Gebundene Ausgabe, 280 Seiten, € 0,65

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Kinder von den Sternen

Inhalt

Sehr humorvoll und ziemlich frech erzählt der 15jährige Matapari alias Michel seine Familiengeschichte. Er wurde als nicht mehr erwarteter Drilling zwei Tage nach seinen Zwillingsbrüdern, gerade am 20. Unabhängigkeitstag seines Landes geboren. Deshalb immer ein wenig abseits stehend, sehr neugierig und aufgeweckt, ist er der ideale Beobachter, der jedoch in seiner Naivität die Welt so nimmt wie sie erscheint.

Diese vom Verfasser bewusst eingesetzte – scheinbare –  Naivität des Erzählers erlaubt viel unterschwellige Kritik an den Menschen und ihren Beweggründen und am politischen System. Dieser Kunstgriff, bereits von Voltaire, Grimmelshausen und von unter kolonialem System schreibenden Autoren verwendet, erlaubt die Aufdeckung von Missständen, ohne belehrend oder trocken zu wirken. Ganz im Gegenteil, witzig und frisch schreibt Dongala, verleitet den Leser zum Grinsen, auch wenn das Erzählte oft recht hart ist.

Korrigierend greift immer wieder der Erzähler in der Gestalt des den Naturwissenschaften ergebenen Vaters ein. Wie schon sein Vater vor ihm erzieht auch er seine Söhne dazu, Schein und Wahrheit zu unterscheiden.

In der Geschichte der Familie, der Nachbarn und Verwandten rollt Dongala ein Spektrum des Lebens der Menschen und der großen Politik eines afrikanischen Landes – obwohl nicht explizit genannt der Volksrepublik Kongo – auf. Da ist der oppurtunistische Onkel, für den politische Überzeugungen nur Vehikel zum Machterwerb und Machterhalt sind, Mâ Lolo, die ihren alten, uninteressanten Mann verlässt, um an Macht und Besitz teilzuhaben, der libanesische Ladenbesitzer, der seine Tochter vor dem Handkuss eines „Negers“ schützen zu müssen glaubt, der Vater, dem die wissenschaftliche Ratio über alles geht, auch über politische Klugheit und, und, und …

Der Autor

Emmanuel B. Dongala, 1941 geboren, zählt zu den bekanntesten frankophonen Autoren Afrikas, auch wenn er wenig schreibt. Wie fast alle afrikanischen Schriftsteller kann er vom Schreiben allein nicht leben. Er studierte in Frankreich und den USA Chemie und war bis 1998 Professor für Molekularchemie an der Universität in Brazzaville. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges verliess Dongala die Volksrepublik Kongo und fand mit Hilfe des amerikanischen Autors Philip Roth in den USA Asyl, wo er seither Chemie und afrikanische Literaturwissenschaft lehrt. Sein zweiter Roman „Gruppenfoto am Ufer des Flusses“ ist erst im Frühjahr 2011 auf Deutsch erschienen.

Fazit

Die Geschichte des Kongo von der Kolonialzeit über die Unabhängigkeit, dem marxistisch-leninistischen Versuch bis zur Mehrparteiendemokratie zeigt eigentlich nur, das es der herrschenden Kaste einzig und allein und immer um Profit und Machterhalt geht. Dongala verzweifelt jedoch nicht daran und rutscht auch nicht in Zynismus ab. Er setzt auf Bildung, die allen zugänglich ist, auf Aufklärung und auf Vernunft. Ein Moralist, der spritzig und unterhaltsam schreiben kann über die Kinder von den Sternen, die Menschen, die doch eigentlich nur vergänglicher Sternenstaub sind. Ein afrikanischer Roman voller Witz, Empathie, aber auch ironischer Distanz.

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