Land am Sonnenuntergang – Marokko

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Land am Sonnenuntergang

Isabel Blanco del Piñal (Fotograf). RoseNoire 2002, Gebundene Ausgabe, 304 Seiten, € 7,30

Rezension von: B.Agada | Rezensionsdatum:

Land am Sonnenuntergang: Marokko von

Maghreb al Aqsa, aus der Sicht der arabischen Stämme das Land im äußersten Westen, so wird Marokko genannt.
Die Autorin Isabel Blanco del Pinal zeigt den Lesern die großartige Geschichte dieses interessanten Landes, das sich heute als weltoffenes Königreich präsentiert und jährlich Tausende Touristen in seinen Bann zieht. Sie beschreibt aber nicht nur den Ablauf der Geschichte ab dem 7. Jahrhundert, sondern bereichert ihn mit Gedichten und Anekdoten der Sultane und der Heiligen, eigenen Reiseerlebnissen und wirft immer auch den Blick nach Spanien bzw. Andalusien, welches zur großartigen Geschichte Marokkos gehört.

Marokko, das Land der Berber
Die Geschichte Marokkos beginnt bereits lange bevor Phönizier, Römer, Vandalen, Araber und andere in das Land kamen. Doch die Geschichte und Geschichten und Legenden wurden mündlich weitergegeben von Familie zu Familie. So dachten viele Eroberer, dass es vor ihrem Erscheinen keine Geschichte gab. In Marokko, wie auch im ganzen Maghreb (Algerien, Tunesien, Libyen, Mauretanien) leben Berberstämme. Im Marokko sind es rund 70 Prozent der Bevölkerung. So wurden die meisten historischen Reiseberichte oder Geschichtsbücher von arabischen Autoren geschrieben und blieben in den Universitäten von Cordoba bis Kairo erhalten.

Natürlich waren bei allen Eroberungswellen, die von Marokko ausgingen, die Berber in der Überzahl und so ist die Geschichte des Maghreb die Geschichte der Berber, die mit den eingewanderten Arabern gemeinsam oder auch gegen sie kämpften.
Die Religion, der Islam, einte die verschiedenen Stämme, aber auch hier gab es immer auch Traditionen und die Verehrung weiser Männer, die nichts mit dem Islam zu tun hatten. Auch die Berbersprachen, die einander ähneln, kennzeichnen die Berber, die sich eigentlich Amazigh, freie Menschen, nennen.

Heiligenlegenden und Marabouts
Am Beispiel des Marabuts Abu Yaazza zeigt sich der arabische Einfluß auf die Geschichtsschreibung und damit eine Verfälschung der berberischen Geschichte, gegen die die Amazigh, die Berber, nicht nur in Marokko bis heute kämpfen. Im 12. Jahrhundert gelang es dem frommen Abu Yaazza mächtigen Einfluß auf die Bevölkerung auszuüben. Der fromme Berber hatte eine dunkle Hautfarbe und war beim Volk hochangesehen, weil er sogar Löwen befehlen konnte und sehr weise war. Da es aber nicht angehen konnte, dass die arabischen Herrscher einen Berberheiligen verehren sollten, verliehen sie ihm kurzerhand den arabischen Titel des Moulay, was Herr heißt und den nur die Könige und Nachfolger des Propheten (die Scherifen) tragen durften. So wurde er zum arabischen Moulay Buazza und der Ort ist bis heute eine Pilgerstätte in der Nähe von Kenifra.

Höhepunkte der Geschichte Marokkos leidenschaftlich erzählt
Dieses wunderbar geschriebene Buch erzählt die Geschichte des Landes am Mittelmeer und Atlantik in zehn Kapiteln.
Im 7. und 8. Jahrhundert erreichten die ersten Araber das Land und drangen weiter bis Spanien vor. Dort etablierten sie sich und gründeten Emirate. In der Nähe von Volubilis gründete Idris I. die erste arabische Dynastie auf marokkanischem Boden, die Idrissiden.

Im 9. und 10. Jahrhundert wurde Fes gegründet, die Idrissiden erlebten ihre größte Macht unter Idris II. und Fes erhielt die große Karaouine Moschee.
Im 11. Jahrhundert wird Marrakech, die rote Oase, von den Al Murabitun gegründet, die als Almoraviden und berberisches Reitervolk aus der Sahara bekannt wurden und von Marokko bis Andalusien reiche architektonische Perlen hinterließen.

Im 12. Jahrhundert wurden sie von den Almohaden abgelöst, die die Religion in den Mittelpunkt ihres Tuns stellten. Granada blühte auf.
Schon im 13. Jahrhundert zerfiel das Almohadenreich und eine neue Berberdynastie war geboren, die Beni Merin vom Stamm der Zenata-Berber. Als Meriniden gingen sie in die Geschichte Marokkos ein. In Andalusien waren sie die Verbündeten der Christen.

Während des 14. Jahrhunderts versuchten die Meriniden im benachbarten Algerien die Stadt Tlemcen einzunehmen, es begann eine neue Blütezeit mit Andalusien und der große Historiker Ibn Chaldun wird im Porträt vorgestellt. Allmählich verblaßt die Hochzeit der Meriniden und so kommt es, dass Granada die Geschichte Marokkos weiterschreibt. Im 15. Jahrhundert sinkt die Macht der Meriniden und die Wattasiden geben ein Zwischenspiel in der Geschichte des Marokkos. Nach dem Fall von Granada verlor Marokko seine letzte Provinz in Andalusien, das christliche Spanien und Portugal wendeten sich der „Neuen Welt“ zu.

Das 16. Jahrhundert ist die Zeit der Saadier und Marrakech rückt wieder in den Mittelpunkt der Macht. Ein Blick nach Süden läßt die Goldsucher bis nach Timbuktu vorrücken. Das Sahelland Mali wird zum Goldlieferanten und von den Marokkanern ausgebeutet. Die Macht der Saadier war bald verloren und somit der Weg frei für die Alaouiten, die bis heute Marokko regieren.
Mit der Gegenwart endet dieses reiche und mit viel Liebe geschriebene Werk von Isabel Blanco del Pinal.

Empfehlung
Eine Empfehlung für alle, die nach Marokko reisen, genauso wie für die an Andalusien interessierten Leser. Man kann es zur Einstimmung oder auch zur Erinnerung lesen. Auf jeden Fall eine Bereicherung für alle, die sich für die Geschichte beider Länder interessieren.

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