Lasset die Kinder zu mir kommen

Autorenwertung
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Lasset die Kinder zu mir kommen

Christa E. Seibicke (Übersetzer). Diogenes 2009, Taschenbuch, 368 Seiten, € 3,99

Rezension von: istillreadbooks | Rezensionsdatum:

Lasset die Kinder zu mir kommen von

Inhalt
Italien gilt als kinderfreundliches Land, und die Bambini werden dort traditionell mit Respekt behandelt und nicht selten von Ihren Eltern vergöttert – soweit jedenfalls die Theorie. Doch die Realität zeichnet leider ein anderes Bild: Während vor allem in den asiatischen Ländern so viele Kinder zur Welt kommen, dass dies die Wirtschaft und die Gesellschaft vor eine ernstzunehmende Herausforderung stellt, stagniert das Bevölkerungswachstum in Westeuropa schon seit Jahren, und die sinkenden Geburtenzahlen machen dabei auch vor Italien nicht halt.

Doch wie schlimm muss es um Italiens Familien wirklich stehen, wenn mitten in der Nacht bis an die Zähne bewaffnete Carabinieri die Wohnung eines angesehenen und beliebten Kinderarztes stürmen und dem verzweifelten Vater sein noch nicht einmal 2-jähriges Baby entreißen? Commissario Brunetti ist angesichts des brutalen Vorgehens der Carabinieri geschockt und wird bei seinen Ermittlungen immer wieder von den Gedanken an die eigene Familie abgelenkt.

Ein eindringlicher und berührender Roman aus der Brunetti-Serie – einmal ganz ohne Leiche
Bei den Kriminalromanen aus der Feder von Donna Leon, bei denen stets die Kultfigur des Commissario Brunetti im Vordergrund der Handlung steht, geht es immer weniger um die Aufklärung eines Kriminalfalls als vielmehr um die genaue Zeichnung einzelner Charaktere und um die Porträtierung von gesellschaftlichen Strömungen und Entwicklungen. Üblicherweise dient dabei ein eher unspektakulärer Leichenfund als Ausgangspunkt der Erzählung.

Beim vorliegenden Roman „Lasset die Kinder zu mir kommen“, dem sechzehnten Roman aus der Reihe um Guido Brunetti, verzichtet die Autorin Donna Leon jedoch auf eine Leiche, und es entspinnt sich ein ungemein spannender Fall, der auch ganz ohne Mord und Totschlag das Interesse des anspruchsvollen Krimilesers gewinnt und dabei auch immer wieder die eigenen Moralvorstellungen in Frage stellt und gesellschaftliche Konventionen kritisch beleuchtet und hinterfragt.

Natürlich muss der Leser dabei nicht auf die aus den vorherigen Krimis von Donna Leon bereits gewohnte „Venedig-Nostalgie“ verzichten, und gerade die faszinierende Beschreibungen der Eigenheiten der „Stadt auf dem Wasser“ und ihrer Bewohner machen Donna Leons Romane immer wieder zu einem ganz besonderen Lesevergnügen.

In „Lasset die Kinder zu mir kommen“ untermalen die Skizzierungen von Venedig eine Geschichte, bei der es um Rache, um einen unerfüllten Babywunsch auf der einen Seite und um „Kindersegen“ auf der anderen Seite, um Vergeltung, Korruption und um die Verschiebung von ethischen Grenzen geht. Durch den Fall des Kinderarztes Pedrolli, dem sein Kind „entrissen“ wird aufgerüttelt, kommt Commissario Brunetti nicht nur einem Babyhändlerring auf die Spur, sondern er deckt auch auf, wie die Indiskretionen, „Mauscheleien“ und illegalen Absprachen von Apothekern und Ärzten zur Zerstörung von ganzen Existenzen geführt haben.

Fazit
In gewisser Weise können die vorherigen Kriminalromane aus der „Brunetti-Serie“ als Vorbereitung auf „Lasset die Kinder zu mir kommen“ betrachtet werden. Immer mehr standen in den letzten Fällen von Commissario Brunetti die eigentlichen Kriminalfälle im Hintergrund, und Merkmal der Reihe war es seit jeher, dass die Überführung eines Mörders im Verlauf der Handlung immer mehr an Bedeutung verlor und letztlich nur noch als „logische Konsequenz“ abgehandelt wurde, nicht jedoch als lang ersehnte „Auflösung“.

So verwundert es nicht, dass Donna Leon in „Lasset die Kinder zu mir kommen“ ganz auf einen Leichenfund verzichtet, und stattdessen „nur“ eine berührende und ungemein fesselnde Geschichte über Moral, ethische Vorstellungen und Gerechtigkeit erzählt – dies gelingt ihr hervorragend, und so ist „Lasset die Kinder zu mir kommen“ auch ein fabelhafter (Kriminal-)Roman, der allen Liebhabern von Kriminalliteratur, die nicht zwangsläufig auf viel Action angewiesen sind, bestens gefallen wird.

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