Lauf Jane lauf

Autorenwertung
  • Spannung
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  • Charaktere
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  • Story
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  • Cover
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  • Lesbarkeit
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  • Gesamt
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Rezension von: Marcel Riepegerste | Rezensionsdatum:

Lauf Jane lauf von

Inhalt

„An einem Nachmittag im Frühsommer ging Jane Whittaker zum Einkaufen und vergaß, wer sie war“

Ein erster Satz mit der Wucht eines Klitschko-Schlages. Es ist der Beginn des Debütromans von Joy Fielding, die mittlerweile – exakt zwanzig Jahre nach Erstveröffentlichung – zu den unumstrittenen Spitzenautorinnen Amerikas gehört. In ihrem Erstlingswerk schildert Fielding den Albtraum einer Frau, die im wahrsten Sinne des Wortes plötzlich nicht mehr weiß, wer sie ist.

Reich und blutbefleckt

Verwirrt irrt Jane Whittaker mehrere Stunden durch die Straßen Bostons, auf der Suche nach Erinnerungen an ihr Leben und an ihre eigene Identität.  Sie würde ja zur Polizei gehen, aber sie hat Angst, denn sie weiß auch nicht wie das viele Geld – fast zehntausend Dollar- in ihre Hosentaschen und die Blutflecken an ihre Kleidung gekommen sind. Hat Jane eine Straftat begangen? Ist sie auf der Flucht, weil sie einem Menschen das Leben genommen hat?

Weil sie hofft, dass ihr Erinnerungsvermögen schon bald wieder zurückkommt, nimmt Jane sich in einem Hotel unter falschem Namen ein Zimmer, doch auch die nächsten Tage verstreichen ohne einen Hinweis auf ihre Identität. Schließlich entscheidet sie sich spontan einen Polizisten auf der Straße anzusprechen und verschweigt vorerst das viele Geld und die Blutflecken. Man bringt Jane in ein Krankenhaus, wo man sie einer Vielzahl an Tests unterzieht. Doch man findet keinen eindeutigen Grund für ihren plötzlichen Gedächnisverlust und vermutet eine hysterische Amnesie; also eine Flucht aus der Realität, mit der sie irgendetwas zu verdrängen versucht.

Ein teuflischer Plan?

Es scheint als habe Jane Glück im Unglück, denn eine Ärztin erkennt Jane und es gelingt ihren angeblichen Ehemann, einen bekannten und beliebten Kinderchirurgen, ausfindig zu machen. Doch wer ist dieser Mann, der sich so liebevoll um Jane kümmert? Was sind das wirklich für Pillen, die sie in der Folgezeit schlucken soll? Und warum fühlt sie sich plötzlich als Sklavin in ihrem eigenen Haus gefangen? Ist sie einem teuflischen Plan ausgeliefert?

Fazit

Wie oft ließt man in Rezensionen die einfallslose Floskel: „Spannend von der ersten bis zur letzten Seite!“ Und wie oft muss man danach enttäuscht feststellen, dass diese Aussage mal wieder maßlos übertrieben war. Selten trifft sie aber so sehr zu wie auf dieses Werk

Joy Fieldings Bücher werden mittlerweile in 23 Sprachen übersetzt und das sicherlich zurecht. Wie immer sind die von Joy Fielding konstruierten Charactere glaubhaft. Sympathisch, wenn sie den Leser um den Finger wickeln sollen, unsympathisch, wenn man eine Abneigung gegen sie hegen soll. Das Schicksal von Jane geht einem wirklich nahe,  und man wird fast schon wütend, wenn man ihr mit Tabletten und Spritzen wieder ihren Willen nimmt. Man kann sich einfach mit ihr identifizieren und fiebert bis zur Auflösung des ganzen Dramas um ihr Schicksal mit. Das erzeugt Spannung pur – so muss das sein! Das Ende ist dann noch mal ein Schocker der Extraklasse und alle Rätsel werden brilliant gelüftet.

In Joy Fieldings Debütroman gibt es zudem kaum Zeitsprünge, was das Leseverständnis erleichtert. Geschickt gemacht. Die von mir in der Rezension „Die Katze“ (Anmerkung: Ebenfalls auf rezension.org erschienen) angeprangerten Selbstgespräche des Hauptcharacters, spielen auch in diesem Buch wieder eine große Rolle. Doch hier passen sie wesentlich mehr, denn Jane Whittaker fühlt sich nach und nach sogar selbst wie eine fantasierende Irre, die niemanden hat, mit dem sie wirklich über ihre Probleme und Sorgen sprechen kann.

Nur kleine Mängel

Ein paar Beschreibungen sind ein wenig zu detailreich ausgeschmückt worden, sodass dem Leser ein wenig der Fantasiefaktor genommen wird. Zudem fallen einige grobe Fehler im Lektorat auf, was ein wenig schade ist. Wenn man beispielsweise von „Rükkenschmerzen“(S.171) oder von Formulierungen wie „mit kopfendem Herzen“(S.163)  ließt, stört das schon ein wenig beim Lesen. Aber das mindert natürlich nicht die Qualität des Inhalts! Kleine Mängel findet man schließlich in jedem Buch.

Ein Katz und Mausspiel

Joy Fielding ist alles in allem wirklich ein fantastisches Buch gelungen, das so den Weg für diese außergewöhnliche Autorenkarriere ebnete. „Was war Realität und was nicht„, heißt es an einer Stelle des Buches, und genau das ist es, womit Joy Fielding in ihrem Roman spielt. Es ist ein Katz- und Mausspiel mit dem Leser. Etwas, für das sich das Ausgeben des Geldes wahrlich lohnt.

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