Leben leben …

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Leben leben ...

Hans Klawatsch. Avantgarde 2010, Taschenbuch, 332 Seiten, € 0,60

Rezension von: DT | Rezensionsdatum:

: Leben leben …
Lebens- und Menschenkunde
Sachbuch

Mit dem 332 Seiten umfassenden Buch „Leben leben …“, legt Hans Klawatsch sein mittlerweile siebtes Buch vor, als vorläufig letztes zu der von ihm intendierten so genannten Lebenswissenschaft.

Viele der darin enthaltenen Gedanken und Erkenntnisse wurden schon im Erstlingswerk des Autors „Mitspieler Mensch“ aus dem Jahr 1990 (, ISBN 3-927978-00-0, 302 Seiten) erörtert und sind nun in „Leben leben …“ adaptiert und weiter entwickelt und in komprimierter Form dargelegt worden. Das Buch mag als Konklusion der reichhaltigen und umfassenden Gedanken- und Erfahrungswelt von Klawatsch angesehen werden.

„Weltbild, Menschenbild und Menschenwerk wahrhaftig und anschaulich zu beschreiben, ist der Anspruch meines Wirkens und Werkes[…]“ Diese drei Bereiche begründen zusammen die ganzheitliche Lebenswissenschaft, deren Anliegen es ist, die Wirklichkeit in all ihren Facetten zu erfassen.

Die „Wahrheit der Wirklichkeit“ rankt sich um die allem Geschehen implizite „Gestalt in allen Gestalten“. Diese kann als „komplimentär-ambivalentes Verschränkungsmuster“ sowie als „Spielregel“ des Universums verstanden werden. Die „Spielregel“ lässt sich als mathematische Formel wie folgt darstellen: 0 | 1 – 1 + 1 – 1 | ∞.

Im Ergebnis zeigt sich demnach das Universum als „Ewiges Jetzt“, als integriertes Raum-Zeit-Kontinuum von „Nichts/Etwas“, „Wenn/Dann“, „Entweder/Oder“, „Weder/Noch“ und „Sowohl/Als auch“.

Die „implizite Ordnung“ unseres Seins wurde vielleicht noch nie zuvor so komplex und doch so wenig kompliziert erfasst. Hans Klawatsch setzt damit eine innovative und im wahrsten Sinne des Wortes ganzheitliche Phänomenologie, die paradoxerweise die traditionellste überhaupt ist, vor seine philosophischen Diskurse, die tief in die Essenz von Kultur, Politik und Wirtschaft vordringen.

Sein, Werden, Vergehen und Tod oszillieren in einem unermesslichen Meer von Möglichkeiten, in einem Paradigma von „Nichts/Leere und Etwas/Fülle“, durchdrungen von der „Gestalt in allen Gestalten“.

Diese Dynamik kommt ohne Schöpfer aus, weil sie in und an sich vollkommen ist. Leben, so der Autor, organisiert sich selbst, ganz ohne Schöpfergott, jedoch mit Gott, sublim-symbiotisch sozusagen, in einem Modus der „Autopoiese“, sowohl im makro- als auch im mikrokosmischen Bereich.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass „[…]wir es im Universum mit Superhirnen zu tun haben und nicht nur mit einem einzigen Superhirn.“ (S.14)

Bewusstsein wird nicht länger als von Gehirnen erzeugtes Phänomen verstanden, sondern als eigenständiges Phänomen, das als Ikon in jeder Wesenheit wirkt.

Wir Menschen sind vom Bewusstsein initiierte Wesen, die sich lebendig entwickeln. Folglich befinden sich Menschen an der Schwelle dazu, das Bewusstsein vom Bewusstsein zu erlangen.

Bislang schlägt vielfach die „Geißel Dummheit“ zu. Alternativ resultiert allerdings eine ethische Haltung, ein Wertekanon, der aus „Werte, Liebe, Wissen und Fluidum“ besteht und in die vier EEEEs mündet: „Einsicht, Erkenntnis, Erfahrung und Evaluierung.“

„Die Affinität von Bewusstsein und Werk“ verweist nachdrücklich auf das Verhältnis zwischen Weltbild und Menschenbild und Menschenwerk.

Der Mensch existiert in der Verbindung von „Kokon und Ikon“, als Körper mit Bewusstsein, als göttlich-universelles Ebenbild.

„Unser Bewusstsein ist eine von unserem Gehirn unabhängige. eigenständige Dimension – unser Ikon. Über die Selbstorganisation initiieren wir uns selbst. Wir Menschen sind Zwitter, aus Ikon und Kokon, vereint mit der Zeugung, getrennt mit unserem Tod…Unser Ikon ist vor und nach unserem Dasein als kosmisches Wesen Mensch…“ (S. 53)

Dem Thema Kokon/Ikon widmet sich Klawatsch ausführlich in seinem dritten Buch: „Planet der Ikonen“ (Avantgarde, 2007, 189 Seiten, ISBN 9783927978034).

Der Kokon/Ikon-Mensch findet sich heute quer durch alle Lebensbereiche überwiegend als „Nutzmensch“ wieder, denn als mündiger und autonomer Bürger.

„Autonomie und Authentizität im Sinne von freier Selbstbestimmung und Unabhängigkeit sind in unseren heutigen Gesellschaften allenfalls geduldet. Gefragt ist der assimilierte Nutzmensch und willige Mitläufer der jeweiligen Systeme und seiner Regime…“ (S. 158)

Derart radikal fällt die Bestandsaufnahme des Autors aus, wenn er das Menschenwerk reflektiert. Es bedarf der „Umwertung aller Werte“, um mit Nietzsche zu sprechen.

Klawatsch artikuliert Missstände in fast allen Bereichen: „Nationalstaaten, Umwelt, Entwicklung, Landwirtschaft, Arbeit und Soziales, Familie, Gesundheit, Bildung …“ – und nennt mögliche Alternativen zu den jeweiligen Krisen und Miseren, die durch Doktrinen, Ismen aller Art, ideologische Fixierung oder nihilistische Allmachtsansprüche evoziert worden sind, stets bezogen auf die „Wahrheit der Wirklichkeit, die uns Menschen ganzheitliches, universelles Leben“ ermöglicht.

Klawatsch plädiert für eine Erdgesellschaft, für die „Gesellschaft Mensch“, in der jeder Einzelne mehr als bloß „Nutzmensch“ ist.

Die Lebenswissenschaft, die auf einer ganzheitlichen und humanistischen Bildung basiert und es den Individuen ermöglichen soll, sich als universell interessierte und engagierte Erdbürger zu begreifen, fordert ein vernetztes „erdweites“ Denken, jenseits von Staats- und Ideologiegrenzen. Klawatsch kritisiert die vorherrschenden Gepflogenheiten und entlarvt sie als mitunter inhuman.

Im Anhang von „Leben leben…“ finden sich eine „Allgemeine Charta der Lebensgrundwerte“ sowie eine eindringlich mahnende Kritik an den Methoden der ausufernden staatlichen Überwachung mittels modernster Technik. 

Hans Klawatsch stellt sich in seinen Werken (zu denen auch noch die biografische Aphorismensammlung „Hans Aha’s“ und die dreibändigen Tagebuchnotizen „Hans Blogs I-III“ zählen) mutig dem verfügbaren Wissen, das er zudem als ganzheitlich versierter und universell orientierter Quer- und Vordenker, im Spiel des „Ewigen Jetzt“ nach der impliziten „Spielregel“, mit seinen eigenen innovativen Einsichten und Erkenntnissen anreichert und bewusst zur Entfaltung bringt, um die würdigen Möglichkeiten des Menschseins auszuloten.

Die Lebenswissenschaft ist mehr als nur eine interdisziplinäre Annäherung einzelner Wissens(chafts)zweige, sie intendiert eine integrale Schau dessen, was Menschen im Hinblick auf ihr humanes Potenzial, ihre Bedürfnisse und Entwicklungsoptionen auf den Feldern von Kultur, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, wissen und erfahren können.

Hans Klawatsch fordert jeden Einzelnen dazu auf, das gängige Welt- und vorherrschende Menschenbild und aktuell praktizierte Menschenwerk zu hinterfragen. Wer sich diesen Fragen stellt, wird fraglos Antworten finden, die staunen lassen, wird sich auf das „Ewige Jetzt“ einlassen und verantwortungsvoll „Leben leben“…

Fazit:

Hans Klawatsch hat nicht zuletzt mit „Leben leben …“ bewiesen, dass er ein unkonventioneller Denker ist, dem die humanistischen Werte nicht nur ein Lippenbekenntnis sind, sondern ein stets einzuforderndes Anliegen. Basierend auf der im Worstsinn ganzheitlich greifenden „Gestalt in allen Gestalten“, deren Komplexität ganz ohne komplizierte Manierismen auskommt, hat Hans Klawatsch ein Werk vorgelegt, das für jeden Leser mit philosophischem Interesse, das für ein praktisches Engagement in der Wirklichkeit bereit ist, von brisanter Relevanz sein dürfte. Eine Empfehlung!

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