Lehrjahre im Schnitzelparadies

Autorenwertung
  • Spannung
    ein Buchein Buchein Buchkein Buchkein Buch
  • Lesbarkeit
    ein Buchein Buchein Buchein Buchkein Buch
  • Charaktere
    ein Buchein Buchein Buchhalbes Buchkein Buch
  • Authentizität
    ein Buchein Buchein Buchein Buchkein Buch
  • Gesamt
    3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne

Lehrjahre im Schnitzelparadies

Franca Fritz (Übersetzer). Blessing 2003, Gebundene Ausgabe, 320 Seiten, € 23,50

Rezension von: istillreadbooks | Rezensionsdatum:

Lehrjahre im Schnitzelparadies von

Inhalt
Der 19 Jahre junge Nordip hat die letzten zwei Jahre seines Lebens verschlafen. In der niederländischen Provinzstadt Opwallen hat Nordip in den letzten zwei Jahren nichts anderes gemacht, als bis in den Nachmittag hinein zu schlafen und seiner verflossenen ersten großen Liebe nachzutrauern. Doch eines Tages beschließt Nordip, dass es mit dem Selbstmitleid und dem Dasein als Nichtsnutz nun ein Ende haben muss. Als junger und aufgeweckter Mann hätte Nordip wohl überall einen Neuanfang wagen können, doch Nordip entscheidet sich für die scheinbar Schlechteste aller Möglichkeiten: Er heuert als Spüljunge in einem zweitklassigen Schnitzelrestaurant einer großen Hotelkette an.

Als unbezahlter Praktikant wird er dort von den bezahlten Kollegen nicht ernst genommen, und die Chefs begegnen ihm nur mit Misstrauen, scheint ihnen Nordip doch ein etwas „merkwürdiger Zeitgenosse“ zu sein – denn wer arbeitet schon freiwillig ohne Bezahlung als Spüljunge in einer stinkenden und schmierigen Restaurantküche in einer niederländischen Kleinstadt? Doch in der Küche des Restaurants „Blauer Geier“ geht es nicht nur in den Pfannen und Töpfen heiß her, sondern die Küche ist zugleich ein Sammelbecken für gestrandete Menschen und Leidenschaften aller Art. Und so macht Nordip während seiner Zeit als Spüljunge Erfahrungen, die ihn immer wieder grübeln lassen und dafür sorgen, dass er irgendwann weiß, wer er wirklich ist.

Eine amüsante Geschichte über die Suche nach sich selbst und über das „Hin- und Hergerissensein“ zwischen zwei Kulturen
„Lehrjahre im Schnitzelparadies“ erzählt die Geschichte des jungen Nordip, der im Alter von zehn Jahren gemeinsam mit seiner Familie aus Marokko in die Niederlande kam. Der Roman verzichtet jedoch weitestgehend darauf, mit erhobenem Zeigefinger die oft prekäre Situation von Migranten in Europa zu beschreiben. Vielmehr schildert der Roman auf leichte und amüsante Weise den Alltag eines „verrückten Haufens“ von Köchen, Küchenhilfen und Kellnern in einem eher zweitklassigen Restaurant, dennoch hat die Geschichte um Nordip und seine Freunde und Arbeitskollegen auch immer wieder tragische Momente, und die meisten Angestellten bzw. „Schwarzarbeiter“ im blauen Geier haben einen nordafrikanischen Hintergrund.

Doch auch wenn der Roman in Rückblenden und Tagträumen immer wieder den früheren Alltag von Nordip in seiner marokkanischen Heimat und die „europäische Integrationsproblematik“ schildert, beschreibt „Lehrjahre im Schnitzelparadies“ unterschwellig auch noch ein ganz anderes gesellschaftliches Problem, welches in Europa immer mehr zur Realität wird: Jahrelange unbezahlte Praktika in Berufszweigen, die längst nicht mehr ausschließlich sogenannten „Gastarbeiterkindern“ vorbehalten sind. Allerdings gelingt es Khalid Boudou, sich dabei nie in Sentimentalitäten zu verlieren oder allzu viel moralinsaure Gesellschaftskritik in den Roman „einzubauen“ – was für die Atmosphäre und die Intention des Romans durchaus von Vorteil ist.

Fazit
Der Debütroman von Khalid Boudou, der mittlerweile auch verfilmt wurde und unter dem Titel „Schnitzelparadies“ ins Kino kam, bietet vergnügliche Leseunterhaltung für Freunde der leichten, aber dennoch anspruchsvollen Literatur. Die Übersetzung aus dem Niederländischen ins Deutsche ist der Übersetzerin Franca Fritz außerordentlich gut gelungen, und die Geschichte um Nordip büßt auch in der übersetzten Fassung nichts von ihrem ursprünglichen Charme ein. Die Verfilmung des Romans war an den niederländischen Kinokassen ein voller Erfolg, der Roman selbst wurde von der deutschen Presse begeistert aufgenommen – so beurteilt Monika Carbe von der „Neuen Zürcher Zeitung“ Boudous Roman etwa als „laut und frech – und lesenswert“. Damit trifft sie den Nagel genau auf den Kopf – der Roman ist absolut zu empfehlen und wird dem geneigten Leser kurzweiliger zeitgenössischer Literatur viel Freude bereiten.

Wie bewerten Sie dieses Produkt?

Ihre Bewertung
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar