Liberty 9 – Sicherheitszone

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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Rainer Schröder: Liberty 9 – Sicherheitszone

Der gefährliche Weg zum Lichttempel

Keine Neuerfindung, aber eine packende Interpretation vom klassischen Dsytopien-Stil bietet der Auftakt zum mehrbändigen Epos Liberty 9, den der deutsche Jugendbuchautor Rainer Schröder im cbj-Verlag bietet. Eine Mischung aus Robocop, Die Tribute von Panem, Blade Runner und apostolischer Offenbarung. Kirchengeschichte? Ja, auch wenn das vom Autor selbst vielleicht so nicht intendiert gewesen ist.

Zunächst zu den Grundlagen: Kendira ist 17 Jahre und lebt in der Sicherheitszone mit dem Namen Liberty 9. Sie ist eine  Auserwählte, die in einem riesigen Valley mit einer Lichtburg ausgebildet wird, um später den Dienst in einem Lichttempel antreten zu können. Die Ausgangslage hierfür war ein großer Weltenbrand, der die zerrüttete Gesellschaft und ihre technokratischen Hinterlassenschaften hervorgebracht hat.

Hier werden nun die ersten biblischen Analogien allzu offensichtlich: die große Verfehlung der Menschheit, die Auserwählten und die Diener , die Lichtburg  und sogar die ritualisierte Vergabe von Happy Cubes, die an Hostien erinnern wollen oder können. Unweigerlich kommt einem die literarische Vorlage des großen Aldous Huxleys und seiner schönen neuer Welt in den Sinn, in der die Dauerdroge Soma das Elixier des Glücks darstellt.

Huxleys Welt ist Teil der pragmatischen Realität verlorener Seelen, Schröders Epos hingegen greift  die jugendliche Expansion, die Optionen der Befreiung, die Leidenschaften und die aus der Naivität erwachende Rebellion auf. Dante (auch hier wieder der religiöse Bezug) ist der Diener (Servant), der mit seinen mutigen, tiefsinnigen und introvertierten Einwürfen die heile Welt Kendiras zum Wanken bringt. Natürlich ist auch ein herzlicher Tropfen Liebe dabei, doch die sozialdramatische Sichtweise überwiegt in dem Buch.

Morgenappel, Unterricht, Training und totale Kontrolle: Der Tagesablauf in Liberty 9 erinnert an all jene ausbeuterischen Strukturen, die auch heute noch, in verbrämter Form, Teil der Gesellschaft sind, seien es irrationale Hinwendung zu uferlosem Gelderwerb oder mythologische Unterwerfungen wie in den Religionen. Noch löst Schröder sie zum Ende dieses Bandes nicht auf, lässt viele Fragen offen, aber vielleicht weniger aus Unachtsamkeit als aus gewiefter Strategie – diesbezüglich muss man erst einmal Band Zwei abwarten.

Ein bisschen doppeldeutig sind die vielen englischen Begriffe; Elector statt Auserwählte oder Servant statt Diener, auch die Happy Cubes, die Guardians oder die Devils Lip passen zwar in die vom Autor gezeichnete Welt und geben dem Ganzen eine gute Portion Science-Fiction, andererseits wäre mit klaren deutschen Begrifflichkeiten mehr Tiefe und Verständnis erreicht gewesen. Der Diener, der Wächter oder die Auserwählte wären doch auch Begriffe, die die Türen zur wirklichen Welt öffnen können.

Fazit:

Ein ansprechendes Cover, eine geschickte, spannende Geschichte, die nicht neu erfunden wurde. Dazu gibt es mehrere Plotbenene, verschiedene Charaktere (besonders lustig: Kendiras Freundin Neika und ihr Wortwitz) und ein nicht immer mitreißender Schreibstil mit vielen Anglizismen und bisweilen auch einigen Phrasen oder sich häufig wiederholdenden Beschreibungspassagen. Für Fans des Genres eine lohnenswerte Entdeckung, die sich vor anderen Werken nicht verstecken braucht, aber sich sicherlich auch nicht davon abheben kann.

 

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