Lothar Riedel: Die Geldernsche Kreisbahn

Rezension von: AndreasRuedig | Rezensionsdatum:

: Die Geldernsche Kreisbahn Die Verkehrsgeschichte der schmalspurigen Kleinbahn Kempen-Straelen-Kevelar

Das vorliegende Buch erschien 1989 im Verlag des Historischen Vereins für Geldern und Umgebung, Geldern. Es umfaßt 143 Seiten.

Eine Inhaltsangabe

Die Geldernsche Kreisbahn war eine der vielen normal- und schmalspurigen Kleinbahnen, die um die Jahrhundertwende gebaut wurden. Die Historiker sagen ihr nach, daß „sie in ihrem über 30jährigen Bestehen sicherlich zum wirtschaftlichen Aufschwung am linken Niederrhein beigetragen hat“.

Man schreibt das Jahr 1898, als der Kreistag zu Geldern dem Eisenbahnprojekt zustimmt. Zwar nur mit einer Mehrheit von 3 Stimmen, aber immerhin. Es sollte aber noch vier Jahre dauern, bis der erste Zug auf der Strecke von Kempen über Straelen nach Kevelaer gefahren ist.

Die Kreisbahn hat ihre Aufgaben immer zuverlässig erledigt, die der Inhaltsangabe des Buches zu entnehmen ist. Der Betrieb der Kreisbahn wurde dann in den 1930er Jahren eingestellt.

Der Grund dafür war die immer stärker werdende Motorisierung. Omnibusse und Lastkraftwagen bestimmen immer mehr den Personen- und Güterverkehr auf der Straße. Und heute? In unseren Tagen sind die Spuren der Kleinbahn vollständig verschwunden.

Über den Autoren

Riedel ist Jahrgang 1929. Was er beruflich macht, ist den biographischen Angaben im Buch leider nicht zu entnehmen.  Laut den dortigen Angaben forscht er in seiner Freizeit zur Geschichte ehemaliger Schmalspurbahnen.

Seine Erkenntnisse veröffentlicht er auch. So gibt es nur nicht das vorliegende Buch, sondern auch Publikationen über die Cloppenburger und die Hümmliger Kreisbahn. Ob Riedel in den über 20 Jahren seit dem Erscheinen dieses Buches noch weitere Bücher herausgegeben hat, habe ich genausowenig nachgeschlagen wie etwa Informationen über den Historischen Verein Geldern.

Schande über mein Haupt? Ja, kann gut sein. Im Rahmen dieser Buchbesprechung scheint es mir aber zu viel der Arbeit zu sein.

Die eigentliche Buchbesprechung

Greift man erstmalig zu dem Buch, bekommt man im ersten Augenblick einen Schrecken. Das benutzte Papier hat eine etwas altertümliche Qualität, etwa so, als ob man das Papier für antiquierte Hochglanzbroschüren aus längst vergangenen Tagen wiederentdeckt hätte.

Welche Schrifttype hier benutzt wurde, kann ich nicht genau sagen; dafür kenne ich mich nicht gut genug damit aus. Sehr modern wirkt sie aber auch nicht.

Wer das Buch liest, merkt schnell, daß es von einem Kenner der Materie geschrieben wurde. Allein schon der Zeitaufwand für die Recherche muß enorm gewesen, so manche Stunde in unterschiedlichen Archiven  verbracht worden sein.

Bei Riesel muß auch ein nenneswertes technisches Verständnis vorhanden sein. Ansonsten wären die technischen Ausführungen nicht möglich gewesen.

Das Buch bietet auch einen umfangreichen Bestand an historischen Zeichnungen, Schwarzweißfotographien und Quellenmaterial. Nach Angaben Riedels im Nachwort war die Quellenlage unbefriedigend weil unvollständig. Davon ist hier nichts zu spüren. Die Texten geben einen guten Überblick über die Geschichte des Unternehmens.

Gibt es das Buch überhaupt (noch) im Buchhandel zu kaufen? Vielleicht bei ebay und amazon? Bei Amazon habe ich am 3. März 2012 jedenfalls ein Exemplar gefunden, das dort angeboten wurde. Wenn ich ehrlich sein soll, haben mich persönlich andere Sachen mehr bewegt. Etwa die Frage, wen ein solches Buch überhaupt interessiert. Die Antworten „Heimatforscher“ oder „Leute, die sich für regionale Wirtschaftsgeschichte interessieren“, wären hier sicherlich richtig.

Schaue ich mir aber an, in welchem Verlag das Buch herausgegeben wurde, kann ich mir an einer Hand ausrechnen, daß die Verlagsangabe eine vornehme Umschreibung des Wortes „Selbstverlag“ ist. Dazu paßt auch die Angabe, daß der Landschaftsverband Rheinland, Kreis Kleve und Stadt Geldern die Herausgabe des Buches finanzierten.

Ich bin mir nie sicher, was ich von solchen Büchern halten soll. Offensichtlich war kein Verlag bereit, ein solches Buch herauszugeben und das wirtschaftliche Risiko zu tragen. Dies ist einem Buch wie diesem (und ich kenne durch meine journalistische Tätigkeit inzwischen diverse davon) auch deutlich anzumerken.

Ein Fazit

Da stürzt sich jemand voller Engagement und Leidenschaft in die Arbeit und gibt Band 90 der „Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Geldern und Umgebung“ heraus. Unter sachlichen Gesichtspunkten ist ein solches Buch sicherlich gelungen.

Was man von der optischen Umsetzung nur bedingt behaupten kann. Ein Verlag hätte – allein schon unter Vertriebsgründen – auf ein qualitativ besseres optisches Erscheinungsbild geachtet. Aller Idealismus von Bürgervereinen in Ehren: Die praktische Umsetzung von Heimatforschung in Buchform ist oft genug noch ausbaufähig.

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