Mit gespaltener Zunge

Autorenwertung
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Mit gespaltener Zunge

Judith Schwaab (Übersetzer). Droemer HC 2010, Gebundene Ausgabe, 384 Seiten, € 1,70

Rezension von: istillreadbooks | Rezensionsdatum:

Mit gespaltener Zunge von

Inhalt
Der junge Engländer Adam Woods geht kurz vor dem endgültigen Ende seines Studiums nach Venedig, um dort als Nachhilfelehrer in einer wohlhabenden italienischen Familie zu arbeiten. Doch als Adam in Venedig ankommt, kann er den Job nicht annehmen – der Schüler, den Adam eigentlich unterrichten sollte, hat sich einen mittelschweren Fauxpas geleistet, indem er mit gerade einmal 16 Jahren mit einem 14-jährigen Mädchen ein Kind gezeugt hat. Die Eltern des Jungen, die eigentlich auch Adams Arbeitgeber sind, haben den Jungen deshalb nach New York geschickt, so dass Adam nun nicht mehr benötigt wird. Doch das Paar gibt Adam immerhin einen Tipp für einen neuen Job, und kurz darauf nimmt Adam eine Stelle als Assistent des gleichermaßen exzentrischen wie geheimnisvollen und berüchtigten ehemaligen Schriftstellers Gordon Crace an.

Adam ist zunächst froh über diese Fügung des Schicksals, ist er doch schließlich auch nach Venedig gekommen, um neben der Arbeit als Nachhilfelehrer seinen ersten Roman zu schreiben. Fortan ist Adam Craces Mädchen für alles, doch Crace hält Adam förmlich in dem von außen luxuriös erscheinenden, aber bereits verwahrlosten Palazzo gefangen, und wenn Adam nur für wenige Minuten verschwindet, ist dies für Gordon Crace bereits eine fast unerträgliche Tortur. Adam ahnt schnell, dass der alte Crace etwas zu verbergen hat – doch auch Adam selbst hat keineswegs eine „weiße Weste“…

Ein intensiver, furchterregender Kriminalroman über zwei Menschen, die sich ein psychologisches Duell liefern und einiges zu verbergen haben
„Mit gespaltener Zunge“ ist die Geschichte eines jungen, ambitionierten Menschen, der vom großen literarischen Erfolg träumt und dabei in einen Strudel von Ereignissen gerät, die sein eigenes Leben und das Leben anderer für immer verändern. Zu Beginn des Romans führt der Autor Adam Woods als einen relativ klassischen Charakter ein, der eigentlich leicht als Identifikationsfigur dienen könnte – ein junger, intelligenter Mann, der sein altes Leben und die ewig gleiche Routine satt hat und nun in einer neuen, atemberaubend schönen Stadt einen neuen Lebensabschnitt beginnen will. Allerdings erfährt der Leser hierbei natürlich schon im Klappentext, dass die Geschichte von Adam Woods und Gordon Crace alles andere ist als die Beschreibung einer Freundschaft zwischen zwei Menschen aus verschiedenen Generationen.

Andrew Wilson wartet dann auch gar nicht allzu lange, um das Bild des Protagonisten Adam Woods „gerade zu rücken“ – von der sympathischen, wenn auch etwas hinterlistigen Identifikationsfigur verwandelt sich Adam Woods im Verlauf des Romans schnell in einen skrupellosen, rücksichtslosen und egoistischen „Kerl“, der zwar intelligent wirkt, jedoch äußerst arrogant auftritt und die Vergewaltigung der eigenen Freundin in etwa für „sein gutes Recht“ hält. So schafft Wilson eine Atmosphäre, in der sich zwei Charaktere begegnen, denen der Leser keinerlei Sympathien entgegenbringt, und die Nebenprotagonisten spielen dabei eine so vergleichsweise unbedeutende Rolle, dass dem Leser angesichts der stets präsenten Kaltblütigkeit Adams einerseits und der mysteriösen Aura, die Gordon Crace umgibt, ein ums andere Mal ein kalter Schauer den Rücken hinunterläuft. Die eigentliche Handlung gerät dabei im späteren Verlauf des Romans immer mehr zur Nebensache, was zwar einerseits die Spannungskurve etwas abflachen lässt, den Roman andererseits jedoch zu einer beeindruckenden Parabel über Niedertracht, Betrug und Arglist werden lässt.

Fazit
„Mit gespaltener Zunge“ ist keiner dieser Thriller, die einen „Adrenalinkick“ nach dem anderen liefern, dabei jedoch auf einen realistischen Handlungsverlauf verzichten. Seine eigentliche Spannung zieht „Mit gespaltener Zunge“ vor allem aus der Beschreibung des packenden psychologischen Katz-und-Maus-Spiels zwischen den beiden Hauptprotagonisten – ein Roman, der vielmehr eine Charakterstudie und ein psychologisches Schauermärchen ist, als „nur“ ein „spannender Thriller“ und seine volle Wirkung somit auch erst nach mehrmaligem Lesen entfaltet. „Mit gespaltener Zunge“ hat dabei durchaus das Zeug zum Klassiker auf dem Gebiet der modernen Spannungsliteratur!

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