Mit Hunden gewaltfrei kommunizieren

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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Judith Böhncke: Mit Hunden gewaltfrei kommunizieren

Zurück zur intuitiven Quelle

Was bei Tieren ursprünglich gar nicht notwendig ist, hat sich beim Menschen mittlerweile als wirkungsvolle Alternative durchgesetzt. Therapeutische oder präventive Hilfe im Rahmen der Kommunikation. Nicht etwa weil der Mensch an sich zu dumm für natürliches Miteinander wäre, sondern weil er im Verlauf seiner kulturellen Entwicklung so manche, eigentlich logische Absicht über Bord geworfen hat. Stichworte wären hier sinnfreies Haben in kapitalistischen Gesellschaften, klassenspezifische Machtverhältnisse, Geschlechterstereotypen etc.

So ist das sehr profunde und reichhaltige Werk der Juristin und Ethologin Judith Böhnke, in der sie die Gewaltfreie Kommunikation von Marshall Rosenberg auf die Beziehung vom Mensch zum Hund überträgt, in erster Linie für den Mensch gedacht. Na gut, könnte man sagen, können ja auch gar nicht lesen; aber vielmehr wird in den Zeilen offensichtlich, dass es darum geht die intuitive und natürliche Fähigkeit der Kommunikation in einer häufig gestörten, von Menschen gemachten Moderne wieder zu erlangen.

Die von Rosenberg ursprünglich für Menschen konzipierte Gewaltfreie Kommunikation (kurz: ) wird von Böhncke komplett auf das Verhalten zum Tier übertragen. Wertfreie Beobachtung, Anerkennung von Gefühlen und Bedürfnissen sowie der konkrete und realitätsbezogene Ausdruck von Wünschen machen hier wie da die Beziehungen aus. Das die Autorin auch die emotionalen und mentalen Fähigkeiten eins zu eins auf die Vierbeiner überträgt ist nicht nur konsequent, sondern im Rahmen moderner Verhaltensbiologie selbstverständlich.

Genau an dieser Stelle macht sie  sich – um im Hundesprech zu bleiben – unnötig unterwürfig. Wozu mit Hormonen, Enzymen, wissenschaftlichen Studien und anderen Objekten der eigentlichen lebensfeindlichen Wissenschaften aufwarten, wenn man sich doch gerade davon entfernen will? Schon in der Einleitung wird einem herzerwärmend klar, dass die Methodik und die Automatismen, die man sich selbst und auch dem Hund auferlegt, in einer natürlichen Symbiose gar nichts zu suchen haben. Von daher erscheinen auch Aussagen wie Tiere sind Mitgeschöpfe unnötig moralisierend und religiös fehlgedeutet. Tiere sind animalische Wesen wie Menschen auch. Punkt.

Das soll aber nicht als grobe Kritik an dem Buch verstanden werden, genau so wenig wie die Tatsache, dass Böhncke den Unterschied zwischen Furcht und Angst (der ein bedeutender, aber auch ganz einfacher ist) nicht kennt. Es sind Marginalien, die – wie gesagt – gar nicht nötig gewesen wären, wenn die Autorin noch mehr Mut gehabt hätte, zu ihrer großartigen Empathie und lebensfreundlichen Logik zu stehen. Andererseits spricht sie damit vielleicht aber den meisten aus der Seele, die wie sie den langen Weg von der konditionierten Wissenschaftshoheit zurück zum wirklichen Leben gehen wollen.

Fazit:

Über 260 Seiten starke Anleitung im positiven Sinn. Die Integration sämtlicher Gefühlswelten und Bedürfnissicherungen von Mensch zum Tier. Zahlreiche Praxisbeispiele und gut recherchierte Literaturhinweise. Empfehlungen und Ratschläge aus dem wirklichen Leben für echte Kommunikation. Einfach formuliert: Würden sich die Menschen untereinander und auch mit ihren Hunden nur ansatzweise daran halten, wäre die Welt nicht so, wie sie ist, sondern wie sie sein will.

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