Nie wieder Rückenschmerzen

Autorenwertung
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  • Gesamt
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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Esther Gokhale: Nie wieder Rückenschmerzen: Dauerhafte Besserung in 8 Schritten

Gemischte Gefühle

Esther Gokhale muss ein ziemlich kreativer und intuitiver Mensch sein. So lässt es sich zumindest erklären, dass Layout und Systematik ihres nun ins Deutsche übersetzten Bestsellers Nie wieder Rückenschmerzen so farbenfroh und gescheckt daher kommen. Hunderte von tollen, aussagekräftigen Fotografien, Merkkästchen, dazu verschiedene Absätze, Überschriften, Ikonographien, Legenden: Das 240 Seiten starke Buch ist ein Potpourri visueller und mentaler Reize – bisweilen ein bisschen überladend und den Reizresonanzraum flutend, aber gut, Mrs. Gokhale ist Amerikanerin und so macht dieses bunte und zugleich informative Buch auch äußerlich direkt auf sich aufmerksam.

Inhaltlich handelt es sich laut Klappentext um das weltweit erfolgreichste Buch gegen oder besser bei Rückenschmerzen. Um es vorweg zu nehmen: das ist es nicht. Aber es hebt sich wohltuend von sehr vielen, sehr schlechten Büchern ab. Gerade die bewegungsökonomische Sichtweise kann für viele Anwender von großem Nutzen sein. Die vielen anschaulichen Beispiele, die einfachen Übungen, die stetige Vorbildfunktion zahlreicher Naturvölker und ihrer Bewegungsweisen: das ist eine feine Alternative, die dieses Buch auszeichnet.

Apropos Vorbilder: genau an der Stelle gibt es aber einen sehr gravierenden Knackpunkt. Denn neben den leichtfüßigen und in sich aufgerichteten Menschen aus Afrika, Asien oder Südamerika reüssiert Gokhale auch vermeintlich aufgerichtete Menschen, die auf Fotografien der vorletzten Jahrhundertwende dargestellt werden. Nach dem Motto, früher war alles besser respektive der Körper aufgerichteter. Hier offenbart sich leider ein nur sehr oberflächliche Blick auf den menschlichen Körper, denn ein tieferes Sich einfühlen hätte die über hundert Jahre alten Fotografien als sinnbildliche Expression einer zwanghaften und starren Gesellschaft erkannt.

Das , was die Autorin als traditionell vernünftige Bewegung ausmacht, ist in Wahrheit eben die Symbolik einer zwanghaft neurotischen Disziplinierungsgesellschaft, deren Auswüchse sich heute eben in anderen, krummeren Haltungen ausdrücken, die aber vor hundert Jahren nicht weniger unnatürlich waren. Vor allen Dingen die krampfhafte Gesichts-, Rumpf- und Beckenspannung, die dem geübten Betrachter, bei den Bildern anspringt, ist weder vorbildlich noch geeignet als therapeutische Stütze zu dienen. Es sei denn, diese oberflächliche Ausrichtung scheinbarer Ganzheit ist erstrebenswert.

An diesem Punkt sollte man das Ergebnis nicht allzu kritisch sehen, denn viele Ansätze in dem Buch sind sehr schön und was wir tun, ist Klagen auf hohem Niveau. Wie unter anderem auch die Einbeziehung des menschlichen Atemtyps für die komplette Therapie unheimlich wichtig gewesen wäre. Der lange Nacken, den Gokhale propagiert, ist eben nur für die eine Hälfte der Menschheit erstrebenswert.

Fazit:

Trotz der fachmännisch offensichtlichen Mängel ein spannendes, toll dokumentiertes und wichtiges Buch. Fair wäre es aber die wirklichen Vorbilder (bspw. Ida Rolf, Moshe Feldenkrais oder F.M.Alexander) im Literaturverzeichnis zu nennen, von denen viele der Ansätze hier stammen. Zumindest ein vielschichtiges Angebot, dass noch verfeinert und authentisiert werden darf.

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