Orlando: Eine Biographie

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  • Gesamt
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Orlando

Ulrike Haage (Komponist). der Hörverlag 2014, Audio CD, € 16,95

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Virginia Woolf: Orlando, Eine Biographie

Klangkakophonie

Virginia Woolf ist großes Kino. Für Avantgardisten, für Freiheitsliebende, für Literaten, für Menschen der Moderne. Ihr Leben und Werk sind bereits in zahlreichen Filmen und Büchern behandelt worden und sie ist aufgrund ihrer revolutionären und besonderen Art ein Denkmal für viele, die sich befreien wollen. Das gilt in erster Linie einmal für das weibliche Geschlecht, im Großen und Ganzen aber für alle, die wie Woolf unter gesellschaftlichen Zwängen und repressiven Staatsoberen leidet. Ergo also für alle Menschen (auch heute), die sich als solche wahrnehmen. Dass Woolf 1941 den Weg in den Freitod wählte, um ihren Depressionen zu entfliehen, ist eine andere Geschichte, die bei Orlando, einem ihrer größten Erfolge, so nicht abzusehen war.

Denn Orlando ist lustig, beschwingt, erotisch, genau wie historisch, lyrisch und poetisch. Ein abstruses Märchen, in dem die Hauptperson Jahrhunderte überlebt, ihr Geschlecht wechselt und am Ende der Zeitreise zur wahren Poetin mutiert und ihrer inneren Bestimmung folgt. Herrlich charmant erzählt und zugleich gut recherchiert. Man könnte sagen, sie hat Informationen aus erster Hand erhalten. Denn die ebenfalls künstlerisch begnadete Vita Sackville-West war nicht nur Zeitgenossin der Woolf, Vorbild für diesen Roman, sondern nebenbei auch amouröse Gespielin der großen Literatin. Ja genau, Virginia Woolf war in vielen Dingen ihrer Zeit voraus, vor allen Dingen was die Außendarstellung betrifft.

Das Hörspiel – das erstmalige – dieses poetischen Wunderwerks (wenn man moderne Kunst als solche bezeichnen möchte) ist aber irgendwie too much Woolf, um es mal in dem hiesigen Kontext zu beschreiben. Die ausufernde, tiefgründige, auch oft sprunghafte Schreibe von Woolf wäre besser aufgehoben gewesen vor einem klaren und deutlichen Hintergrund. Stattdessen wechseln sich Wiebke Puls und Paul Herwig als erzählende Chronisten ab. Das ist ziemlich verstörend, wenn mitten im Satz der Sprecher wechselt. Das mag ansatzweise an die Hauptperson erinnern, hat aber, was den Hörspaß angeht, eklatante Nachteile.

Noch unangenehmer ist leider die heutzutage viel zu häufig angewandte akustische Unterstützung. Viele Kapitel werden mit Schalmeien und anderen instrumentalen Besonderheiten der jeweiligen Zeit unterstrichen. Kompositorisch zwar nett, aber als Hörgenuss ebenfalls verstörend. Man kann sich so nicht voll auf den Text konzentrieren, wenn im Hintergrund gedudelt wird. Überhaupt erinnert die Aufnahme an ein Stück von Hermann Hesse. Wild, lyrisch, sprunghaft, künstlerisch immer auf der Höhe – aber wo bleiben die Hörer?

Fazit:

Schade eigentlich, diesen tollen Roman in dieser Form zu übermodernisieren. Hier wäre weniger viel, viel mehr gewesen. Die grandiosen Sprecher, die tolle Produktionsqualität und natürlich die geniale Vorlage gehen in dem Gemisch der Stimmen und Stimmungen der Hörspielbearbeitung zumeist unter.

 

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Ein Kommentar to “Orlando: Eine Biographie”

  1. Ludwig Kamberlein schreibt:

    Sehr schön, dass ein Rezensent mal die überbordende Hintergrundduelei in Hörbüchern kritisiert, die bestenfalls zweckfrei und schlimmstenfalls absolut ärgerlich ist.

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