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Japan – seine Städte und Provinzen

Japan – seine Städte und Provinzen von Yuko Kimura, Wilhelm Blassen, Hartmut Pohling und Kerstin Teicher

Inhalt
Der mehr als 600 Seiten umfassende Bildband „Japan – seine Städte und Provinzen“ gehört zu einer Reihe aus dem Komet Verlag, in der unter anderem auch schon Bildbände zu den Ländern Vietnam, Russland und Südafrika erschienen sind. Der vorliegende Bildband zu dem im westlichen Europa doch nach wie vor relativ „unbekannten“ bzw. von weiten Teilen der Bevölkerung eher wenig beachteten Land Japan soll dem Leser und Bildbetrachter die Kultur und die Lebensweise der Japaner näherbringen, wobei sich der Bildband aber nicht nur auf kulturelle Eigenheiten und geographische Besonderheiten beschränkt sondern darüber hinaus auch immer wieder interessante Einblicke in die japanische Wirtschaft und Geschichte bietet.

Die umfangreichen und in die Tiefe gehenden Beschreibungen des Bildbandes werden dabei, wie bei einem Bildband üblich, durch zahlreiche hochauflösende Bilder aufgelockert und veranschaulicht. Dabei unterscheidet sich „Japan – seine Städte und Provinzen“ allerdings an vielen Stellen recht deutlich von anderen Bildbänden. Ein Aspekt, der hierbei besonders hervorsticht, ist die außergewöhnliche Gliederung des Werks. So ist der Bildband nicht etwa in verschiedene Rubriken wie etwa „Geschichte“, „Kultur“ und Wirtschaft unterteilt, sondern in dem Bildband arbeiten die verschiedenen Autoren systematisch die wichtigsten japanischen Städte und Regionen „ab“ und stellen diese vor, so dass man sich während des Lesens immer an der Geographie Japans orientieren muss.

Ein außergewöhnlicher Bildband, für dessen Lektüre man viel Zeit mitbringen sollte
Der vorliegende Bildband ist ein Werk, welches dem Leser nicht nur beeindruckende Bilder bietet, sondern auch immer wieder die Denkleistung des Lesers einfordert. „Japan – seine Städte und Provinzen“ ist also kein Bildband, bei dem ganz besonders viel Wert auf künstlerisch anspruchsvolle Bilder gelegt wird, die dann lediglich mit kurzen Beschreibungen ergänzt und erklärt werden, sondern die Beschreibungen gehen so sehr in die Tiefe, dass man mitunter schon allein mit der Lektüre der Texte viel Zeit verbringen kann, um danach mithilfe der Bilder noch weiter in die japanische Welt „einzutauchen“.

Aber auch wenn „Japan – seine Städte und Provinzen“ ein vergleichsweise textlastiges Werk ist, rechtfertigen schon fast die Bilder allein den Kauf des Bildbands – hier hat man sich also offenbar sehr viel Mühe gegeben, um nicht nur einfach Orte und Sehenswürdigkeiten zu fotografieren und abzubilden, sondern dabei auch immer noch die jeweiligen Stimmungen der Menschen und Orte einzufangen.

So überzeugt der Bildband auch in vielerlei Hinsicht, und das Werk hat nur wenige Schwächen, die das Lesevergnügen geringfügig trüben. So haben sich an der einen oder anderen Stelle noch Rechtschreibfehler eingeschlichen, was bei einem Werk mit mehr als 600 Seiten aber verständlich und auch zu verschmerzen ist. Ein Manko, was leider etwas schwerer wiegt, ist die anfangs sehr gewöhnungsbedürftige Unterteilung des Werks in Städte und Regionen. Hier wäre eine kleine Einführung und Erläuterung am Anfang des Werks wünschenswert gewesen.

Fazit
„Japan – seine Städte und Provinzen“ entführt den Leser anhand von zahlreichen Bildern in die Welt Ostasiens und in die einzelnen Regionen Japans. Dabei bekommt man auf leicht verständliche Weise viele interessante Fakten nähergebracht, die sich so in fast keinem Reiseführer finden. Der Preis von 39,90 Euro ist für ein derart umfangreiches Werk mehr als gerechtfertigt, und wer sich einmal umfassend über Japan informieren möchte, ohne das Land direkt zu besuchen, bekommt mit dem vorliegenden Bildband die Chance dazu.

Autorwertung

Lesbarkeit
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Nutzen
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Aufmachung
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Fotos
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Informationen
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Gesamt
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Interpol: Turn on the bright light

Turn on the bright light

von Interpol (2002)

Tracklist

1. Untitled

2. Obstacle 1

3. NYC

4. PDA

5. Say hello to the angels

6. Hands away

7. Obstacle 2

8. Stella was a diver

9. Roland

10. The New

11. Leif Erikson

Die New Yorker Band Interpol tritt stets in makellosen schwarz-weißen Anzügen auf und lassen auch auf ihren Alben immer die gleichen Instrumente erschallen: ein recht dominanter Bass, elektrische Gitarre (meist mit klarem Sound), Drums und selbstverständlich die unverwechselbare, markante und tief beeindruckende Stimme von Frontmann Paul Banks.

Schon mit dem ersten Track kann man ein Markenzeichen von Interpol entdecken: ein melancholischer Gitarrenteppich schraubt sich förmlich in die Gehörgänge und baut sich immer weiter auf,  um dann von den einsetzenden Vocals nochmals gesteigert zu werden, wobei es oft dem Bass vorbehalten ist, die Akzente zu setzen (z.B. bei Obstacle 1). Dieser so erzeugte Indiesound, natürlich ebenfalls getragen vom präzisen Einsatz des Schlagzeugs, besticht durch eine gewisse Coolness, aber auch einer düsteren Melancholie. Diese Kombination erweisr sich als extrem reizvoll.

Allerdings muss man den Songs teilweise etwas Zeit geben. Wer den schnellen Kick sucht und Wiedererkennungseffekte erhofft und sofort beim ersten Hören ein Aha-Erlebnis möchte, ist wahrscheinlich besser beraten, lautere Bands zu hören, die sich mehr an anderen orientieren. Wer sich jedoch darauf einlässt, für den wird das Debutalbum von Interpol eine so lange Zeit eine Freude bleiben, wie das nur bei wenigen, seltenen Alben und Gruppen der Fall ist.

Neben den getrageneren Titeln können Interpol aber durchaus auch mal sehr dynamisch werden (Obstacle 1, Hands away). Trotz des charakteristischen Sounds, der übrigens kaum durch zusätzliche Instrumente erweitert wird, ist die Abwechslung gegeben. Man findet sich in einem sehr intimen Album wieder, das einem sehr viel geben kann. Interessant kommen auch teilweise disharmonische Klänge daher, die bei anderen Bands schon mal aufgesetzt wirken und getrost als Effektheischerei bezeichnet werden dürfen. Hier nicht. Scheinbar verfolgen Interpol mit jedem Ton ein bestimmtes Ziel, und vielleicht lauscht man darum so begeistert- sowohl auf die einzelnen Intrumente, den Sound als auch die unnachahmliche Stimme von Paul Banks.

Teilweise wird Interpol nachgesagt, dass sie sich an den 70er und 80er und spezielle an Joy Division orientieren- ich kann das insofern ein bißchen nachvollziehen, als dass das Arrangement dort häufig ähnlich aufgebaut war- dennoch bleiben Interpol unnachahmlich.

Fazit
Für mich ist Interpol mit diesem Werk von 2002 fernab vom Mainstream ein unnachahmliches Meisterstück gelungen. Die Songs fügen sich aneinander und bilden eine homogene Schatztruhe an Kreativität, Intimität, aber auch Melancholie für diejenigen, die sich darauf einlassen. Anspieltipp: “Leif Erikson”. Dieser Song hat weltweit schon die ein oder andere Gänsehaut verursacht.

Autorwertung

Sound
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Melodie
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Lyrics
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Hörspaß
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Kreativität
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Gesamt
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Schuld

Schuld von Ferdinand von Schirach

Inhalt
Mit seinem 2009 erschienenen Erzählband “Verbrechen” hat der Rechtsanwalt Ferdinand von Schirach ein beachtliches und von den Medien gefeiertes Debut vorgelegt. Nun folgt die Fortsetzung “Schuld”, in der ebenfalls von verschiedenen Verbrechen und vor allem von den Schicksalen und Menschen und deren Beweggründe erzählt wird.

Fazit
Unter den 16 Stories sind ausnahmslos alle erwähnenswert, jedoch möchte ich hier beispielhaft nur zwei kurz anreißen.

Wahn und Folter im Internat
Ein schüchterner Junge wird im Alter von 12 von seinen Eltern im Internat abgeliefert, wo er aber das bleibt, was er schon sein ganzes Leben über war: ein Mitläufer. Als ihn eines Tages ein Kamerad beim Klauen von Geld aus den Taschen seiner Mitschüler erwischt,  gelangt er in eine verhängnisvolle Abhängigkeitssituation. Dies führt dazu, dass 3 Kameraden ihn zunehmend ausnutzen und schließlich beginnen, ihn systematisch zu schikanieren. Die Drei sind schon länger Anhänger von Verschwörungstheorien und glauben an die Existenz der Illuminaten, ein Geheimbund, in dessen Namen sie sich berufen fühlen. Eines Abends an einem Wochenende kommt es schließlich zu einem gräßlichen Höhepunkt…

Verurteilung wegen sexuellem Missbrauchs
Ein Mann lebt glücklich mit seiner Frau zusammen. Beide sind überaus angesehene Mitglieder der kleinstädtischen Gesellschaft. Bis eines Tages zwei Mädchen auftauchen und behaupten, der Mann habe sich an ihnen vergangen. Der Richter verurteilt ihn zu einer mehrjährigen Haftstrafe, die Frau lässt sich von ihm scheiden. Jahre später trifft der Mann das Mädchen zufällig wieder, und es ergibt sich eine überraschende Wende.

Es wäre reichlich unfair, zu viel vom Inhalt dieses Buches wiederzugeben, denn einige Geschichten halten teilweise verblüffende Pointen und Aufklösungen bereit. Schirach gelingt es, mit einem teilweise minimalistischen Sprachstil eine solche Spannung aufzubauen, dass man das Buch nur ungern aus der Hand nimmt. Das liegt vor allem daran, dass er die vorkommenden Menschen und ihre Eigenheiten in aller Kürze, aber sehr präzise erfasst. Der Anwalt Schirach ist ein bemerkenswerter Beobachter, und das macht sich deutlich bemerkbar in seinen Ausführungen. Sein Erzählband “Schuld” ist authentisch und realistisch, denn man merkt, dass er seine jahrenlange Erfahrung in Strafprozessen und in Mandaten in die Waagschale wirft. Dadurch lernt man auch einiges über juristische Dilemmata, wie sie beispielsweise in der ersten Geschichte geschildert werden. Auch wenn man hier die Täter kennt und Ihnen eine harte Bestrafung wünscht, weil sie sie verdient hätten, kommt es zu keiner Verurteilung (warum und wieso lesen Sie am besten selbst, ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen).

Die Kurzweiligkeit der Erzählungen in diesem Band ist verblüffend. Das einzig Negative: Man ist irgendwann fertig und muss das Buch doch aus der Hand legen.

Autorwertung

Spannung
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Story
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Charaktere
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Authentizität
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Gesamt
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Die Liste

Die Liste von John Grisham

Inhalt
Siebziger Jahre, Clanton, Mississippi, USA. Willie Traynor, der kürzlich seinen Uniabschluss gemacht hat, weiß nicht, was er mit seiner nun grenzenlosen Freiheit machen soll und kauft sich kurzerhand mit Hilfe seiner Großmutter die örtliche Lokalzeitung The Clanton Times. Es ist ruhig in der Provinz und Willie muss nach Schlagzeilen graben, bis eine Schandtat die kleine Stadt erschüttert. Eine junge Mutter wird in ihrem Haus und vor den Augen ihrer Kinder vergewaltigt und umgebracht. Da hat Willie seine Schlagzeile. Schnell ist der Mörder der Frau, ein gewisser Danny Padgitt gefasst und der größte Mordprozess, den Clanton je gesehen hat, beginnt.

Fazit: Erschreckend belanglos
Die Liste ist nicht mein erster Roman von Großmeister John Grisham – das erste Mal habe ich mit Touchdown (OT: Playing For Pizza) Grisham gelesen und war erstaunt, wie wenig bewegend und amüsiert ich über das Buch war. Diesmal dachte ich, dass ein Buch mit einem juristischen Kern mich mehr beeindrucken würde. Leider war das nicht der Fall.

Zugegeben, ich hatte keine Probleme ins Buch zu finden und bis zu Beginn des Mordprozesses hatte ich den Eindruck, dass es ein mittelmäßiges, aber kein schlechtes Buch werden würde. (Aber definitv eines von Grishams weniger guten, nahm ich an.) Gut, die erste Hälfte des Buches beschrieb den Mord an einer jungen Mutter und den Prozess. Okay. Damit kann ich leben, da dieser Teil auch einigermaßen lesbar war. Danach stellt sich im zweiten und dritten Teil ein schier endloses Palaver ein, von dem ich mich ständig gefragt habe, was es mit dem Rest des Buches zu tun haben soll. Der Mörder, Danny Padgitt, saß am Ende von Teil 1 schon im Gefängnis und kommt bis auf die letzten 50 Seiten nicht frei. Wovon handelten also die 250 Seiten zwischen dem Prozess und dem finalen Showdown?
Um ehrlich zu sein… nichts. Heiße Luft. Eine Schießerei, ein paar Todesfälle, ein paar Kirchenbesuche. Sehr unbefriedigend. Ich quälte mich fast durch 480 Seiten uninteressante Berichterstattung. Am Ende saß ich erleichtert  (dass es endlich vorbei war) und verärgert darüber (dass ich tatsächlich Hoffnungen über die eine nichteingetretene Besserung der Qualität hatte) da.

Pro: Leider fällt es mir unglaublich schwer, hier etwas festzuhalten, was ich nicht vertreten kann.

Contra: Zu viele Namen, zu viele irrelevante Details. Schlussendlich drosselt das den Lesefluss des ohnehin sehr lausigen Romans. An welcher Stelle sich dieser Roman Thriller schimpft, weiß ich auch nicht so recht.

Den Titel finde ich auch wenige passend. Wenn ich von derselben “Liste” nun rede, wie das vom Lektorat dieses Romans angestrebt war, dann halte ich den Titel für falsch. Diese Liste spielt meiner Meinung nach nur in den letzten 50 Seiten eine kleine Rolle. Auch vom englischen OT, “The Last Juror”, bin ich wenig begeistert. Auch der umschreibt in keiner Weise, in was es in dem Buch geht. Und erneut muss ich fragen: Ja, um was ging es überhaupt?

Alles in allem: Sehr enttäuschend, Mr. Grisham. Sie haben irgendwie den roten Faden vergessen. So schnell werde ich wohl keinen Roman mehr von ihnen anfassen.

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Story
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Lesbarkeit
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Charaktere
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Spannung
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Humor
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Timeline

Timeline von Michael Crichton

Eine Reise in die Mitte der Zeit
Eine Gruppe junger amerikanischer Forscher arbeitet an der Restauration einer Burg namens La Roque am Fluss Dordogne im Süden Frankreichs. Nachdem ihr Professor, Edward Johnston, von einer Geschäftsreise zum Sponsor des Projekts, ITC, nicht zurückkehrt, machen seine Doktoren einen mysteriösen Fund in der Ausgrabungsstätte: Sie finden ein über 600 Jahre altes Dokument, auf dem (in der Handschrift des Professors) geschrieben steht: “HELFT MIR. 7.4.1357″

Bald darauf werden die vier Doktoren – André Marek, Kate Erickson, Chris Hughes und David Stern – zu ITC nach Black Rock, New Mexiko, USA, geholt, wo ihnen dann erklärt wird, dass der Professor mit Hilfe der von ITC entwickelten Quantentechnologie ins Mittelalter gereist ist und jetzt dort festsitz. Die Forscher sollen nun selbst die Zeit des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich, betreten, um Johnston zurückzuholen. Als sie die Zeitreise antreten, ahnen sie nicht, wie gefährlich La Roque 1357 wirklich ist…

Fazit: Exzellent recherchiert, rasant und geistreich
Mein erster Roman vom Erfolgsautor (u.a. Airframe, Nippon Connection aka Die Wiege der Sonne, Jurassic Park, Emergency Room Drehbuch) Michael Crichton. Ich bin mittelschwer beeindruckt. Aber kommen wir zum Buch selbst:

Ich muss selbst von mir zugeben, dass ich kein großer Fan von Sci-Fi bin und auch von Physik, Quantenphysik um genau zu sein, nicht viel verstehe. Doch ich mag Geschichte und Historisches, von daher sprach mich die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken schon an. Was mich allerdings überraschte, ist die Geschwindigkeit, mit der ich dieses ja doch mittelstarke Buch ausgelesen habe.

Crichton hat einen Schreibstil, der den Leser in Bann zieht. Einmal das Buch in die Hand genommen, schon trägt man es überall mit sich herum und liest wann immer man die Möglichkeit dazu hat. Timeline ist ein intelligentes Geflecht aus tatsächlichen Personen, Begebenheiten und Orten und purer Fiktion. Es ist unglaublich, was dieser (sehr gebildetete) Mann an Recherchearbeit geleistet haben muss, um der Welt diesen Roman zu präsentieren. Es fühlt sich alles, was er in kurzen und prägnanten Sätzen beschreibt, sehr wirklich und authentisch an. Seine Dialogführung ist lebhaft. Was vor allem sehr auflockernd wird, ist die Tatsache, dass er seine Figuren sprechen lässt. Ein Kapitel wird aus der Perspektive des einen Doktors, der nächste Absatz aus der Sicht des anderen geschildet. Real kommt dies also einem Wechsel von Vortragenden gleich, so dass es dem Leser beinahe verboten wird, sich zu langweilen.

Pro: Viele Absätze und kurze Kapitel sorgen für besseren Lesefluss und sehr gutes Erzähltempo. Die Charaktere sind gut durchdacht. Die geschichtlichen Umstände sind hervorragend eingearbeitet. Die Dialoge sind lebendig. Der Plot ist für 1999 innovativ und wahnsinnig spannend erzählt.

Contra: Interessant sind bei Crichtons Roman auch die netten Abbildungen hier und da, die dem Vorstellungsvermögen ein bisschen auf die Reihe helfen. Ich fand die Idee an sich sehr geistreich, doch hätte ich lieber auf meine eigene Fantasie gebaut. Hier und da wäre der eine oder andere Witz nicht fehl am Platz gewesen.

Ich hatte Probleme, Punkte für “contra” zu finden, denn schließlich habe ich dieses Buch sehr genossen. Warum ich trotzdem keine 5/5 vergebe? Es ist Crichton nicht ganz gelungen, mich am Ende zu “überraschen” (Wollte ich das?), was eine der Figuren betrifft. Am Ende des Buches bin ich zufrieden zurückgesunken, dass es (leider) so ausgangen ist, wie ich seit der Mitte des Buches vermutet habe. Aber das ist ja kein Nachteil.

Wer physikalische Abhandlungen sucht, wird möglicherweise enttäuscht, da diese nicht den Großteil des Romans einnehmen. Wer sich also ein wenig für Geschichte und ein spannendes Abenteuer interessiert, wird dieses Buch lieben. Einfach erstklassige Unterhaltungsliteratur, die das Herz höher schlagen lässt! Offenbar gibt es auch eine Filmversion, die ein wenig auf dem Roman beruht. Ich werde sehen, ob ich nicht meine Finger daran bekommen kann. Timeline wird auf keinen Fall mein letzter Roman von Crichton sein.

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