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Kamtschatka

Kamtschatka von

Inhalt

Der 10jährige Harry wird eines Tages aus dem Unterricht geholt und erlebt zusammen mit seinem kleine Bruder die Flucht der Familie aus Buenos Aires, weil die Eltern als Regimegegner nach dem Putsch 1976 (Jorge Videla kam an die Macht) untertauchen müssen. Mit Hilfe von Freunden finden sie ein Versteck auf dem Land, nach der Beschreibung stelle ich mir ein aufgelassenes Wochenendhaus vor. Die Eltern fahren ab und zu allein in die Stadt zurück, versuchen zu arbeiten, Informationen zu erhalten, noch etwas aus der alten Wohnung zu retten. Diese Fahrten können nicht vorbereitet werden, sondern ergeben sich aus dem Moment heraus. Die beiden Jungen werden in der Dorfschule angemeldet, bleiben dort Fremde. Eines Tages kommt ein junger Mann namens Lucas, der sich ebenfalls verstecken muss, hinzu. Er wird zu einem grossen wichtigen Bruder, mit dem Harry ernsthafte Gespräche führen kann. Schliesslich muss sich die Familie doch trennen. Die Kinder werden zu den Grosseltern gebracht, Lucas verschwindet. Harry überlebt, aber er sieht seine Eltern nie wieder.

Beurteilung

Diese Geschichte wird uns als Erinnerung nahe gebracht, eine Erinnerung an Verfolgungszeiten, an verdrängte Angst und Gefahr.  Ich verfolge die Gedanken des Jungen, zum Teil kindlich, wenn er sein Spiel oder seine Autos wieder haben möchte, zum Teil erwachsen, wenn er spürt, dass sich seine Mutter einsam gefühlt haben musste. In die Abfolgen der Tage werden geschickt geschichtliche oder wissenschaftliche Erklärungen eingestreut. Sie werden wie nebenbei erzählt. Harry ist offen für diese Erkenntnisse, nimmt sie auf, denkt über sie nach und gibt sie dann an seinen kleinen ungläubigen Bruder weiter. Auch gibt es Rückblicke, die Hintergründe und das Entstehen dieser Familie beleuchten. Durch die unglaublich runde und bildhafte, auch witzige Sprache entsteht das Leben vor meinen Augen, das vernachlässigte Haus, der Garten, der Tümpel mit den Kröten, die hineinfallen, nicht wieder hinaus klettern könne, sterben und begraben werden müssen.

Die Tage in dem fremden Haus, ohne normale Abläufe, eigentlich in totaler Unordnung und mit Überlebensstrategien gespickt, sind für den Jungen aufregend, fast ein Spiel. Doch er beobachtet die Eltern genau und umsorgt fast wie nebenbei mit viel Liebe seinen kleinen Bruder. Die Liebe der Eltern ist allumfassend. Als Leser sehnt man sich die gleiche Liebe herbei.

Der Titel des Buches bezieht sich auf ein Spiel, das Vater und Sohn mit grosser Hingabe spielen und bei dem der Vater immer gewinnt, den Jungen nicht einmal aus Freundlichkeit gewinnen lässt. Es geht um Landeroberung und Verteidigung. Kamtschatka ist eine Region, in der man unbehelligt leben kann, weil sie so klein und unbedeutend ist. Daher wird der Name zu einem Synonym für ein Leben, das ohne staatliche Verfolgung gelebt werden möchte, ohne Angst vor dem nächsten Klingeln. Auch das Exil des Autors wird so genannt.

Fazit

Auch wenn Harry das Leben auf dem Land nicht als Flucht empfindet wie seine Eltern, bemerkt er doch ihre Angst und Unruhe, die einfach vorhanden und spürbar sind. Er spürt die Schwingungen, ohne sie benennen zu können. Das Leben dieser Tage ist nicht nur ein Versteckspiel, bei dem der Junge sehr gut aufpassen muss, sondern ein Spiel auf Leben und Tod. Auch wenn man die Geschehnisse, die ja im Nachhinein erzählt werden, nur aus dem Blickwinkel des Jungen miterlebt, spürt man doch die Gewalt des Regimes. Es mag nur eine Geschichte sein, vielleicht auch nur eine ausgedachte Geschichte, aber sie ist von ungeheurer Intensität. Ich habe geweint.

Autorwertung

Spannung
ein Buchein Buchein Buchein Buchein Buch
Dramatik
ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
Charaktere
ein Buchein Buchein Buchein Buchein Buch
Realismus
ein Buchein Buchein Buchein Buchkein Buch
Emotionen
ein Buchein Buchein Buchein Buchein Buch
Gesamt
ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch

Besucherwertung

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Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein

Hans : Jeder stirbt für sich allein

Er schrieb für sich allein

So wie jeder gute mit dem ersten Satz beim Leser direkt gewinnen oder verlieren kann, wie die Kraft sich in der Geburt des Werkes ausdrücken kann, so vermag auch das mit dem Timbre, dem Akzent und der Artikulation des Sprechers den erfolgreichen oder weniger gelungenen Einstieg geben. Die Sensation des vergangenen Jahres, der wiederentdeckte Wahnsinn, den der große Hans Fallada 1946 als letzten positionierte, gibt es bei Osterworld/Hörbuch Hamburg nun als Hörbuch. Und Ulrich Noethen, der gefragte Sprecher – wie der Begleittext etwas ungelenk formuliert – berlinert in bestem Akzent und derart gehaltvoll schon in den ersten Sekunden; im Treppenhaus eines Miethauses, deren Bewohner im dritten Stock in den Mittelpunkt rücken. Ulrich Noethen weiß einzufangen, zu verwandeln, zu begeistern. Nur wenige Augenblicke genügen. Allein das macht die Kraft dieses Hörbuches aus.

So verwundert es nicht, dass die Kombination aus genialem Schriftgut und tollem Sprecher komplett zu überzeugen weiß. Acht CDs in einem schönen Pappschieber mit feinem Booklet (unter anderem Originalfotografien der Gestapo, die das vermeintlich aufrührerische Ehepaar, das Fallada portraitiert, zeigen) überzeugen auch äußerlich; innerlich begeistert oder vielmehr bewegt und erschreckt eine authentische Geschichte, der Fallada nur andere Namen und darüber hinaus sein ganz eigenes Credo hinzugefügt hat. Seine meisterhafte Fähigkeit ist es, den Missständen des nackten Affen, des triebgestörten Tieres Mensch, des sozialdramatischen Wesens homo sapiens, so bedrückend ehrlich auf die Schliche zu kommen, dass man ganz unweigerlich, egal ob beim Lesen oder Zuhören, den Atem anhalten muss vor so viel ungeschminkter Bitterkeit.

Nun hat es mit dem Schriftstück noch eine weitere Besonderheit, denn der 1947 im Aufbau-Verlag in einer leicht gekürzten Version erschienene Roman geriet zumindest im Ausland in Vergessenheit und wurde bis ins Jahr 2009 noch gar nicht ins Englische übersetzt. Doch gerade der angloamerikanische Raum lechzt ja bekanntlich nach den Widerstandsdramen der Nazizeit, egal aus welcher Feder auch immer. So was kommt, auch heute in Hollywood, beständig gut an. Der Hype, der dann entstand, hätte Fallada wahrscheinlich wahnsinnig gemacht; jedenfalls sind die Begeisterungsstürme orkanartig über diesen nun wiederentdeckten Klassiker hereingebrochen und auch in Deutschland erschein nun eine ungekürzte Version, die ebenso für Furore sorgte.

Widerstandsbeschreibungen sind häufig meist Überlebensberichte oder aus dem Glashaus skizzierte Welten, die sich der Realität entziehen. Aber die Quangels, die in Wirklichkeit Hampels hießen, sind so echt, so unverblümt, wie die Verkäuferin auf der Straße, die dir direkt ins Gesicht sagt, dass du heute krank aussiehst und besser zum Arzt gehst. Wie damals, als wir in der Schule den Lateinlehrer mobben wollten und kleine Notizzettel mit perfiden Angriffen entwarfen, so ähnlich hoffnungslos geht es in Falladas Roman zu, ging es in er deutschbraunen Wirklichkeit zu Beginn es zweiten Weltkrieges vor; just an dem Tag, an dem Frankreich kapitulierte, geht der Roman mit dem Tod des Sohnes des Ehepaares los.

Fazit:

Fallada war ein Wahnsinniger, ein Alkoholiker, ein Drogenabhängiger, ein Vielschreiber, der es tatsächlich fertig brachte, trotz seiner Sozialkritik in Deutschland während des dritten Reiches zu leben. Im Gefängnis war er schon früher, auch während der Nazizeit kurz, doch immer wieder stand er auf. Jeder stirbt für sich allein schrieb er in einer Entzugsanstalt in, Achtung!, einem Monat runter: Cold-Turkey-Kreativität, um dennoch oder gerade deshalb drei Monate später an Herzversagen zu sterben. Ein kreativer Irrer, der dem Rausch aus den bürgerlichen Alltagsschrecken entfloh und der zumindest die göttliche Fähigkeit besaß, diese eigene Schwäche wie kein zweiter in die Wirklichkeit seiner Bücher einfließen zu lassen. Ganz stark und das Hörbuch erfüllt darüber hinaus alle Anforderungen. Antibürgerliche und(!) bürgerliche Pflicht!

Autorwertung

Spannung
ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
Lesbarkeit
ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
Booklet
ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
Geschichte
ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
Dramatik
ein Buchein Buchein Buchein Buchein Buch
Gesamt
ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch

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Paul Celan: Mohn und Gedächtnis

: Mohn und Gedächtnis Vorstufen Textgenese Endfassung

Eine Einführung

Paul Celan gilt als einer der bedeutendsten Autoren der hermetischen Lyrik. Sein Gedichtband  “Mohn und Gedächtnis” erschien 1952 erstmals in der Deutschen Verlags-Anstalt und ist nach Angaben der Sekundärliteratur ein berühmtes Beispiel dieser Literaturgattung.

Über den Autoren

Celan wurde am 23. November 1920 in Czernowitz (damals Rumänien, heute Ukraine) geboren. Sein Geburtsname lautet Antschel, rumänisiert Ancel, woraus das Anagram Celan entstand. Er ist Sohn einer deutschsprachigen jüdischen Familie. Nach seinem Abitur 1938 studierte er zunächst Medizin, dann Romanistik. Im Zweiten Weltkrieg kamen seine Eltern in einem Konzentrationslager in Transnistrien ums Leben, Paul mußte in rumänischen Arbeitslagern Zwangsarbeit im südmoldaischen Straßenbau leisten.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Celan zunächst weiter, nur um später dann als Lektor und Übersetzer zu arbeiten. 1947 floh er über Ungarn nach Wien. 1948 kam er nach Paris. Trotz seiner Liebesaffäre mit Ingeborg Bachmann heiratete er 1951 Gisele Lestrange, mit der er 1955 einen Sohn hat. Neben seinem literarischen Werk ist noch die Goll-Affäre, bei der es um Plagiatsvorwürfe. Der 20. April 1970 gilt als der Tag seines Selbstmordes.

Die Todesfuge

Die Todesfuge, Celans berühmtes Gedicht, thematisiert mit lyrischen Mitteln die Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten. Die deutschsprachige Fassung wurde 1948 erstmals veröffentlicht. Ihr mehrstimmiger Aufbau, der an eine musikalische Fuge erinnert sowie Benutzung paradoxer Chiffren, die die historischen Ereignisse andeuten, ohne sie zu benennen, sind Charakteristika des Textes.

Daß die Todesfuge auch heute noch bedeutsam ist, zeigt beispielsweise der Eintrag in der Internetenzyklopädie Wikipedia, wo es mit Stand vom 16. Februar 2012 unter dem Stichwort “Todesfuge” einen sehr umfangreichen Eintrag zu Form, Interpretation, Entstehungsgeschichte, Einflüsse, Adaptionen und Rezeption gibt.

Zum vorliegenden Buch

Die Todesfuge ist nur ein Werk, das in dem vorliegenden Buch enthalten ist. Gedichte wie Corona gelten als an Ingeborg Bachmann gerichtet.

Die hier besprochene Tübinger Ausgabe des Werkes von Paul Celan ist literaturwissenschaftlich orientiert. So bietet sie beispielsweise Informationen zur Entstehung der jeweiligen Gedichte. So wird etwa durch die Gegenüberstellung von Frühformen und Endfassung gezeigt, wie sich ein Gedicht während des literarischen Schaffens verändert. Die Endfassung gibt es dabei immer auf der Seite mit den ungeraden Ziffern.

Im Anhang werden Originalquellen abgedruckt und weitere literaturwissenschaftlich interessante Daten abgedruckt.

Die Intention, die Zielrichtung des Buches ist eindeutig. Hier wird ein wissenschaftlich vorgebildetes und vor allem an wissenschaftliches Arbeiten gewohntes Publikum angesprochen. Welcher Lyrikliebhaber ist schon daran interessiert, wie ein Text entsteht?

Schon beim Überfliegen und Querlesen wird schnell deutlich, daß es sich hier um schwere geistige Kost handelt, die der Interpretation bedarf. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Verständnis aber ohne biographische Angaben zu Celan gelingt. Wer diese Art von Literatur nicht gewöhnt ist, wird auch nur schwer einen Zugang dazu finden. Allein schon Satzbau und Wortwahl weichen zu sehr von der üblichen Lyrik ab, als daß sie eindeutig wäre. Für den Studienanfänger, für den Schüler, für den interessierten Laien fehlen einfach zu viele Informationen (die möglicherweise heute schon im Internet greifbar sind), als daß die Texte aus dem Buch heraus verständlich wären.

Ein Fazit

Das Fazit ist hier schnell geschrieben. Das Buch wendet sich an Celan-Fachleute, die sich gut mit seinem Werk auskennen. Für den normalen Literatur- und Lyrik-Liebhaber ist es einfach zu speziell.

Autorwertung

Systematik
ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
Lesbarkeit
ein Buchein Buchhalbes Buchkein Buchkein Buch
Nutzen
ein Buchein Buchhalbes Buchkein Buchkein Buch
Anspruch
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Gesamt
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Jean Bodin: Über den Staat

Jean Bodin: Über den Staat

Das Buch wurde im Jahre 1572 als Original unter dem Titel “Sechs Bücher über den Staat” veröffentlicht. Nach Aussage der Inhaltsangabe auf dem hinteren Buchdeckel gehört das (komplette) Buch “zu den klassischen Werken der politischen Wissenschaft. Sie befassen sich mit allen Bereichen des staatlichen Lebens, das ohne souveräne Gewalt nicht denkbar ist”. Das Buch gilt als früher Fürsprecher des Absolutismus. Das Buch gehört zu Reclams Universal-Bibliothek und trägt dort die Nummer 9812.

Das Buch

Wie die Inhaltsangabe richtig bemerkt, legt der Verlag hier eine gekürzte Fassung vor. Überschriften wie “Über die Staatsformen”, “Über die legitime Monarchie”, “Über die tyrannische Monarchie”, “Vom Finanzwesen”, “Über die Aristokratie” und “Über Entstehung, Aufstieg und Blüte sowie Verfall und Zusammenbruch von Staaten” zeigen, daß hier die politisch-staatswissenschaftlichen Gesichtspunkte bevorzugt ausgewählt wurden. Wirft der Leser einen Blick in das Buch, wird er schnell feststellen, daß selbst die ausgewählten Texte noch einmal verkürzt wiedergegeben werden.

Wer den kompletten Bodin`schen Text kennenlernen möchte, sei an die Internetenzyklopädie Wikipedia. Unter der Überschrift “Sechs Bücher über den Staat” wird mit Stand vom 15.2.2012 eine gute, ausführliche, gründliche und dank ihrer populärwissenschaftlichen Herangehensweise auch leicht verständliche Inhaltsangabe abgeliefert.

Die Textauswahl macht den Hauptteil des Buches aus. In einem knapp zweiseitigen Kapitel beschreibt Gottfried Niedhart, der für Auswahl, Übersetzung und Nachwort verantwortlich ist, dann, nach welchen Kriterien das Buch zusammengestellt wurde. Das Nachwort liefert Hintergrundinformationen zu dem Autoren und seinem Werk. Abgerundet wird wird das Nachwort durch eine Einführung in die Bodin`sche Staatslehre.

Über den Autoren

Jean Bodin wurde 1529 / 1530 in Angers geboren. Er stammt aus bürgerlichen Verhältnissen mit bescheidenem Wohlstand. Sein Vater war vermutlich ein Schneidermeister. Nach seiner Schulausbildung wurde er Novize am örtlichen Karmeliterkloster, ging aber 1549 nach Paris, ohne Priester geworden zu sein. In der Hauptstadt studierte er sowohl an der Universität wie auch am humanistisch orientierten College des trois langues. In den 1550er Jahren war er dan an der Universität Toulouse, wo er römisches Recht studierte und unterrichtete. Ab 1561 war er als Anwalt in Paris zugelassen. Seine publizistische-wissenschaftliche Karriere begann er 1566. Insbesondere in den 1570er / 1580er Jahren hatte er immer wieder Kontakt zur Politik. So war er beispielsweise 1576 Delegierter des Dritten Standes auf der Ständeversammlung von Blois. Bodin starb 1596 an der Pest.

Eine Einordnung

Wie dick wäre das Reclam-Heft wohl ausgefallen, wenn Niedhart das gesamte Buch ins Deutsche übersetzt hätte? Ich habe keine genaue Vorstellung davon. Deshalb ist es für mich persönlich auch so schwierig, Bodin und sein Werk einzuordnen. Ist er nur zeitgeschichtlich interessant? Inwieweit kann man seine Gedanken auch auf heutige Verhältnisse übertragen?

Ich bin mir nicht sicher, wie geschickt die Herangehensweise des Verlages ist. Das vorliegende Buch gilt als das wichtigste Werk Bodins, der wiederum als der erste französische Staatstheoretiker von Rang gilt. Da Bodin der Familie einen bedeutenden Rang gibt, wäre es schon sinnvoll, dies Textpassagen beizufügen. In der vorliegenden Form macht da sBuch einen inhaltlich unvollständigen Eindruck. Was irgendwie bedauerlich ist. Wer bedeutend ist, soll auch den ihm gebührenden Rang in der akademischen Welt erhalten.

Ein Fazit

Das Buch ist ein wenig unbefriedigend. In der Welt der Staatstheoretiker, Politikwissenschaftler und Historiker dürften seine literarischen Hinterlassenschaften bedeutsam sein. Da hätte der Verlag schon eine genauere und trotzdem auch für den Laien verständlichere Auseinandersetzung mit Bodin – auc hwas die Textzusammenstellung anbelangt – gut zu Gesicht gestanden.

Autorwertung

Systematik
ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
Ausstattung
ein Buchein Buchein Buchhalbes Buchkein Buch
Übersetzungsqualität
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Nutzen
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Gesamt
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John Locke: Über die Regierung

: Über die Regierung

Dieses Buch ist 1974 im Philipp Reclam jun. Verlag aus Stuttgart erschienen. Es gehört zu Reclams-Universal-Bibliothek und trägt dort die Nummer 9691.

Das Buch

Das Buch Two Treaties of Government, wie das englischsprachige Original heißt, wurde 1689 anonym von John Locke veröffentlicht. Es ist ein Werk der politischen Philosophie. Der zweite Teil der Abhandlung wird in der Sekundärliteratur als “Manifest für die liberale Demokratie und den Kapitalismus” angesehen.

Gehört der vorliegende Text zu den “Zwei Abhandlungen über die Regierung”? Bekommen wir als Leser hier vielleicht nur die zweite Abhandlung als Einzeltext präsentiert? Die Frage läßt sich nicht so einfach beantworten. Es ist nämlich nicht sofort ersichtlich, ob eventuell ein Teil des Originals weggelassen wurde und warum dies geschah.

Das Buch

Zuerst gibt es den umfangreichen historischen politikwissenschaftlichen Text. Auf 2 Seiten äußert sich dann Dorothee Tidow “Zur Übersetzung”. Hier wird dann ersichtlich, daß es sich beim dem Reclamheft nur um die zweite Abhandlung handelt. Tidow beschreibt nicht, wie eine Übersetzung bewerkstelligt wird, sondern eher, welche unterschiedliche Übersetzungen die beiden Abhandlungen es im deutschen Sprachraum bislang gab.
Peter Cornelius Mayer-Tasch liefert in seinem Nachwort (einschließlich der dazugehörigen Anmerkungen) eine doch sehr umfangreiche Einordnung des Textes. Dies geschieht auf einem politischen, literaturgeschichtlichen, geistesgeschichtlichen und allgemein geschichtswissenschaftlichem Niveau, das schnell verdeutlicht, daß hier Fachleute angesprochen werden. Wer sich nicht mindestens in englischer Nationalgeschichte auskennt, ist sowohl bei dem Nachwort wie auch dem Reclamhef schnell verloren.

Nach Lockes Biographie folgt das Literaturverzeichnis.

Ausgehend von der Einsicht, daß alte Texte – hinsichtlich Wortwahl, Grammatik und Rechtschreibung – doch für heutige Leser ungewohnt und schwierig sind, kann die Übersetzung von Lockes Text durchaus als gelungen bezeichnet werden.

Ein(e) Locke

John Locke wird am 29. August 1632 geboren. Sein Vater ist Gerichtsberater in Wrington (Somerset). John Locke wird 1647 in die Westminster School aufgenommen. Sie steht unter der Leitung eines Royalisten und gilt als eine der angesehensten Schulen ihrer Zeit.

Thomas Hobbes veröffentlicht 1651 den Leviathan, sein politisches Hauptwerk. Ob und inwieweit Locke davon beeinflußt wird, können Literaturwissenschaftler, Historiker und Politikwissenschaftler besser beurteilen als ich. FOlgt man der in diesem Buch enthaltenen Biographie, gibt es diesen Einfluß durchaus.

1652 wechselt Locke an das hochangesehene Christ Church College, wo er 1656 den Baccalaureus Artium als akademischen Grad erwirbt. Studierte er bislang Fäche wie klassische Sprachen, Metaphysik und Logik, wendet er sich nun den Naturwissenschaften, bevorzugt der Medizin, zu.

Im Jahre 1658 erwirbt Locke den akademischen Grad eines Magister Artium. Als “Senior Student” wir er im selben Jahr Mitglied des Lehrkörpers von Christ Church, eine Stellung, die er bis zum Jahre 1684 halten kann; “in Abwesenheit und auf ausdrückliche Anordnung des Königs” wird er 1684 aus seinem Amt entfernt, wie es in der Sekundärliteratur heißt. Seit 1661 tritt Locke, der im folgenden Jahr Dozent für Rhetorik und Philosophie wird, immer wieder mit Veröffentlichungen in Erscheinung. 1666 triff John Locke erstmals Anthony Ashley Cooper, Earl of Shaftesbury, der sein politisches Denken und seine politische Karriere beeinflußt und fördert. So ist es auch kein Wunder, daß Locke 1672 “Secretary of Presentation” und damit in der Regierung für kirchliche Fragen zuständig wird.

Der nächste Karriereschritt folgt dann im folgenden Jahr, also 1673, also Locke Sekretär des Rates für Handelsfragen wird. Auch wenn er auch weiterhin literarisch aktiv ist, nimmt die politische Karriere 1683 ein jähes Ende. Shaftesbury ist in eine Rebellion verwickelt, die Karl II vertreiben und seinen illegitimen Sohn auf den Thron bringen soll; als Shatesbury nach Holland flieht, folgt ihm Locke für kurze Zeit ins Exil. Locke stirbt am 28. Oktober 1704 in Masham.

Natürlich ließe sich noch viel mehr aus dem interessanten Leben erzählen. Diese Informationsflut würde hier aber zu weit führen. Interessant ist hier schon die Erkenntnis, daß sich bei Locke theoretische Grundlagenarbeit und praktische Erfahrung in der täglichen Arbeit miteinander verbinden. Ob es sich ein Politiker von heute erlauben kann, seine Arbeit literarisch zu reflektieren, wenn nicht sogar moralische, philosophische und politikwissenschaftliche Grundsätze aufzustellen?

Eine Beurteilung

Die Zielsetzung des Buches ist eindeutig. Es wendet sich an ein wissenschaftlich interessiertes Publikum, das wissenschaftliches Arbeiten gewohnt ist.

Nur zum Vergleich: Wikipedia heißte eine populärwissenschaftlich orientierte Internerenzyklopädie. Der dortige Beitrag “Zwei Abhandlungen über die Freiheit” würde nur etwa 1 Seite im Reclam-Heft ausmachen und damit formal und inhaltlich nur einen Bruchteil der dortigen Erläuterungen ausmachen. Nimmt man die qualitativen Unterschiede hinzu, ist der Reclam-Text wesentlich anspruchsvoller.

Bei der Biographie sieht es dagegen ganz anders aus. Reclam beschränkt sich auf eine tabellarische Übersicht; der 24seitige Wikipedia-Text führt auch umfangreich in sein Denken ein, wobei hier eine Gesamtschau der Locke`schen Veröffentlichungen erfolgt.

Legt man beide Quellen nebeneinander, ergibt sich ein gutes Bild von Buch und Person.

Ein Fazit

Reclam veröffentlicht hier eine historisch wichtige Quelle auf hohem Niveau.

Autorwertung

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