Ein Fahrrad für die Flussgötter: Reportagen aus Afrika von Birgit Virnich
Inhalt
In ihrem Buch „Ein Fahrrad für die Flussgötter“ lässt die langjährige ARD-Korrespondentin Birgit Virnich die Afrikaner selbst zu Wort kommen. Dabei geht es ihr nicht um Klischees und negative Schlagzeilen sondern um Begegnungen mit den Menschen und ihren Schicksalen.
Von Frauenfußball und Elefantenumzügen in Kenya
In Kenya, abseits von Safaris und weißen Sandstränden am Indischen Ozean, lebten jahrelang Kikuyu, Luos und Luya friedlich zusammen, aber nach der Präsidentschaftswahl 2007 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen. Frauen wurden bei ihrer täglichen Hausarbeit von Polizeikugeln getroffen, Männer brutal ermordet. In Kibera, dem „größten Slum Ostafrikas“ wollten die Frauen den Gräueltaten ein Ende setzen und machten sich auf den Weg quer durch die Stadt zur Bezirksverwaltung, um zu demonstrieren. Seitdem treffen sich jeden Samstag die Frauen, diskutieren, besprechen Alltagsprobleme und spielen sogar Fußball zusammen. Sie organisieren sich und helfen einander auch bei finanziellen Problemen. So konnten sie einen Gemüsestand kaufen und kleine Gartenparzellen anlegen. Rund 2 Millionen Kenianer leben in den Slums rund um Nairobi.
Im bekannten kleinen Nationalpark Shimba Hills, unweit der Strände von Mombasa, müssen rund 400 Elefanten umgesiedelt werden. Sie dezimieren die Vegetation derart, dass sie kaum nachwachsen kann. In einem aufwendigen Projekt hat der „Kenya Wildlife Service“ einen „Containerservice“ eingerichtet, so dass ganze Elefantenfamilien in den Tsavo Nationalpark umgesiedelt werden können. Denn wenn ein Familienmitglied fehlt, könnte die Leitkuh wieder den Rückweg antreten.
Von viel Elend und einer Hochzeit in der Sahara
Mit dem Flüchtlingshelfer Emanuel und ihrem Team reist Birgit Virnich in den Norden des Tschad an die Grenze des Sudan. Seit 2003 herrscht Krieg in Darfur und die Flüchtlinge in den Lagern erleiden ein unvorstellbares Schicksal. Für das Öl und die Bodenschätze im Süden des Landes vertreibt die Regierung die Bevölkerung aus ihren Dörfern und Städten. Für die Hilfsorganisationen wird die Arbeit immer schwieriger und komplizierter. Die dramatische Situation dokumentiert die Autorin in dem Beitrag „Schrei in der Wüste“.
Schreie anderer Art erlebt Birgit Virnich in Mali, nämlich Jubelschreie, als sie mit dem Chauffeur Ahmed in seine Heimatstadt Timbuktu fährt, um an einer Tuareg-Hochzeit teilzunehmen. Verwandte aus der Umgebung treffen sich in der Wüste und feiern traditionell mit Kamelrennen und Teezeremonie. „Die Freiheit, einfach irgendwo unter freiem Himmel zu übernachten, gibt es sonst nirgendwo auf der Erde“ meint der Targi Ahmed.
Einfühlsame Reportagen
Neunzehn Reportagen mit einem Vorwort von Anne Will, der Sprecherin der Tagesthemen, die sich ebenfalls für Afrika einsetzt, zeigen den Kontinent abseits der allgemeinen Nachrichten, die oft mit Negativem behaftet sind. Die Geschichten hat Birgit Virnich aus den Ländern Äthiopien, Burkina Faso, Eritrea, Kenya, Kongo, Liberia, Mali, Mauretanien, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sudan, Tschad und Südafrika mitgebracht und sie sind mit Schwarzweiß-Bildern ergänzt. Besonderes Augenmerk lenkt die Autorin mit drei Beiträgen auf den Kongo. Sie beschreibt unter anderem die schwierige Situation von Kindersoldaten, die wieder zu ihren Eltern zurückkehren. Der mächtige Kongofluss verlangt von den Benutzern Opfer für eine gute Fahrt, zuweilen kann es auch ein Fahrrad sein. Für ihren mutigen Journalismus wurde Birgit Virnich mit ihrem Film „Kongofieber – Mythos eines Stroms“ für den Grimme Preis nominiert.
Die Autorin
Birgit Virnich war von 2002 bis 2008 in Nairobi als ARD-Korrespondentin tätig und besuchte rund 40 Länder in Afrika. Sie wurde in Essen geboren, ging in Südafrika zur Schule, studierte Journalismus, Film und internationale Politik in Kanada, den USA und Großbritannien. Sie arbeitet als Autorin und Redakteurin beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) und lebt mit ihrer Familie in Köln.
Fazit
Mit viel Einfühlungsvermögen begegnet die Autorin den Menschen in den bereisten Ländern und nimmt an deren Leben teil. Ein empfehlenswertes Buch mit einem etwas anderen Blick auf Afrika.
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Ein Schwarm Tauben von Ruskin Bond
Inhalt
„Ein Schwarm Tauben“ erzählt eine kurze Geschichte, das Buch hat nur 126 Seiten, wirft aber ein Schlaglicht auf eine vergessene Episode der an Ereignissen so reichen indischen Geschichte. Wir befinden uns in Britisch-Indien 1857. Mutiny – also Meuterei, Sepoy-Aufstand oder der erste indische Unabhängigkeitskrieg, je nach Standpunkt wird dieses wichtige Ereignis der jüngeren indischen Geschichte benannt. Erstmals erhoben sich indische Soldaten gegen ihre britischen Herren, wollten sie aus dem Land vertreiben. Die Briten, bisher von der Loyalität ihrer Untergebenen vollständig überzeugt, hatten gar nicht mit der Möglichkeit einer Meuterei gerechnet.
Die britische Kultur war der indischen, die noch dazu in einander meist feindlich gegenüber stehenden Muslimen und Hindus zerfielen, doch haushoch überlegen. Dass Inder das anders sehen konnten, kam ihnen nicht in den Sinn und so hatten die Aktionen der Aufständischen zuerst überraschenden Erfolg. Engländer, Männer, Frauen und Kinder, wurden getötet, ihre Häuser niedergebrannt. Das traf auch die nicht gerade kleine angloindische Community. In den Anfangsjahren der East India Company hatten sich eine ganze Reihe von englischen Kolonialbeamten in die indische Kultur eingegliedert, Inderinnen geheiratet und Kinder gezeugt. Erst ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts änderte sich das, die Nähe der Kulturen war nicht mehr gewünscht, es entwickelte sich eine Art Apartheid und die große Gruppe Angloinder saß plötzlich zwischen den Stühlen.
So geschah es auch der Familie Labadoor, die jedoch – anders als andere – ihre indischen Wurzeln nicht verleugnete. Das sollte ihnen das Leben retten. Die 14-jährige Ruth Labadoor muss mitansehen, wie ihr Vater nach dem sonntäglichen Gottesdienst erschlagen wird. Ihr gelingt die Flucht zu ihrer Mutter und die beiden Frauen schlüpfen in die Rolle indischer Muslime. Zusammen mit anderen Frauen gelingt es ihnen immer wieder, sich zu verstecken. Als ihre Tarnung auffliegt und sie von einem Pathanen als Geiseln genommen werden, kann die Mutter die Heiratsavancen des Mannes auf ihre Tochter lange genug mit dem Hinweis auf Sitte und islamisches Recht zurückhalten, bis der Aufstand niedergeschlagen ist. Jetzt müssen sie erfahren, dass sie fast die einzigen englischen Überlebenden in ihrer Stadt sind. Mut, Geistesgegenwart, ein umfangreiches Wissen über indisches Leben und viele Freunde haben ihnen das Überleben möglich gemacht. Auch die Ehe als Zweitfrau im Haushalt des gewalttätigen Aufständischen Javed Khan ist der 14-jährigen Ruth erspart geblieben.
Ruskin Bond ist selbst Angloinder und wurde 1934 als Sohn eines schottischen Militärs und einer angloindischen Mutter in einer kleinen nordindischen Garnisonsstadt geboren. Die Ehe der Eltern wird geschieden und der Junge wächst teils in Internaten, teils bei seinen indischen Großeltern auf und sieht seinen Vater nur in den Ferien. Auch nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 bleibt Ruskin Bond in Indien und reist erst nach dem Ende seiner Schulzeit nach England. Hier entstehen seine ersten schriftstellerischen Werke. Mit dem ersten verdienten Geld reist er jedoch zurück nach Indien, wo er heute noch lebt. Seine Romane und Erzählungen sind Klassiker in Indien, die bereits 1975 veröffentlichte Erzählung „Ein Schwarm Tauben“ wurde auch verfilmt.
Fazit
Ein ausführliches Vorwort vermittelt das Vorwissen über die historischen Ereignisse und stellt den Autor ausführlich vor. Dies und ein Glossar gehören zu der gewohnt sorgfältigen Aufbereitung indischer Klassiker und wichtiger Belletristik aus Indien, denen sich der Draupadi Verlag verschrieben hat. Damit werden Lücken in der Rezeption der Weltliteratur in Europa geschlossen, wer sich also für Indien und indische Literatur und Geschichte interessiert, oder überhaupt einen weiteren Blick gewinnen will, wird beim Draupadi-Verlag fündig. Ruskin Bonds „Ein Schwarm Tauben“ ist dabei ein guter Einstieg. Ein flüssig zu lesendes Buch mit einer spannenden Geschichte.
Autorwertung | Übersetzungsqualität | |
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Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen von Mitch Albom
Inhalt
Eddie ist Mechaniker in einem Vergnügungspark am Meer, in dem auch sein Vater schon arbeitete. Sein Job, wie auch sein ganzes Leben, erscheinen ihm bedeutungslos und leer. Durch eine unglückliche Verkettung äußerer Umstände musste Eddie seine Pläne für die Zukunft begraben und in die Fußstapfen seines ungeliebten Vaters treten, seither ist er zuständig für die Wartung und Sicherheit der Fahrgeschäfte. Nach dem Tod seiner über alles geliebten Frau vereinsamt er immer mehr und hadert mit seinem Schicksal.
An seinem 83. Geburtstag kommt es zu einem Unfall im Vergnügungspark, eine Gondel eines Fahrunternehmens stürzt ab und Eddie kommt bei dem Versuch, ein 5-jähriges Mädchen vor der heranstürzenden Gondel zu retten, ums Leben. Doch das Leben nach dem Tod ist so ganz anders, als Eddie es sich – wenn überhaupt – vorgestellt hatte. Fünf Menschen trifft er in fünf verschiedenen Umgebungen. Fünf Szenen seines Lebens erlebt Eddie noch einmal, geführt von fünf Menschen, auf die sein Handeln damals entscheidende Bedeutung hatte.
Eddie, der glaubte, dass sich in seinem Leben eigentlich nichts von wirklicher Bedeutung ereignet hat, muss feststellen, dass er an dem Tod zweier Menschen schuldig ist und er lernt im Nachhinein sein Leben zu verstehen. Einiges wartet da auf ihn, Dinge, die er nun verarbeiten muss, Schuld, die er sich eingestehen und Verzeihung, die er gewähren muss. In jeder der fünf Begegnungen lernt Eddie eine wichtige Lektion. Erst bei der fünften und letzten Begegnung erfährt Eddie, dass er das Mädchen retten konnte und dass genau diese Tat eine wichtige Kompensation für ein einmal begangenes Unrecht war. Und erst nachdem er die fünf Menschen getroffen hat, die im Himmel auf ihn gewartet haben, kann er Ruhe finden, mit seinem Leben ins Reine kommen – aber auch er wird einer von Fünfen sein für andere, die nach ihm kommen werden.
Fazit
In der Rückschau auf ein Leben wird deutlich, dass es ein belangloses Leben gar nicht gibt. Für andere, mit denen man im Leben zu tun hatte, ist man wichtig, wenn auch manchmal ganz anders als man glaubt. Eine beeindruckende Geschichte, die auf gänzlich andere Art die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt. Ein spannendes und unterhaltsames Buch, dass ein scheinbar ereignisloses, langweiliges Leben eines unscheinbaren einfachen Menschen zum Thema hat. Mit sich selbst im Reinen zu sein und sich möglichst schon zu Lebzeiten mit den Mitmenschen auszusöhnen ist die eigentliche Botschaft des Buches. Eine gute Idee, auf deren Durchführung man ja nicht bis nach dem Tod warten muss.
Autorwertung | Romantik | |
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Die Eleganz des Igels von Muriel Barbery
Inhalt
Der zweite Roman der französischen Autorin entpuppte sich 2007 überraschend als Bestseller, wurde mehrfach ausgezeichnet und mittlerweile in 31 Sprachen übersetzt. Der Plot ist ungewöhnlich, er kommt bis fast ganz bis zum Schluss ohne dramatische Wendungen aus und ist trotzdem ein amüsantes und dabei absolut nicht anspruchsloses Lesevergnügen. Renee ist Concierge in der Rue de Grenelle 7. In diesem Haus wohnen Minister, Journalisten und Industrielle, die Wohnungen sind 400 Quadratmeter groß, man hat Katzen als bewegliche Dekorationsgegenstände, wählt sozialistisch und zahlt der Putzfrau acht Euro die Stunde.
Renee durchschaut die Verlogenheit der sogenannten urbanen Elite genau, erkennt Hohlheit hinter der Attitüde und Dummheit und Ignoranz hinter dem Geschwätz. Renee ist 54 Jahre alt, Witwe, seit 27 Jahren Concierge und hat es all die Jahre glänzend verstanden, sich dem Klischee ihres Berufsstandes anzupassen. Sie erscheint faul, hässlich, einsilbig, ungesellig und kratzbürstig wie ein Igel. In Wahrheit hat Renee jedoch ein zweites Leben, sie liest Husserl und Kant, hört Mozart und liebt japanische Filme. Der Fernseher läuft nur, um die erwartete Geräuschkulisse zu liefern, wenn einer der Hausbewohner die Halle betritt. Ihr Kater heißt Leo nach Tolstoi, ihrem erklärten Lieblingsschriftsteller und auch die Autorin spart nicht mit Anspielungen auf den Russen. Neben der intellektuellen Weiterbildung, der sich Renee ganz gezielt unterwirft, widmet sie sich auch dem Beobachten und „Sezieren“ der Hausbewohner, die sich selbst als Elite sehen, dem Anspruch aber so gar nicht gerecht werden.
Auch Paloma, ein 12-jähriges Mädchen aus dem 4. Stock, sieht das so. Für das hochintelligente Mädchen scheint es keine alternative Lebensführung zu geben als die, die alle von ihr erwarten und selbst erfüllen, das, was „im Goldfischglas“ endet. Da sie für sich keine andere Möglichkeit sieht, aber an dem verlogenen Rattenrennen nicht teilnehmen will, beschließt sie, sich an ihrem 13. Geburtstag umzubringen. Bis dahin schreibt sie „tiefgründige Gedanken“ in ihr Tagebuch. Die Fassade der Concierge bekommt Risse, als ein neuer Mieter einzieht. Er ist der erste, der sich Renee genauer ansieht und auch hört, was sie sagt. Und Renee war unvorsichtig, der kultivierte Japaner, der noch dazu den Namen ihres Lieblingsregisseurs trägt, hatte sie verwirrt. Renee wird durchschaut von Mr. Ozu, und dann auch von Paloma. Doch als man sich gerade angenähert hatte, geschieht etwas Unerwartetes.
Die Autorin
Muriel Barbery wurde 1969 in Marokko geboren, wuchs in Frankreich auf und studierte dort Philosophie. Sie arbeitete in der Provinz als Lehrerin, ist Philosophieprofessorin und lebt jetzt in Kyoto, weil der finanzielle Erfolg, besonders ihres zweiten Buches „Die Eleganz des Igels“, es ihr ermöglichte, sich beurlauben zu lassen und nach Japan zu ziehen.
Fazit
„Die Eleganz des Igels“ ist ein amüsanter Roman, die Entlarvung der Hohlheit der Reichen macht Spaß, eine Szene beim Dessouskauf ist fast Slapstick. Die genau beobachteten Charaktere sind lebendig, facettenreich und psychologisch stimmig. Man hat das Gefühl, dass Muriel Barbery beim Entwerfen ihrer Protagonisten genau so viel Freude an ihnen hatte wie der Leser des Romans. Und so ganz nebenbei lernt man eine Menge über Tolstoi, japanisches Kino, Mangas und die Kunst des Haiku. Nicht eben wenig für ein luftigleichtes Sommervergnügen.
Autorwertung | Lesbarkeit | |
Humor | |
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Satire | |
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Die Brillenmacherin von Titus Müller
Die Brillenmacherin
Catherine Rowe ist die Frau eines Brillenmachers, von dem sie viel über sein ungewöhnliches Handwerk gelernt hat. Nach dessen Ermordung steht sie vor den Scherben ihrer Existenz. Plötzlich allein und obdachlos versucht sie, sich ein neues Leben aufzubauen und sich am Mörder ihres geliebten Mannes zu rächen. Naiv aber mutig macht Catherine sich auf den Weg, wird vom Strudel der Ereignisse gepackt und mitgezogen.
Während die Brillenmacherin auf der Suche nach der Wahrheit ist und die Gründe für den Tod ihres Mannes wissen möchte, gerät sie in die Hände des Erzbischofs Courtenay. Dieser ist genauso wie Catherine auf einem Rachefeldzug. Sein Ziel sind die Bedeckten Ritter, eine Gruppe von Ketzern, die es im Namen der katholischen Kirche zu zerschlagen gilt.
Die Bedeckten Ritter
Die Bedeckten Ritter haben ein hehres Vorhaben. Zutiefst überzeugt vom christlichen Glauben, wollen sie die lateinische Bibel für das einfache Volk zugänglich machen und in die englische Sprache übersetzen lassen. Auf ihrer Seite ist ein Professor aus Oxford, Nicholas Hereford, der die schon durch John Wyclif begonnene Bibelübersetzung beenden möchte, dafür aber von der Kirche verfolgt wird und geschützt werden muss.
Die Bedeckten Ritter sind eine kleine Gruppe aus dem Hochadel Englands, die sich den Wyclife-Anhängern, die als Häretiker verfolgt werden, angeschlossen haben und im Verborgen an der Reformation der katholischen Kirche arbeiten. Sie sind das Hauptziel von Erzbischof Courtenay, der nichts unversucht lässt, die Bewegung zu vernichten und alle wieder in den Schoß der Heiligen Kirche zurückzuführen.
Mittendrin in diesem Konflikt zwischen Kirche und Ketzern findet sich Catherine wieder, ohne die Hintergründe zu kennen und ohne zu wissen, was die Wahrheit ist. Ahnungslos wird sie zum Spielball der Parteien und muss dennoch Entscheidungen treffen – Entscheidungen, die über ihr Leben bestimmen. Und dabei wird immer deutlicher: Die Ermordung ihres Mannes steht in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen – dem Glaubenskrieg zwischen Courtenay und den Bedeckten Rittern.
Fazit
Einer der zurzeit typischen Historischen Romane möchte man meinen – mit einer heldenhaften und schönen jungen Frau in der Hauptrolle, die allein gegen einen übermächtigen Gegner ankommen muss. Glücklicherweise hat das Buch doch das Potenzial, sich von der Masse an ähnlichen Büchern abzuheben.
Der Kampf zwischen der Kirche und den als Ketzern verfolgten Anhängern Wyclifs (Lollarden) ist gut recherchiert und überraschend tiefsinnig und detailreich dargestellt. Die Reformbewegung ist wesentlicher Bestandteil des Buches und steht im eigentlichen Mittelpunkt. Sie ist nicht nur Hintergrund, nicht nur Legitimation für eine abenteuerliche und unterhaltende Handlung.
Catherine, die Bedeckten Ritter, Courtenay und alle anderen Figuren sind erfrischend menschlich beschrieben. Es gibt nicht die „Bösen“ und die „Guten“, kein Schwarz-Weiß. Stark und schwach, naiv und klug, loyal und verräterisch, lieben und hassen – jede der Figuren muss mit einer Vielzahl unterschiedlicher Gefühle zurechtkommen, Entscheidungen sind nie einfach und nicht selten falsch.
Das ganz große Plus des Buches ist aber die Sprache. Der Autor versteht es, den Leser mitzureißen und die Handlung genauso wie die Figuren lebendig zu gestalten. Bildlich und trotzdem nicht schnörkelhaft, klar und trotzdem nicht langweilig ist die Erzählweise. Die „Brillenmacherin“ lässt sich angenehm leicht und gleichzeitig genussvoll lesen.
Autorwertung | Spannung | |
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Tags: Aufbau Verlag, Titus Müller Posted in Bücher, Romane | No Comments »
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