Paul Celan: Mohn und Gedächtnis

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Werke. Tübinger Ausgabe

Jürgen Wertheimer (Herausgeber). Suhrkamp Verlag 2004, Taschenbuch, 148 Seiten, € 35,80

Rezension von: AndreasRuedig | Rezensionsdatum:

: Mohn und Gedächtnis Vorstufen Textgenese Endfassung

Eine Einführung

Paul Celan gilt als einer der bedeutendsten Autoren der hermetischen Lyrik. Sein Gedichtband  „Mohn und Gedächtnis“ erschien 1952 erstmals in der Deutschen Verlags-Anstalt und ist nach Angaben der Sekundärliteratur ein berühmtes Beispiel dieser Literaturgattung.

Über den Autoren

Celan wurde am 23. November 1920 in Czernowitz (damals Rumänien, heute Ukraine) geboren. Sein Geburtsname lautet Antschel, rumänisiert Ancel, woraus das Anagram Celan entstand. Er ist Sohn einer deutschsprachigen jüdischen Familie. Nach seinem Abitur 1938 studierte er zunächst Medizin, dann Romanistik. Im Zweiten Weltkrieg kamen seine Eltern in einem Konzentrationslager in Transnistrien ums Leben, Paul mußte in rumänischen Arbeitslagern Zwangsarbeit im südmoldaischen Straßenbau leisten.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Celan zunächst weiter, nur um später dann als Lektor und Übersetzer zu arbeiten. 1947 floh er über Ungarn nach Wien. 1948 kam er nach Paris. Trotz seiner Liebesaffäre mit Ingeborg Bachmann heiratete er 1951 Gisele Lestrange, mit der er 1955 einen Sohn hat. Neben seinem literarischen Werk ist noch die Goll-Affäre, bei der es um Plagiatsvorwürfe. Der 20. April 1970 gilt als der Tag seines Selbstmordes.

Die Todesfuge

Die Todesfuge, Celans berühmtes Gedicht, thematisiert mit lyrischen Mitteln die Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten. Die deutschsprachige Fassung wurde 1948 erstmals veröffentlicht. Ihr mehrstimmiger Aufbau, der an eine musikalische Fuge erinnert sowie Benutzung paradoxer Chiffren, die die historischen Ereignisse andeuten, ohne sie zu benennen, sind Charakteristika des Textes.

Daß die Todesfuge auch heute noch bedeutsam ist, zeigt beispielsweise der Eintrag in der Internetenzyklopädie Wikipedia, wo es mit Stand vom 16. Februar 2012 unter dem Stichwort „Todesfuge“ einen sehr umfangreichen Eintrag zu Form, Interpretation, Entstehungsgeschichte, Einflüsse, Adaptionen und Rezeption gibt.

Zum vorliegenden Buch

Die Todesfuge ist nur ein Werk, das in dem vorliegenden Buch enthalten ist. Gedichte wie Corona gelten als an Ingeborg Bachmann gerichtet.

Die hier besprochene Tübinger Ausgabe des Werkes von Paul Celan ist literaturwissenschaftlich orientiert. So bietet sie beispielsweise Informationen zur Entstehung der jeweiligen Gedichte. So wird etwa durch die Gegenüberstellung von Frühformen und Endfassung gezeigt, wie sich ein Gedicht während des literarischen Schaffens verändert. Die Endfassung gibt es dabei immer auf der Seite mit den ungeraden Ziffern.

Im Anhang werden Originalquellen abgedruckt und weitere literaturwissenschaftlich interessante Daten abgedruckt.

Die Intention, die Zielrichtung des Buches ist eindeutig. Hier wird ein wissenschaftlich vorgebildetes und vor allem an wissenschaftliches Arbeiten gewohntes Publikum angesprochen. Welcher Lyrikliebhaber ist schon daran interessiert, wie ein Text entsteht?

Schon beim Überfliegen und Querlesen wird schnell deutlich, daß es sich hier um schwere geistige Kost handelt, die der Interpretation bedarf. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Verständnis aber ohne biographische Angaben zu Celan gelingt. Wer diese Art von Literatur nicht gewöhnt ist, wird auch nur schwer einen Zugang dazu finden. Allein schon Satzbau und Wortwahl weichen zu sehr von der üblichen Lyrik ab, als daß sie eindeutig wäre. Für den Studienanfänger, für den Schüler, für den interessierten Laien fehlen einfach zu viele Informationen (die möglicherweise heute schon im Internet greifbar sind), als daß die Texte aus dem Buch heraus verständlich wären.

Ein Fazit

Das Fazit ist hier schnell geschrieben. Das Buch wendet sich an Celan-Fachleute, die sich gut mit seinem Werk auskennen. Für den normalen Literatur- und Lyrik-Liebhaber ist es einfach zu speziell.

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