Populärmusik aus Vittula

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Populärmusik aus Vittula

Christel Hildebrandt (Übersetzer). btb 2007, Taschenbuch, 304 Seiten, € 9,99

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Populärmusik aus Vittula

Romane zum Thema Erwachsenwerden sind immer wieder erheiternd. Man vergleicht die eigenen Erinnerungen mit denen anderer, erkennt vieles wieder oder staunt über das, was anders gesehen wurde.

Auch in Populärmusik aus Vittula erkennen die, die in den 60er Jahren jung waren, wo auch immer, eine ganze Menge wieder.

Abgesehen von diesen Gemeinsamkeiten, der Suche nach Abenteuer, Musik und Mädchen zum Beispiel und den Schwierigkeiten, einen eigenen Weg einzuschlagen, ist im ödesten Nordschweden aber doch einiges ganz anders.

Inhalt

Wir befinden uns in Nordschweden, an der finnischen Grenze. Die Landschaft ist karg, rauh und öde. Und als ob das nicht schon reichen würde, sind auch die Menschen karg, stumm, eher verbissen und ganz bestimmt nicht leicht zu nehmen. Man spricht noch viel Finnisch hier und mag nichts, was aus dem Süden kommt: Damit ist Südschweden gemeint, eine verweichlichte Gegend.

Im Norden leben die richtigen Männer, die beim Saufen und beim Saunen an ihre Grenzen gehen, jeder Wikinger würde bei diesen Gelagen erblassen. Nur nicht weibisch sein, heißt die Devise. Hier wächst Matti auf, hier findet er seinen besten Freund Niila. Niila stammt aus einer strenggläubigen Laestadianer-Familie, fromm, jeder Freude abhold und kinderreich. Und schlagkräftig.

In 20 Episoden erzählt Niemi vom Aufwachsen in Vittula, das eher erträglich wird, als die beiden die Musik entdecken. Die Beatles in Nordschweden! Begeistert grölen die beiden die Songs mit, ohne vom Englischen auch nur ein Wort zu verstehen. Eine eigene Band – das wird ihr Lebenstraum. Bei der Verwirklichung helfen Greger, ein neuer Musiklehrer aus dem Süden (siehe oben) und eine Rattenvernichtungsaktion, die Matti das nötige Geld für eine Elektrogitarre einbringen soll.

Zwar muss da der halbe Wald und das Romanmanuskript eines Deutschen dran glauben, wie auch beinahe der Mageninhalt der Rezensentin, aber Opfer müssen eben gebracht werden.

„Rock‘ n ‚Roll I gave you all the best years of my life“ – Matti tut das, mehr noch Niila, denn Gegenwind gibt es viel in einer Gegend, wo keiner weiß, wozu Musik denn eigentlich gut sein soll, da sie doch nichts bringe.

Auch vor dem Lesen wird gewarnt, viele Leser landen schließlich im Irrenhaus, sagt Mattis Vater, besonders die Leser von Romanen. Trotzdem wäre es sehr schade, wenn man aus Angst um seinen Geisteszustand dieses Buch nicht lesen würde.

Denn dann würde man nicht erfahren, wie gut es ist, wenn man Esperanto im Radio lernt, dass man Frauen am besten nach der Breite ihres Hinterteils einschätzt und warum der Jagdverein und der Heimatverein sich nicht leiden können. Und man würde nicht so herzerfrischend lachen müssen.

Fazit

In Schweden war dieses Buch wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerliste. Wenn man es gelesen hat, weiß man warum! Undedingt lesen! Und erst der Schluß, anrührend poetisch.

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