Rezension.org - "Wilddiebe und Kritiker kennen keine Schonzeit"
rezensionen

‘Gesundheit’

Der Säure – Basen – Haushalt

Der Säure – Basen – Haushalt. Gesund durch Entsäuerung von Dr. med. Michael Worlitschek

“Sauer macht lustig” – ein Spruch, der schnell von den Lippen geht, aber grundlegend falsch ist. Richtiger wäre “sauer macht krank”. In seinem sehr kompakten und in leicht verständlichen Worten verfassten Patientenratgeber über den Säure – Basen – Haushalt erklärt der bayrische Allgemeinmediziner  Dr. med. Michael Worlitschek, warum. Ein übersäuerter Organismus äußert sich in vielerlei Hinsicht, beginnend mit unangenehmen kosmetischen Nebeneffekten und leichtem körperlichen Unwohlsein, kann aber, wenn es zum Dauerzustand wird, erhebliche Auswirkungen haben und vor allem den Heilungsprozess erheblich stören, wenn nicht verhindern.

Ein Spaziergang durch den menschlichen Körper

Um etwas zu verändern, muss man als erstes verstehen, wie der eigene Körper funktioniert. Hier bietet Worlitschek einen kurz gefassten, aber umfassenden Einblick in die ablaufenden biochemischen Vorgänge, sodass die Basis zum Verständnis der Problematik geschaffen wird, erklärt zuerst was “sauer” bedeutet, geht auf die Verdauung und vor allem auch auf die Wechselwirkung zwischen Säuren und Basen im Körper ein. Daraus ergibt sich dann ein logisches Gerüst aus Zusammenhängen, das keinen Zweifel an der Notwendigkeit eines Ausgleichs lässt.

Krank durch Übersäuerung

Ein großer Teil des Buches bezieht sich auf spezielle Krankheiten, die in den Fokus genommen werden. Unterlegt wird dies dann noch einmal mit Patientenbeispielen aus seiner Praxis. So reicht das Spektrum von Erkrankungen des Magen – Darm – Bereiches, der Haut, des Bewegungsapparates, ebenso Kinderkrankheiten und psychische – , sowie Nervenkrankheiten über Schwangerschaftsbeschwerden, Herz – Kreislauf – Erkrankungen, bis hin zu Ohrgeräuschen,  Nierenleiden und Krebs. Abschließend widmet der Autor sich noch in einem kleinen Exkurs der Amalgam – Problematik.

Gesund durch Entsäuerung

Dieser Abschnitt stellt für den nun gut informierten Leser und Patienten eine ausgesprochen nützliche Hilfestellung für den Einbezug in das alltägliche Leben dar. Die Theorie kann mit diesen Ratschlägen ganz einfach, mit ein wenig gutem Willen und Aufwand in die Tat umgesetzt werden und sukzessive in die tägliche Körperpflege eingebunden werden. Dabei muss jedoch an diesem Punkt erwähnt werden, dass das vorliegende Buch nur einen Über – bzw. Einblick in dieses breit gefächerte Gebiet gibt. Wer sich diesem Thema intensiver widmen möchte, dem stellt Worlitschek eine gute Liste von anderen, ergänzenden Autoren zur Verfügung.

Die Umstellung beginnt logischerweise mit einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten. Dies ist der eigentliche Hauptaspekt, der erst einmal erreicht werden muss.  Im Anschluss daran empfiehlt der Arzt eine Fastenkur, die die zuvor durch Ernährungsfehler und ungesunde Lebensgewohnheiten erworbenen Gifte im Körper löst und die dann ausgleitet werden können. Um diesen Vorgang zu unterstützen beschreibt das Buch noch einige Maßnahmen, wie z. B. Wasseranwendungen nach Sebastian Kneipp, Massagetherapien oder die bekannte Brottrunk – Kur. In diesem Rahmen wird auch das Thema Nahrungsergänzung beleuchtet.

Fazit

Dieses Büchlein ist ein absoluter Gewinn für jeden, der etwas für seinen Körper tun möchte, der eventuell chronisch krank oder immun-schwach ist oder eben die Notbremse ziehen möchte, bevor er krank wird. Dabei sollte dieser Patientenratgeber als Einstieg gesehen werden. Hier und da gibt es natürlich Dinge, auf die nicht genauer eingegangen werden kann. Doch kann man mit dem vorliegenden Umfang schon große Veränderungen hin zum Positiven bei sich selbst bewirken. Als besonders vorteilhaft empfinde ich die einprägsame Aufarbeitung, wobei wichtiges noch einmal am Schluss in den “Merkblättern” zusammengefasst wird.

Rolfing. Wie Sie Ihren Körper ins Lot bringen.

Rolfing. Wie Sie Ihren Körper ins Lot bringen. Von Peter Schwind

Als Student wohnte der Autor Peter Schwind bei einer älteren Dame in Südfrankreich, die mit ihren Händen wahre Wunder vollbringen konnte. Nicht nur, dass sie ihr Können an dem hüftleidenden Postboten des Ortes unter Beweis stellte, der nach ihrer Behandlung für den Postdienst wieder voll einsatzbereit war. Sie half auch Peter Schwind, dessen Ellbogen ihm beim Violinespiel zu schaffen machte. Um welche (Wunder-)Methode handelt es sich?

Peter Schwind gibt die Erklärung Jahre später mit diesem Buch: Rolfing. Natürlich wusste die französische Dame nichts von Rolfing – dennoch beruhte ihr Sachverstand auf Prinzipien, die heute dem Rolfing zugerechnet werden.

Was ist Rolfing?
Ida P. Rolf, die Begründerin der Methode erkannte, dass es neben Knochen, Muskeln und Bändern auch zwei Bindegewebsschichten gibt, die für das Spannungssystem unseres Bewegungsapparats verantwortlich sind. Auf diese formgebenden Gewebsschichten kann manuell so eingewirkt werden, dass alte stress- oder verletzungsbedingte Haltungsmuster aufgebrochen werden, was auch unmittelbare Auswirkung auf die Spannung der darunterliegenden Muskulatur hat. Ida Rolf sah das Zusammenspiel aller Körperpartien und entwickelte ein Rolfing-Gesamtkonzept, wie es heute vielerorts angewandt wird.

Grundlagenteil I: 10 Sitzungen
Peter Schwind beschreibt im ersten Grundlagenteil jede Sitzung ausführlich.
Bei der ersten Sitzung werden vor allem die Oberflächenfaszien direkt unter der Fettschicht des gesamten Körpers behandelt. Diese Sitzung soll das Atmungsmuster aufbrechen. Die zweite Sitzung konzentriert sich auf Füße und Beine, während die dritte auf Harmonisierung von Vorder- und Rückseite des Körpers zielt. Die vierte Rolfing-Sitzung thematisiert das Zusammenspiel zwischen Beinen und Rücken, wobei der Beckenregion eine große Bedeutung zukommt. Während die fünfte Sitzung sich noch intensiver mit Becken- und Bauchraum beschäftigt, ist die sechste Sitzung schwerpunktmäßig auf Beinrückseite, Kreuzbein und Steißbein gerichtet. Die siebte Sitzung widmet sich den Halswirbeln, dem Nacken, sowie dem Kiefergelenk. Die achte und neunte Sitzung behandeln die Koordination von Becken- und Schultergürtel. Bei der abschließenden zehnten Sitzung wird intensiv auf die Aufrichtung der Körperstruktur und die Orientierung des Patienten eingegangen.

Der Autor weist darauf hin, dass es trotz des integrativen Konzepts in Einzelfällen auch sinnvoll sein kann, von der Sitzungsserie abzuweichen und eine Behandlung anzubieten, die hauptsächlich auf die vorliegenden Beschwerden fokussiert ist.

Grundlagenteil II
Der Autor beschreibt einzelne Fallgeschichten aus seiner Rolfer-Praxis und stellt dem Leser eine Art Behandlungskatalog für einzelne, häufig vorkommende Beschwerdebilder vor, z.B. die Behandlung von Ischialgien, Bandscheibenprobleme, Spannungskopfschmerzen oder Schleudertraumata.

Übungsteil
Im Übungsteil präsentiert Hubert Godard, Tanzpädagoge, Bewegungsanaytiker und ebenfalls Rolfer, ein Kapitel zur Selbsthilfe.

Fazit

Insgesamt bietet das Buch einen guten Überblick über die Rolfing-Therapie, vor allem was den Erstkontakt mit dem Thema angeht. Auch empfehlenwert für Personen, die eine Behandlung in Erwägung ziehen. Das Buch ist einfach geschrieben und verzichtet auf hochtrabende medizinische Exkurse. Weniger geeignet ist das Buch jedoch für  Personen, die bereits mit dem Konzept vertraut sind und nun tiefer in die Praxis einsteigen wollen. Trotz einiger Selbsthilfe-Anleitungen leistet das Buch nicht wirklich das, was es im Vorfeld an Praxis-Übungen verspricht.

Muskeltraining für Frauen

Muskeltraining für Frauen – Das sanfte Workout für den ganzen Körper

Inhalt:

Einleitung – 3 Minuten
Infoteil – 8 Minuten
Programm komplett – 66 Minuten
Mobilisierungspart “Mobil” – 15 Minuten

1. Nackenstretch
2. Wirbelsäulenstretch
3. Armrotation
4. Leistenpresse
5. Vorwärtspunch
6. Armlift
7. Armschwinger
Kräftigungspart “Basics – 31. Minuten
8. Brustschwimmen
9. Rumpfbeugesitz
10. Brustpressen
11. Flankendehnung
12. Kombiniertes Beinheben
13. Vorwärts- und Rückenstretch
14. Vorwärtsbeuge
15. Seitenstretch
16. Gestrecktes Beinheben
17. Gebeugtes Beinheben
18. Beinkreuzer
19. Beckenlift
20. Power – Crunch
Advanced – Part “Plus – 8 Minuten
21. Beinöffner
22. Überroller
23. Brücke
24. Schulterstand
Tiefenentspannung  - 12. Minuten

Wellness – DVD  2. Minuten

Credits – 1. Minute

Features:
- extra Infoteil
- zusätzliche Tiefenentspannung
- Programm mit oder ohne Anleitung wählbar
- verschiedene Trainingsprogramme Mobil/Basic/Plus etc.

DVD/Fazit:

Das Frauen ihren Körper anders trainieren müssen als Männer, ist klar. Viele Programme sind aber leider nicht auf die speziellen Ansprüche der Frauen ausgerichtet. Mit “Muskeltraining für Frauen – das sanfte Workout für den ganzen Körper” wurde die erste DVD auf den Markt gebracht. die wirklich auf den weiblichen Körper ausgerichtet ist.

Diese DVD regt zu einem täglichen und vor allem schonenden Training an, nicht nur bestimmte Teile des Körpers werden trainiert, der ganze Körper wird mit dem Trainingsprogramm auf gesunde Art in Form gebracht.

Der Vorteil gegenüber anderen Sport-DVD´s liegt klar auf der Hand:  Eine ECHTE Frau und keine spindeldürre Trainerin in Neon-Leggings führt durch das Programm, so wird die ganze Trainingseinheit um Längen glaubhafter. Alle Übungen werden im Vorfeld genau erklärt, sogar das Ein- und Ausatmen ist hörbar.

Muskeltraining für Frauen – Das sanfte Workout für den ganzen Körper ist die optimale Ergänzung zu einem Ausdauerprogramm. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es wirklich hält, was es verspricht und sich die gewünschten Resultate in kurzer Zeit einstellen. Der Besuch in einem Fitnessstudio wird dank dieser DVD überflüssig.

Aber nicht nur die Muskeln werden aktiviert, ein gesundes Training hat viele Vorteile; die Gelenke werden stabiler, die Körperhaltung verbessert sich automatisch, der Hormonspiegel wird auf natürliche Art geregelt und die Figur wird schlanker und fester.

Fazit

Wer auf der Suche nach einem schonenden und effektiven Workout ist, wird mit dieser DVD voll und ganz zufrieden sein. Um das Ergebnis zu optimieren, muss ein Ausdauertraining absolviert werden. Am besten eignet es sich, vor Muskeltraining für Frauen – das sanfte Workout für den ganzen Körper, mindestens eine halbe Stunde zu joggen, Radfahren, oder einen Crosstrainer zu verwenden. Dieser fördert im Vorfeld schon den ganzen Körper und entspannt die Muskeln zusätzlich und bereitet sie auf das kommende Muskeltraining optimal vor.

Ernährungstherapie mit chinesischen Kräutern

Mit Hilfe von den Körper fit machen!

mit chinesischen Kräutern“ von ist das umfangreichste Buch über sowie gesundheits-wirksame , was ich die letzten Jahre in der Hand hatte. Im großen und ganzen geht es dem Autor darum, zu vermitteln, dass man mit der täglichen Ernährung viele Gesundheitsbeschwerden regulieren und durch gezielte Kombination von Nahrungsmitteln seinen Körper stabilisieren, entgiften und aufbauen kann.

Selbstverständlich stellt das Buch kein Allheilmittel dar und es soll nicht der Eindruck entstehen, dass vom Arzt verschriebene Medikation abgesetzt bzw. ersetzt werden darf. Auf 403 Seiten findet der Leser für fast alle körperlichen Leiden ein chinesisches Rezept. Aber es geht noch mehr! Wu Yanping erklärt ausführlich und anschaulich, wie und worauf die chinesische Ernährungslehre basiert. Die Grundbausteine dieses Buches sind die 5-Elemente-Lehre sowie die Herstellung und Aufrechterhaltung von Yin und in Balance.

Inhalt

Kapitel 1 bis 2.5 enthält theoretisches Basiswissen, um sich mit der traditionellen chinesischen Medizin vertraut zu machen. Hier kann wirklich jeder Interessierte einfach und anschaulich die Grundlagen verstehen, auf die diese Heilkunst aufbaut. Ab Kapitel 3 bis 3.4 lernen wir, wie wir Krankheiten, Leiden und auch heimliche Beschwerden im Körper erkennen: durch anschauen, hören, abtasten oder riechen. Im nachfolgenden Kapitel erklärt der Autor die einzelnen Eigenschaften von verschiedenen Nahrungsmitteln sowie Heilkräutern.

Hier werden erstmals interessante Aspekte mit aufgegriffen, die wir in ähnlichen Büchern vermissen: Temperatureigenschaften, die 5 Geschmacksrichtungen, Wirkorte, die vier Wirkrichtungen, Aufbau von Körperenergie (tonisieren), Abbau von Übermaß-Zuständen (sedieren). Klingt sehr spannend oder?? Dabei erklärt der Autor sogar, welche Nahrungsmittel nicht miteinander kombiniert werden sollten und welche Nahrungsmittel während Krankheitszuständen „verboten“ sind. Hierbei werden sogar Nahrungsmittel aufgeführt, die Krankheiten auslösen oder sogar verstärken („Fa Wu“).

Wer hier schon in Inhaltsverzeichnis stöbert, heizt in Gedanken seine Hexenküche ein. Dieses Buch ist eine spannende Reise, wo es viel zu entdecken gibt! Aber weiter geht es im Kapitel 5 mit einem wichtigen Aspekt: Zubereitung und Anwendung. Dabei lüftet der Autor die große Frage: wo kann man die Zutaten überhaupt kaufen? Eine sehr wichtige Information, denn schließlich werden hier Zutaten aufgeführt, die der Europäer teilweise nicht mal aussprechen kann. Im Kapitel 6 werden alle möglichen Nahrungsmittel, von Getreide über Obst/Gemüse bis hin zu Fisch und Fleisch mit ihren dazugehörigen Eigenschaften aufgelistet.

Im 6. Kapitel geht es um Kräuter. Ganze 23! Seiten werden hier nur den Kräutern gewidmet. Alle Achtung, das ist klasse. Hier kann der Leser wirklich intensiv mit Kräutern experimentieren. Der Rest vom Buch (ca. 292 Seiten) widmet sich gezielt der symptomatischen Behandlung von verschiedensten Beschwerden, Wehwehchen, Schmerzen und wirklich auch sehr ernsthaften Erkrankungen wie Hepatitis, Herzneurose, Epilepsie oder Hypoglykämie.

Fazit

Das Buch ist eine wahre Schatzkiste. Erstmalig in der Bücherei ausgeliehen, habe ich mir das Buch 7 Tage später bestellt. Ich kann dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen, der sich mit seiner , seinem Körper und seiner Energie bewusst auseinandersetzt. Jeder Zustand, jede Beschwerde hat seine Ursachen begründet in einer teilweise falschen Lebenshaltung. Mit Hilfe dieses Buches leben und erleben sie, wie einfach und hilfreich es sein kann, sich intensiv mit Lebensmitteln zu beschäftigen und sorgsam unsere Nahrung zusammenzustellen.

Du stirbst nicht

Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht

2009 erhielt dieses Buch den Deutschen Buchpreis und den Preis der SWR-Bestenliste. Ein hochgelobtes Buch, rezensiert in jeder größeren, überregionalen Zeitschrift Deutschlands, das sich mit einer Frau beschäftigt, nicht mehr ganz jung, die nach einer Krankheit versucht ins Leben zurück zu finden. Außergewöhnlich in mehr als einer Hinsicht.

Inhalt

Helene Wesendahl, aufgewachsen und sozialisiert in der DDR, verheiratet, zum zweiten Mal, insgesamt fünf Kinder, auch aus seiner früheren Ehe, das jüngste Mädchen fünf Jahre alt, Lottchen, Schriftstellerin, eine Frau des Wortes – alles dies weiß man ja, die Eckdaten eines Lebens. Als Helene erwacht, weiß sie all dies nicht, sie kann sich nicht bewegen, nicht sprechen, nicht erinnern, weiß nicht, was geschehen ist. Nach und nach erfahren wir Leser die Fakten: Ein Aneurysma im Hirn ist geplatzt, Helene liegt im Krankenhaus. Mühsam versucht sie sich zu erinnern, versucht, ihre rechte Hand zu bewegen, zu sprechen.

Vieles geht ihr durch den Kopf, manches entwischt ihr wie ein Rockzipfel, den sie nicht schnell genug fassen kann. Im Krankenhaus und in der Reha kämpft Helene darum, ihr Leben zurück zu gewinnen, sich zu erinnern: Einer ihrer Söhne studiert, wo eigentlich? In Weimar. Und was? Oboe. Ach ja. Lottchen hat sie zuerst vergessen. Ihr lieber Mann, so hilfreich. Dass sie Eheprobleme hatten und Helene mit dem Gedanken spielte auszuziehen – auch das fällt ihr erst nach und nach ein. Der lange, lange Weg der Erinnerung, die Schmerzen der Erinnerung, die verzweifelten Versuche, sich Sprache wieder anzueignen, Maßstäbe wieder zurückzugewinnen, die Kontrolle über die Körperfunktionen zurück zu gewinnen, all das erleben wir hautnah mit. Dabei beschreibt Kathrin Schmidt den Werdegang ihrer Heldin zurück ins Leben ohne jede Larmoyanz, knapp, prosaisch, manchmal mit verstecktem Humor, gerade, wenn wieder etwas nicht klappt oder sich Helene Gedanken macht, wie sie in den Augen der anderen erscheint, wenn sie ohne Grund grinst oder gar – wie ekelhaft – sabbert! Nein, Helene stirbt nicht, aber der Weg zurück zu einer autonomen Person ist nicht leicht, dunkle Keller müssen ausgeleuchtet werden und auch Ärzte und Pflegepersonal sind keineswegs immer hilfreich, ganz im Gegenteil.

Bei ihrem Kampf um Autarkie, Selbstbestimmtheit, muss sie sich auch gegen Ärzte durchsetzen, die über ihren Kopf hinweg bestimmen, was für sie richtig sei und sich nicht die Zeit nehmen, nach der Meinung einer Patientin zu fragen, die sich nur mühsam verständlich machen kann. Helene schreibt schon wieder, mühsam und unsicher, Gedichte auf ihrem Laptop, da meint die versammlte Ärzteschaft, sie unter die Pflegschaft ihres Mannes stellen, sie also quasi entmündigen zu müssen. Sie hatte, unverzeihlich, ihr unnötig erscheinende Medikamente nicht eingenommen.

Fazit

Die Beschreibung der Wiederaneignung des eigenen Lebens ist wunderbar beobachtet, spannend, aufregend, anregend. Nicht so wichtig findet die Rezensentin Teile der Liebesgeschichte mit einer Transsexuellen, die sich der Protagonistin nach und nach erschließen, sie überfrachten den Roman eher. Der Weg zurück ins autonome Leben, die Frage, was einen menschen ausmacht, die gefährdete Beziehung zu ihrem Mann, die mühsame Erinnerungsarbeit trägt den Roman allein genug. Wissen muss man es nicht unbedingt, aber die Autorin selbst hat das Schicksal ihrer Protagonistin geteilt, auch sie erwachte nach einem geplatzten Aneurysma im Krankenhaus und kennt den Prozess der, hier partiellen, Heilung aus eigener Anschauung.

Chinesische Medizin für den Alltag

anstatt Chemiekeule

Das Buch ist unterteilt in die vier Elemente Feuer, Holz, Metall, Erde und Wasser. Es ist genau beschrieben, welcher Charakter welchem Element zugeteilt ist. Zudem geht es um das und – das männliche sowie das weibliche Prinzip, was im Gleichgewicht bleiben muss, damit wir zufrieden und gesund bleiben können. Gerät das oder das Yang aus dem Gleichgewicht, entstehen Mangelerscheinungen und Beschwerden und wir verlieren unsere Balance. Die in diesem Buch der Autorin Christine Li sind in erster Linie Tee oder leckere Getränkemischungen (zum Beispiel Wallnussmilch). Für Kinder findet man hier einen wohltuenden Hustentrank, Tee und andere Mixturen, die unseren Schützlingen gute Hilfe leisten, ohne gleich in den scharfen Medikamantenschrank greifen zu müssen. Außerdem werden auch sehr wichtige und unangenehme Beschwerden angesprochen, mit denen jeder mal zu kämpfen hatte: Blähungen, Durchfall, Erschöpfung, Völlegefühl, Kopfschmerzen, Erkältung sowie Haut- und Haarprobleme.

Was mir weniger gefällt

In dem Abschnitt Wasser findet man überwiegend Rezepte gegen Menstruationsbeschwerden und Ausfluß. Dabei sind es nicht nur Frauen, die dem Element Wasser zugesprochen werden. Das finde ich etwas einseitig. Die , die für die Rezepte benötigt werden, sind auch mehr als exotisch und erfordern in der Tat eine kleine Exkursion in abgelegene Läden seiner Heimatstadt (alternativ kann man selbstverständlich auch eine Menge guter Sachen im Internet bestellen, ist halt nur eine Kostenfrage). So mancher hat wie Bocksdornfrüchte, Semen Ziziphi oder Szechuanpfeffer noch nie gesehen, ausgesprochen und erst recht nicht im Mund gehabt. So gesehen ist das hier kein Buch für Leute, die praktisch veranlagt sind und schnelle Großmutterrezepte bevorzugen, weil die im nächsten Supermarkt greifbar sind.

Fazit

Es ist ein tolles Buch, wenn man mal in die chinesische Heilkunst einsteigen möchte und offen für Neues ist. Es ist definitiv eine Horizonterweiterung und man kann nach sorgfältigem Studieren des Buches auch gut und gerne mal bei Freunden auftrumpfen. An dieser Stelle muss jedoch betont werden: es ist kein Rezeptbuch für Speisen! Wer hier Ente süss-sauer nachkochen möchte, greift zum falschen Buch. Da ich selbst durch 2 Teemischungen bereits Linderung meiner eigenen Beschwerden erfahren habe, kann ich dieses Buch guten Gewissens in mein Regal platzieren. Es ist wirklich sehr schön gegliedert, farblich angenehm abgestimmt, dekoriert mit liebevollen Bildern. Der Inhalt ist was für Individualisten und gute Seelen, die mit der Natur verwachsen sind. Es öffnet uns für das Reichtum unserer und zeigt Wege auf, wie wir uns mit einfachen Getränken wie Tee die erhalten können. Es ist defintiv sehr authentisch und verdient auch den Namen: chinesische Medizin.

Das Augenübungsbuch

Das Augenübungsbuch – Besser sehen ohne Brille
Fehlsichtigkeit ist korrigierbar! – So lautet die These der Autorin. Ob nun kurz- oder weitsichtig, in diesem Buch werden dem Leser viele Übungen präsentiert, mit denen er versuchen kann, auch seine eigene Fehlsichtigkeit zu verbessern. Das Buch verspricht nicht, dass nun jeder, der eine Brille trägt, diese nach konsequentem Durchführen der Übungen nicht mehr benötigt. Aber es soll möglich sein, seine Dioptrienzahl zu verbessern.

Einführungs- und Übungsteil
Nachdem sich die ersten Seiten mit der Anatomie des Auges und des Sehens, was eigentlich eine Leistung unseres Gehirns ist, beschäftigen, folgt der ausführliche Übungsteil. In erster Linie geht es um Übungen, die auch Teil der verschiedensten Entspannungstechniken sind. Übungen, die aus dem Autogenen Training kommen, Klopftechniken, Massagetechniken, Fußreflexzonen, Yoga, andere Körperübungen, Visualisierungen, Fusionsübungen, Nackenentspannung, Phantasiereisen, Atemübungen und noch einiges mehr.

Die Autorin empfiehlt auch wärmstens, ein Augentagebuch zu führen, um eventuelle Fortschritte schriftlich festzuhalten oder um mit der Zeit festzustellen, welche Übungen persönlich am besten gewirkt haben. Das Buch enthält eine Nahkarte und eine Fernkarte, wie man sie von diversen Sehtests bei Augenarzt oder Optiker her kennt.

Fazit
Das Buch ist sehr textlastig und es ist kaum möglich, sich als Anfänger der Materie nur einzelne Kapitel herauszugreifen. Das Buch ist deshalb zumindest für Erstleser darauf angelegt, es komplett durchzuarbeiten, um alle Übungen und Hintergründe für Spannungen und Fehlsichtigkeit kennenzulernen. Das Buch enthält nur wenige Abbildungen, die als Strichzeichung in schwarz-weiß  dargestellt sind und wirkt daher etwas trocken und nicht sehr professionell. Besonders störend fand ich die skizzierten grafischen Darstellungen des anatomischen Auges und der Fußreflexzonen.

Ich persönlich fand es außerdem recht schwierig, sich im Buch zurechtzufinden. Die Kapitelaufteilung ist unübersichtlich und ein Index fehlt ebenfalls. Die Übungen sind sehr ausführlich behandelt und jeder kann eigentlich Übungen finden, die ihm besonders zusagen. Allerdings ist ein gewisses Durchhaltevermögen gefragt. Da ich selbst Brillenträgerin bin, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es möglich ist, mit den Übungen sein Sehvermögen etwas zu verbessern.

Um sich ganz von Kurz- bzw. Weitsichtigkeit zu befreien, braucht es aber entweder noch viel mehr Übung über einen längeren Zeitraum hinweg oder die Dioptrienzahl war von vornherein recht gering. Was mich noch ein wenig störte war der häufige Hinweis, dass sich der Leser auch mit dieser verschwommenen Sicht anfreunden soll, so nach dem Motto “mann solle nicht so perfektionistisch sein”. Wer er danach sucht, was man von der her tun könnte, um seine Sehkraft zu stärken oder wer etwas zu bestimmten Arten von Sehstörungen sucht, wird in diesem Buch nicht so richtig fündig.

Mission Marathon

Mission Marathon – Oder: Wie ich kein Superläufer wurde von

Inhalt
In Mission Marathon schildert Lothar Koopmann, seines Zeichens Leiter des Duisburger Mercator-Verlags, Vorsitzender einer Kleinkunstbühne und bekennender Marathon-Läufer auf recht amüsante und schonungslos offene Weise seine Erfahrungen auf dem Weg vom gelegentlichen Jogger zum begeisterten Marathon-Läufer. Er unterteilt sein Werk dabei in verschiedene kurze Kapitel, die alle manchmal mehr und manchmal weniger mit dem Laufen an sich zu tun haben.

Er beschreibt die Quälereien, die ein Marathon-Läufer auf sich nimmt, um eines Tages sein großes Ziel zu erreichen und ergänzt dies durch humorvolle Beschreibungen der typischen Probleme und Fragen, die einen Läufer beschäftigen – von kleineren und minder schweren Verletzungen über die richtige eines Läufers bis hin zur „Abrechnung“ mit Hundebesitzern, die Läufern im Wald das Leben bzw. das Laufen schwer machen.

Ein Buch mit zahlreichen lustigen Stories über das Laufen, welches insgesamt einige Stunden kurzweiliges Lese-Vergnügen garantiert
Der Autor Lothar Koopmann entstammt einer rheinischen Arbeiterfamilie, und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er in seinem Werk „Mission Marathon – Oder: Wie ich kein Superläufer wurde“ kein Blatt vor den Mund nimmt und seine Erfahrungen großteils im typischen „Ruhrdeutsch-Slang“ zu Papier bringt. Er macht dabei von Anfang an klar, dass seine Motivation, um mit dem Laufen zu beginnen nicht das Ziel war, Bestzeiten zu erreichen, was der Untertitel des Romans noch einmal unterstreicht. Ohne dem Autoren zu Nahe treten zu wollen, dürfte dieser Aspekt aber wohl jedem Leser ohnehin klar sein, welcher sich kurz mit der Biographie des Autoren beschäftigt bzw. beschäftigt hat – denn jemand, der 1952 geboren ist und sich nun im beginnenden 21. Jahrhundert dem Laufen zuwendet, wird es wohl kaum noch zu olympischen Ehren bringen.

Doch dies ist vielleicht gerade auch mit ein Grund dafür, dass „Mission Marathon“ auch von „Fachfremden“ leicht gelesen werden kann, schließlich gibt es genug Leute und Leser, die sich gern sportlich betätigen, der Sportart des Laufens aber so gar nichts abgewinnen können und den Marathon für eine Form der modernen Selbsterniedrigung halten. Nicht selten beschleicht den Leser allerdings der Verdacht, dass auch dem Autoren selbst dieser Gedanke nicht ganz fremd ist, denn besonders die zwischendurch eingestreuten Karikaturen machen immer wieder deutlich, dass die Disziplin des Laufens nun nicht unbedingt in die Kategorie der sogenannten „Fun-Sportarten“ fällt.

„Mission Marathon“ beschreibt somit den Weg eines einst unsportlichen Manns im „fortgeschrittenen“ Alter zum bekennenden Marathon-Läufer, wobei die Beschreibungen der einzelnen Laufstrecken und -arten und die Schilderungen der Vorbereitungen für einen Lauf immer wieder durch kleine Anekdoten aufgelockert werden, in denen etwa der „Marketing-Wahnsinn“ verschiedener Sportartikelhersteller parodiert wird.

Aber auch wenn „Mission Marathon“ insgesamt ein recht amüsantes Werk ist, besitzt das Buch einige Schwächen, die mit Fortschreiten des etwas losen Handlungsverlaufs doch etwas stören und somit ermüdend wirken. Ein Beispiel dafür ist etwa die Formulierung „angetraute Ehefrau“ – der Autor benutzt diese Phrase immer wieder mit scheinbar wachsender Begeisterung, ohne dass hierfür ein wirklicher Grund erkennbar ist – weniger wäre hier mehr gewesen. Auch die angeblich „versehentlich ins Buch hineingeratenen“ Anmerkungen der Redaktion und des Verkaufsleiters des Verlag in Form von Fußnoten, die immer wieder gewissermaßen als „Running Gag“ eingestreut werden, wirken auf Dauer ermüdend, da sie leider meist einen sehr „bemühten“ Eindruck machen.

Fazit
Insgesamt ist „Mission Marathon – Oder: Wie ich kein Superläufer wurde“ ein recht amüsantes Werk, welches sowohl von Läufern als auch von Nicht-Läufern gleichermaßen leicht gelesen werden kann. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei dem Werk um die „nebenbei“ zu Papier gebrachten Erinnerungen und Anekdoten und auch gleichzeitig um das Erstlingswerk eines Hobbyläufers handelt, sind die genannten Schwächen des Buchs auch noch zu verschmerzen. Kein überragendes Werk, als einmalige Lektüre für Marathon-Interessierte, die das Thema selbst nicht allzu ernst nehmen aber zweifelsohne dennoch interessant.

Pflanzen der Kelten

Pflanzen der Kelten: Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender von Wolf-Dieter Storl

Inhalt
Mit „Pflanzen der Kelten: Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender“ bietet der bekannte Kulturanthropologe und Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl einen tiefen Einblick in die Pflanzenmythologie eines Volkes, das fast tausend Jahre lang zu den führenden Völkern in großen Teilen Europas gehörte und dessen Wurzeln unbemerkt noch heute in diversen Aspekten unserer Gegenwart verwoben sind. Gerade unter diesem Gesichtspunkt lässt sich das Buch mit großem Gewinn lesen, wobei man behutsam in Bezug auf Sprache, Bräuche und die damalige Organisation der Gesellschaft der Kelten eingeführt wird, so dass das grob umrissene Bild dazu dient die mythische Verarbeitung der Umwelt nachvollziehen und verstehen zu können.

Heilkunde und Pflanzenzauber
Die Kelten trugen noch das Wissen um die diversen Heilkräfte der Kräuter, Bäume und Sträucher, die grundlegend mit ihrem Dasein in Verbindung standen in sich und nutzten diese für die Heilung von Krankheiten, das Abwenden von Unglück und Schaden, sowie um ihren Göttern zu danken und sie weiterhin milde zu stimmen. Jedoch beschränkt sich Storl nicht auf einen einseitigen Blick, sondern er bezieht die Rolle der Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde mit ein. In dieser Einheit des Buches erfährt man viele interessante botanische Fakten, die aus einer kulturanthropologischen Sicht interpretiert werden, außerdem erhält man einen ausführliche und umfassende Einführung in spezielle Rituale, beispielsweise was die Sammelvorschriften, die richtige Zeit oder den spirituellen und praktischen Umgang mit Heilpflanzen anbelangt. In dieser Hinsicht bietet der Autor auch ein einladendes Angebot an Rezepten für diejenigen, die eigene Erfahrungen zu machen suchen.

Der keltische Jahreskreis und Baumkalender
Wolf-Dieter Storls Expedition in diese allumfassende Lebensweise unserer Ahnen vertieft in diesem Kapitel den Bezug der Menschen zum Kosmos, genauer gesagt die zeitliche Einteilung des Jahres anhand von den Gestirnen und der Vegetation. Beginnend mit einer für das Verständnis notwendigen Einleitung in den mythischen Glauben zeichnet der Autor den Verlauf der Zeit von Feiertag zu Feiertag, zieht im Zuge dessen einen Vergleich zu christlichen Feiertagen und erklärt die jeweiligen Rituale und deren Bedeutung. Resultierend aus diesen Ausführungen werden zwei Modelle eines jahreszeitlichen Medizinrades skizziert. Der keltische Baumkalender wird im folgenden beschrieben, zu jeder Baumart werden Erläuterungen im medizinischen, aber vor allem mythologischen Betrachtungsfeld geliefert, so dass jedem Baum die ihm übertragene Gottheit zugeordnet wird.

Kräuter der Heilung
Nicht zuletzt sind es auch die Wildkräuter, die einen wichtigen Faktor im Leben der Kelten darstellen. So werden auch heute unbeachtete Pflanzen wie die Brennnessel, Efeu oder Nieswurz näher beleuchtet und ihre Verarbeitung in Mythen, Märchen und Sagen erklärt, wodurch man eingeladen wird, seine Umwelt mit offenen Augen zu betrachten.

Fazit
Dieses Buch kann man guten Gewissens selbst lesen oder auch verschenken. Es ist nicht nur interessant für alle Botaniker, Ethnologen und Mediziner, sondern es ist nicht zuletzt auch für jeden geeignet, der sich für die Natur, alte Märchen und Sagen und vor allem für seine eigenen Wurzeln begeistern kann. Durch die verständliche Schreibsprache macht Wolf-Dieter Storl dieses Kleinod für jeden zugänglich, der sich dafür öffnen möchte.

Mein schwarzer Hund

Mein schwarzer Hund: Wie ich meine Depression an die Leine legte von Matthew Johnstone

Inhalt
„Mein schwarzer Hund“ von Matthew Johnstone ist ein kleines Bilderbuch, das sich im Gegensatz zu „klassischen Bilderbüchern“ ausschließlich an Erwachsene richtet. Dabei behandelt das Bilderbuch ein Thema, welches sonst in Bilderbüchern nur selten zur Sprache kommt: Depressionen und den Umgang mit depressiven Menschen. Dabei verzichtet das Buch auf viele Worte, da die Bilder alleine schon für sich selbst sprechen und deutlich zeigen, was eine Depression ausmacht und wie Hilfe für Betroffene aussehen kann. Die Bilder in „Mein schwarzer Hund“ werden von einem ebensolchen schwarzen Hund dominiert, der stellvertretend für die Depression steht.

Zu Beginn des Buches ist dieser Hund noch relativ klein, doch im weiteren Verlauf des Buches wächst der Hund zu übermenschlicher Größe heran. Bildlich verdeutlicht dieses Wachstum des Hundes, was passiert, wenn eine Depression nicht behandelt wird: Die Depression wird von Tag zu Tag schlimmer, die negativen Gedanken häufen sich, bis irgendwann selbst die einfachsten Aufgaben im Alltag zu unlösbaren Herausforderungen werden. Doch dann schrumpft der schwarze Hund auch wieder, die Symptome der Depression klingen also schleichend ab. Das Buch zeigt, dass dies niemals von ganz alleine geschieht, sondern dass eine Heilung der Krankheit immer nur durch die richtige Behandlung möglich ist.

Ein außergewöhnliches Bilderbuch über ein wichtiges und dennoch häufig verdrängtes Thema
Depressionen sind nach wie vor ein Phänomen, welches in der Literatur nur selten zur Sprache gebracht wird. Und in der Gesellschaft sind Depressionen leider immer noch allzu häufig ein Tabuthema. Die Krankheit wird meist totgeschwiegen, oder die von der Krankheit betroffenen Personen werden nicht ernst genommen. Dass dieses „Kleinreden“ der Krankheit genau der falsche Ansatz ist, um die Krankheit zu heilen, zeigt Johnstone in „Mein schwarzer Hund“ immer wieder sehr deutlich.

Er erklärt, warum es für die Betroffenen so wichtig ist, von Ihren Angehörigen und Mitmenschen ernst genommen zu werden und trotz der Krankheit noch als wertvolle Menschen wahrgenommen zu werden. Dafür benötigt Johnstone keine seitenlangen Erklärungen, sondern er beschränkt sich auf einige kurze aber sehr prägnante und stets treffende Erläuterungen, die die Botschaft der Bilder noch einmal unterstreichen.

Dabei ist eine solche Erklärung der Bilder in den meisten Fällen gar nicht unbedingt nötig, denn die Bilder sind durchweg so gut illustriert, dass sie auch allein ausreichen würden, um zu zeigen, was eine Depression ausmacht, was an einer Depression so gefährlich ist, wie Betroffenen geholfen werden kann und welche „gutgemeinten“, aber dennoch falschen Ratschläge und „Tipps“ in jedem Fall vermieden werden sollten.

Fazit
„Mein schwarzer Hund: Wie ich meine Depression an die Leine legte“ ist ein absolut gelungenes Bilderbuch, dem es auf nicht einmal 50 Seiten gelingt, für Laien verständlich darzustellen, was eine Depression ist und wie die Krankheit geheilt werden kann – auch jeder medizinische Laie versteht ganz genau, was die Bilder ausdrücken sollen. Darüber hinaus gelingt Johnstone das seltene Kunststück, gerade da zum Lachen anzuregen, wo es eigentlich nicht angebracht wäre – ohne dabei auch nur einmal in den Bereich von platten Klischees abzugleiten. Kurzum: Ein absolut gelungenes Bilderbuch zu einem gerade heute überaus wichtigen Thema!

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