Rezension.org - "Wilddiebe und Kritiker kennen keine Schonzeit"
rezensionen

‘Fachbücher’

Gewürze, Kräuter & Essenzen

Gewürze, Kräuter & Essenzen von Elisabeth Lambert Ortiz

Inhalt

Es handelt sich hier um ein Nachschlagewerk (Handbuch) über Gewürze, Kräuter und Essenzen für die Küche, d.h. zum Kochen und hat den Anspruch, sehr vollständig zu sein (Originaltitel “Excyclopedia of Herbs, Spices & Flavourings”). Um es vorweg zu nehmen: Diesem Anspruch wird das Buch zwar nicht gerecht, dennoch enthält es in der Tat eine Vielzahl von Kräutern und Gewürzen, die man in der deutschen Küche gut einsetzen kann.

Das Buch ist eingeteilt in folgende Kapitel:

1. Küchenkräuter

2. Küchengewürze

3. Aromen aus aller Welt

4. Würzen mit Gemüsen und Früchten

5. Extrakte, Essenzen und alles, was süsst

6. Essbare Blüten und Blätter

7. Öl, Essig und Milchprodukte

8. Saucen, Marmeladen und Eingemachtes

9. Kaffe, Tee und aromatisierte Getränke

Ferner enthält das Buch mit insgesamt 290 Seiten ein Register der einzelnen Kräuter sowie eines für die beschriebenen Rezepte.

Fazit

Wie oben schon erwähnt, wird das Buch seinem hohen Anspruch nicht gerecht. Es enthält zwar in der Tat viele Gewürze und Tips, dennoch fehlen zahlreiche Dinge, sowohl inhaltlich als auch technisch. Um nur einige zu nennen:  Waldmeister, Lakritz fehlen völlig; es gibt insgesamt recht wenige Bilder (z.B. wie sieht die Pflanze hinter diesem Gewürz aus) und die Darstellungen sind nicht einheitlich: mal wird ein Gewürz als Pflanze gezeigt, mal in Pulverform, mal in frischer Form usw. Damit kann es schon rein technisch nicht als Nachschlagewerk dienen, denn ausgerechnet die Information, die der Leser sich von Gewürz x erhofft, fehlt dann in dem Moment.

Mit nur 40 der insgesamt 290 Seiten kommen auch die “Aromen aus aller Welt” leider viel zu kurz. Gerade aus Asien und Südmerika, aber auch dem vorderen Orient haben ja in den letzten Jahrzehnten viele Aromen Einzug auch in deutschen Küchen gehalten. Hier wäre es sinnvoll gewesen, etwas mehr Tiefe zu beweisen als rund 2 Seiten pro Kontinent und ein paar Extraseiten zu Griechenland/Türkei, Japan, China, Korea, Vietnam und Thailand – die nicht einmal alphabetisch sortiert sind.  So werden bei den asiatischen Ländern zwar “typische Zutaten” (im Fall Japans bspw. Auberginen, Brunnenkresse, Bonito-Flocken, Matsutake, Seetang, Sojasoße usw.) aufgelistet, aber weder weiter erläutert noch mit Fotos dargestellt. Stattdessen gibt es für diese Länder eine allgemeine Einführung in die Küche und welche Gerichte typisch dafür sind, aber nicht, wie man die verschiedenen Kräuter und Gewürze einsetzen kann, wie man sie verarbeitet, wie man sie beispielsweise auch in deutschen Gerichten verwenden kann oder ähnliches.

Auch das Kapitel über Kaffee und Tee hat mit dem eigentlichen Thema und Anspruch des Buches recht wenig zu tun. Hier wäre es sinnvoller gewesen, den Erklärungsteil der Gewürze der anderen Ländern auszubauen und dieses Kapitel stattdessen komplett wegzulassen.

Positiv zu vermerken ist jedoch das recht gute Preis-/Leistungsverhältnis bei einem Preis von 12,95 Euro.

30 Kühe

30 Kühe

Reisebericht durch Kamerun von Martine Rammer

30 Kühe wurden für die Autorin Martine Rammer als Brautpreis geboten und eine Hütte stand auch gleich für sie bereit. Sie wollte aber doch nicht als eine von mehreren Frauen in das Gehöft einziehen und zog lieber mit ihren Mitreisenden weiter durch Kamerun.

Anreise
Von Frankfurt flog die Autorin über Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens nach N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad, um nach einem Ausflug zum Tschad-See ihre Reise durch Kamerun von Nord nach Süd fortzusetzen. Gemeinsam mit ihren drei Mitreisenden, Fahrer und Koch wollte sie Land und Leute kennenlernen.

Kamerun, das Land
Kamerun liegt im Westen Zentralafrikas zwischen Nigeria im Westen und Tschad und der Zentralafrikanischen Republik im Osten. Im Süden grenzt es an Äquatorial Guinea, Gabun, Kongo und an den Golf von Guinea. Auf einer Strecke von rund 1200 Kilometern wechselt die Landschaft vom regenarmen Norden bis zum Atlantik mit abwechslungsreichen Landschaften, verschiedenen Klimazonen, Nationalparks und interessanten Traditionen der Sultane (Lamido), Sitten und Gebräuche.

Sprachenvielfalt und Traditionen
Die Autorin ist beeindruckt von der Begegnung mit den unterschiedlichsten Stämmen und Traditionen, von denen es über 280 in Kamerun gibt und genauso viele Sprachen sind es auch, zudem sprechen die meisten Kameruner dazu Englisch und/oder Französisch. Deutsch wird weniger gesprochen, die deutsche Kolonialzeit dauerte nicht lange genug, als dass sich die Sprache weit verbreitet hätte.

Deutsches Bier in Kamerun
Allerdings hat sich in einem Land, in dem gerne Bier getrunken wird, eine deutsche Brauerei durchsetzen können und vertreibt ihr Produkt erfolgreich überall im Land.
In Foumban steht im Gegensatz zu den vielen traditionellen Banco-Gebäuden der Palast des Königs, der aus Steinziegeln nach Vorlage deutscher Gebäude errichtet wurde. Der erste König Njoya lebte zur Zeit der deutschen Kolonie, die von 1884 bis 1916 dauerte, und war von der „deutschen Kultur beeindruckt“.

Kamerun von Nord nach Süd
Viele Märkte, Museen, Kunsthandwerk und die Architektur der Paläste der Sultane und Könige, von traditionellen Sitten und Gebräuchen des Krabbenorakels in Rhumsiki im Norden bis zu den Geheimbünden im Kameruner Grasland im Süden, die landschaftlichen Schönheiten wie die Felsnadel des Regenfelsens in den Mandara Mountains bis zum Teeanbau am Mount Cameroun, dies alles hat die Autorin gesehen und beschrieben.

Autorin
Martine Rammer (geb. 1979) aus Dresden bezeichnet sich als lebensfrohe Weltenbummlerin und war auch schon in Äthiopien, Kolumbien und Vietnam unterwegs. Sie bereiste Kamerun im Winter 2010.

Fazit
Der Reisebericht von Martine Rammer ist sehr persönlich mit vielen interessanten Eindrücken beschrieben. Ihre Gefühle kann man gut nachempfinden, gerade wer das Reisen in Afrika kennt, weiß, dass man Abstriche in der einen oder anderen Art machen sollte, zum Beispiel bei der Hotelausstattung (kein Wasser oder Licht) oder dem Zustand des Reisegefährts.

Die Kapitel sind nach den Reisetagen eingeteilt, aber durch die abwechslungsreiche Erzählung wird das Lesen nicht langweilig sondern auch der Leser wird neugierig, was wohl der nächste Tag an Überraschungen bereit hält. Dadurch ist das Buch durchaus empfehlenswert, um sich für eine Kamerunreise vorzubereiten und es wird schon ein erster Eindruck vermittelt von diesem schönen und abwechslungsreichen Land. Kleine Farbbilder und grobe Kartenzeichnungen machen den Text anschaulicher und heben das Geschriebene hervor. Auch ein Inhaltsverzeichnis und ein Glossar fehlen nicht.
Natürlich soll dieser Reisebericht keinen Reiseführer ersetzen, dazu fehlt es an weiteren Informationen und um die Reise geographisch nachzuvollziehen, ist eine zusätzliche Karte ratsam.

Das Mittelalter – Blick in eine geschichtsträchtige Epoche

Das Mittelalter – Blick in eine geschichtsträchtige Epoche

Die Zeit des Mittelalters stösst auch heute noch auf grosses Interesse. Wer dieses befriedigen möchte, sollte sich Das Mittelalter – Blick in eine geschichtsträchtige Epoche zu Gemüte führen. Denn wie der Titel bereits sagt, bietet es dem Leser einen hervorragenden Einblick in diese Zeitepoche.

 

Inhalt

 

Das Buch gliedert sich übersichtlich in vier Teile. Als erstes wird dem Leser das Leben im Mittelalter näher gebracht. Die Autorin entführt aber nicht nur ins mittelalterliche Hofleben und zu dem Leben und Leiden der Adligen und Mächtigen, wie es ansonsten oft der Fall ist, sondern lässt auch das einfache Leben der Bürger und Bauern vor dem geistigen Auge wiederauferstehen. Die Autorin Sarah A. Friedli widmet sich anfangs dem Leben im Allgemeinen, von der Geburt, über Kindheit und Jugend, Eheleben und Sitten, bis hin zum Tod.

Im zweiten Teil werden die hygienischen Verhältnisse der Strassen und Häuser sowie die damalige Körperpflege angesprochen, welche in Romanen und Filmen heute oftmals romantisiert und verfälscht dargestellt wird. So durfte ich erfahren, dass damals bereits Hygienevorschriften eingeführt wurden. Apropos Vorschriften: der dritte Teil nimmt den Leser mit in den Kerker. Dort wird das Rechtssystem des Mittelalters mit Folter und Gottesurteil aufgezeigt. Auch der verrufene Beruf des Henkers wird näher angeschaut.

Der letzte Teil des Buches widmet sich dem Rittertum. So darf man alles über den Werdegang eines Ritters erfahren und sich zuletzt leserisch im Ritterturnier, an der sogenannten Tjost, messen.

 

Ein ausgezeichneter Einblick ins Mittelalter

 

Man merkt sofort, dass sich die Autorin über Jahre hinweg mit der Epoche des Mittelalters auseinandergesetzt hat und ihrem Buch eine gründliche Recherche zugrunde liegt. Sehr interessant fand ich etwa das Kapitel über die mittelalterliche Weltanschauung. Aber auch das damalige Leben hat mich sehr beeindruckt. Es werden nicht nur die altbekannten und immer wieder gefragten Fakten aufgezählt, sondern auch eindrückliches weniger Bekanntes. Alles in allem entsteht dadurch ein ausgezeichneter und sehr interessanter Einblick ins Mittelalter und ich hoffe auf weitere Einblicke in andere geschichtsträchtige Epochen.

 

Fazit

Wer sich einmal ins Mittelalter entführen lassen will, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Die leicht verständliche Sprache und spannende Schreibweise lässt alles Erklärte sofort vor dem inneren Auge entstehen. Auch wer sich einfach einen Überblick über die Epoche verschaffen will, ist mit Das Mittelalter – Blick in eine geschichtsträchtige Epoche gut bedient.

Neun Leben

: Neun Leben. Unterwegs ins Herz Indiens

Inhalt

William Dalrymples stellt neun Menschen vor, die im modernen Indien leben, deren Leben aber ganz dem Göttlichen gewidmet ist bzw. von der Religion bestimmt wird. Es sind neun ganz unterschiedliche Menschen, aus ganz Indien, mit sehr unterschiedlichen Lebensläufen.

William Dalrymple beginnt seine Beschreibung vom Glauben dominierter Menschen mit der vielleicht härtesten, uns unverständlichesten Form. Er erzählt von der Jain-Nonne, die sich auf rituelle Weise langsam zu Tode hungert, in einer Form auf die Spitze getriebenen Verzichts auf alle weltlichen Genüsse. Dabei hat sie eigentlich einen sehr weltlichen Grund ihr Leben mit Mitte 30 zu beenden. Ihr gesamtes erwachsenes Leben verbrachte sie zusammen mit ihrer engsten Freundin, Nonne wie sie. Nach deren Tod hält sie nichts mehr in diesem Dasein. Das Leben dieser sehr sanften und doch gegen sich selbst sehr harten Nonne erlaubt Dalrymple, uns den Jainismus vorzustellen, eine Religion, die nur in Indien verbreitet war und ist.

Der Nonne folgen Lebensgeschichten und Lebensläufe von Sängern und Tänzern heiliger Epen, sogar solchen, die in der Hälfte des Jahres verachtete Angehörige einer niederen Kaste sind und harte körperliche Arbeit verrichten, um in der zweiten Häfte in Tänzen und Gesängen Götter zu verkörpern und in dieser Form sogar von Mitgliedern der höchsten Kaste angebetet zu werden. Dalrymple erfragt, wie dieser Spagat auszuhalten ist, ob er immer gelingt.

Dann stellt er einen Tantriker vor, erläutert tantrische Riten, die wegen ihrer sexuellen Komponente im Westen bekannt wurden. Was ist wahr, was nur westliche Projektion? Wie lebt der Bronzegießer, der in einer jahrhundetealten Tradition religiöse Figuren herstellt und dessen höchstes Ziel es ist, den alten Bronzen aus den Museen so ähnlich wie nur möglich zu werden. Fortschritt rückwärts gewandt.  Dalrymple stellt uns auch einen tibetischen Mönch vor, der Freiheitskämpfer und Soldat war und, wieder buddhistischer Mönch, versucht, seine mörderischen Taten zu sühnen. Ihm an die Seite treten dann noch ein blinder Sänger, eine Mystikerin und eine Tempelhure.

Der Autor

William Dalrymple wurde 1965 in Schottland geboren, lebt aber bereits seit 24 Jahren in Indien, mittlerweile mit Frau und drei Kindern auf einer Farm in der Nähe Delhis. 2009 gründete er das Jaipur Literature Festival in Indien, das vielleicht prestigeträchtigste Literaturfest des Subkontinents. “Neun Leben” stand monatelang auf Platz eins der indischen Bestsellerliste. Dalrymple veröffentlicht auch regelmäßig Reisereportagen und schreibt für verschiedene in- und ausländische Zeitschriften.

Fazit

Dalrymple begegnet seinen Protagonisten mit Respekt, und vermeidet jede billige Effekthascherei. Er lässt sie ihr Leben erzählen, lauscht ihren Geschichten und beobachtet ihr Leben. Er berichtet, er wertet nicht, auch nicht, wenn der Sohn des Bronzegießers lieber Programmierer werden will und das alte Handwerk von immer weniger Künstlern ausgeführt werden wird oder wenn der Verkauf junger Mädchen an den Tempel bedeutet, dass immer mehr junge Frauen keine andere Wahl haben, als Prostituierte zu werden und früh an AIDS sterben.

Das Buch der Sünden – Axel S. Meyer

Das Buch der Sünden – Axel S. Meyer

Inhalt:

Odo, Sohn von Siegfried von Lutetia des Grafen von Paris und Alexandra aus dem Süden, erleidet Todesängste, als die Normannen 845 den Tod nach Paris bringen. Mit einer gewaltigen Anzahl an Booten kommen sie über die Flüsse und durchbrechen die Stadtmauern. Während Odo nur knapp den Fängen der teuflischen Normannen entkommt, muss er mit ansehen, wie diese sich zuerst an seinem Kindermädchen Allisa vergehen und sie dann ermorden, wie der Führer der Normannen, Ragnar Loobroek, seine Mutter vergewaltigt und verschleppt und anschließend seinen Vater köpft. Als man Odo nach Tagen verängstigt in seinem Versteck findet, bringt man ihn in das Kloster nach Saint Genevieve wo er bis zu seinem 24. Geburtstag lebt.

Als ein Mönch von der Klosterinsel Unterschlupf in Saint Genevieve sucht, erfährt Odo, wohin Ragnar Loobroek seine Mutter verschleppt hat und dass er sie, als er erfahren hat, dass sie von ihm schwanger ist, über Bord geworfen hat. Odo macht sich auf die Suche nach ihr und findet schließlich ihre toten Überreste und einen ihrer Ringe. Er schwört Rache an dem Normannenführer zunehmen.

Sein Weg führt ihn nach Sankt Gallen, wo ihm ein geheimnisvolles Buch in die Hände fällt: Das Buch der Sünden. Es sagt den Untergang der heidnischen Welt voraus, sobald die sieben Todsünden gesühnt sind. Odo reist in den Norden, in die Stadt Haithabu. Dort lässt er die ungläubigen Heiden für ihre Sünden bezahlen. Er tötet nacheinander einen Menschen der von einem Dämon der Todsünden besessen ist: Geiz, Trägheit, Völlerei, Wollust, Zorn, Neid und der Hochmut, der Erhabenheit über Gott.

In Haithabu trifft Odo auch auf Helgi, der Sohn eines Schmiedes. Doch schon bald merkt er, dass Helgi mehr ist als der Sohn des Schmiedes. Er scheint das Kind seiner Mutter und des teuflischen Normannenführers Ragnar Loobroek zu sein. Odo sieht nur einen Ausweg. Er muss Helgi töten. Doch dieser schafft es zusammen mit seiner Freundin und durch die Hilfe eines alten Mönches zu fliehen. Die drei machen sich auf in eine Reise ins Ungewisse. 

Fazit:

„Das Buch der Sünden“ von Axel S. Meyer habe ich bei einem Gewinnspiel gewonnen und mich lange Zeit davor gedrückt es zu lesen. Doch als ich erst einmal damit begonnen habe hat mich die Geschichte sehr interessiert. Das Buch handelt von einem jungen Christen der sich an dem heidnischen Teufel rächen will und dafür anderen Leid zufügt.

Ein sehr spannendes Buch, welches die verschiedenen Religionsansichten um 800 beschreibt und aufzeigt, wie die einen die „Glaubensrichtung“ der anderen sehen. Sehr spannend für alle, dich sich nicht nur für Religion sondern auch für einen spannende Geschichte über die Vergangenheit und die Begebenheiten um 800 interessieren.

1001 Songs

die Sie hören sollten, bevor das Leben vorbei ist

Dieses Buch ist ein dicker Brocken. Aber wer Musik wirklich liebt, der wird es haben wollen. „1001 Songs die Sie hören sollten, bevor das Leben vorbei ist“ ist der Titel. Und genau darum geht es. 1001 Songs werden besprochen. Es gibt Geschichten zu ihnen, Details, die man vielleicht nicht kannte. Und auch, wenn man diese Songs sozusagen nur liest und nicht hört (was man in vielen Fällen nach dem Lesen machen wird, und sei es als Erinnerung), macht es einfach Spaß, in diesem Buch zu blättern.

Das Werk ist Teil einer Serie, die der Verlag Edition Olms aus Zürich ins Leben gerufen hat. Es gibt ein Buch über 1001 Alben, eines über 1001 Filme, eines über 1001 Bücher, des Weiteren 1001 Gemälde, 1001 Kinderbücher, 1001 Foods, 1001 Weine und 1001 Gärten. Man könnte sagen, dass in dieser bemerkenswerten Serie für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Doch zurück zu den 1001 Songs. Das Buch ist nicht fehlerlos und diese Aussage bezieht sich nicht darauf, dass wohl wirklich jeder Musikliebhaber Songs vermisst und andere für überflüssig hält. Das bringt die Materie so mit sich. Es geht um den Inhalt. Da wird eine Frau zum Mann (die Drummerin von Hole), da gibt es Verwechslungen. Und dass das Buch in alter Rechtschreibung daher kommt, irritiert im Jahr 2011. (Also daß mit ß zum Beispiel.) Aber dies ist letztlich unbedeutend. Es geht schließlich um den Inhalt.

Die 1001 Songs sind unterteilt in Jahrzehnte. Es beginnt in der Zeit vor den 1950’ern und mit O Sole Mio von Enrico Caruso. Die 50’er beginnen mit Autumn Leaves von Jo Stafford und enden mit It Ain’t Necessarily So von Diahann Carroll & The Andre Previn Trio. Bekanntere Werke werden natürlich auch besprochen. Die Liste der 60’er beginnt mit Wonderous Place von Billy Fury und dem bekannteren Save The Last Dance For Me von The Drifters und endet mit The Thrill Is Gone von BB King. Zwischendrin gibt es Hendrix, Dylan, Led Zeppelin, Beatles und Rolling Stones, und so weiter. Up Around The Bend von Creedence Clearwater Revival ist der erste Song der 1970’er. Diese enden mit Message In A Bottle von The Police.

Mittendrin gibt es natürlich u.a. Springsteen, den erste Michael Jackson, The Clash, Sex Pistols, usw. Abba eröffnen mit The Winner Takes It All die 80’er. Das Jahrzent ist umfangreich besprochen und endet mit Rhythm Nation von Janet Jackson. Painkiller von Judas Priest ist der erste Song der 90’er, in denen natürlich auch die Grunge-Bands mit Nirvana an der Spitze eine große Rolle spielen. Letzter Song ist Race for the Prize von den Flaming Lips. Die Nuller-Jahre beginnen mit One Armed Scissor von At the Drive-in. Letzter Song der Liste ist Stylo von den Gorillaz. Dies alles nur, um einen ungefähren Hinweis zu geben, was den Leser erwartet. Letztlich werden keine bedeutenden weltweit erfolgreichen populären Musikrichtungen ausgespart. Und es geht nicht nach Verkaufszahlen. Das Vorwort schrieb übrigens Produzenten-Legende Tony Visconti.

Fazit:

Wenn Sie dieses Buch bestellen, wird der Paketbote viel Freude haben, denn es ist mit seinen fast 1000 Seiten wirklich schwer. Ein Klotz, wie man so sagt. Wer es sich kauft, der mag und hört viel Musik, das steht außer Frage. Es ist ein Werk für Interessierte und Komplettisten. Und die sollten es auf jeden Fall im Regal stehen haben.

Der Turm der Könige

Der Turm der Könige

Inhalt

Julia erblickt das Licht der Welt In Sevilla. Sie wächst wohlhabend und behütet als Apothekertochter auf. Eines Tages kommt ihr Vater mit einem schwarzen Mädchen, das er im Hafen als Sklavin gekauft hat, nach Hause. Julia und Mamita Lula, so nennt sich das schwarze Mädchen, sind sofort unzertrennlich und dies wird sich bis zu ihrem Tod nicht ändern. Julia wird mit dem viel älteren Druckereibesitzer Lopez de Haro verheiratet, und verbringt einige Jahre damit ihren kranken Mann zu pflegen. Gleichzeitig lernt sie die Druckerei zu leiten und übernimmt immer mehr Verantwortung im Haus. Als ihr Mann stirbt, bricht sie das erste Mal ganz öffentlich mit den Konventionen und entscheidet sich die Druckerei als Witwe alleine weiterzuführen. Dadurch schafft sie sich einen Feind fürs Leben, denn ihr Druckermeister glaubt ein Recht darauf zu haben jetzt Hausvorstand zu werden, da es nun mal so Sitte ist den Druckermeister dann zu heiraten.

Geerbte Feindschaft

Dann gibt sie einem dahergelaufenen Piraten, der aus Übersee kommt, eine Anstellung und verliebt sich auch noch in ihn. Durch die Heirat mit Leon de Montenegro (der Pirat) holt sie sich das gefährliche Erbe ins Haus und zerstört jegliche Hoffnung ihres Druckermeisters. Leon gehört als Laienbruder dem Johanniterorden an, die ihn aufgenommen und großgezogen haben. Dort wird seine große Begabung für Schach entdeckt und er wird der Auserwählte um die letzte Partie “Christen gegen Muslime” zu spielen. Dabei geht es um eine Schachpartie die entscheiden soll, wem der Turm der Moschee gehören soll, die Muslime wollten ihn lieber zerstören, als den Christen die Gewalt darüber zu erlauben. Die Christen wollten das fantastische Bauwerk behalten.

Das ganze liegt mittlerweile einige hundert Jahre zurück und bevor die letzte Partie gespielt werden kann muss der verschollene Vertrag darüber gefunden werden. Als ihr Sohn Abel ungefähr neun Jahre alt ist, nimmt Leon ihn nachts mit zu einem Treffen mit dem muslimischen Botschafter und Abel erfährt von der Aufgabe seines Vaters. In dieser Nacht wird sein Vater ermordet, denn es gibt auch viele Gegner, die das Spiel unbedingt verhindern wollen. Kurz vor seinem Ende übergibt Leon seinem Sohn einen Elefanten aus Elfenbein  und Abel muss seinem Vater versprechen seine Suche und das Spiel für ihn fortzusetzen aber vor allem zu gewinnen. Von diesem Moment ändert sich sein Leben und Monsieur Verdoux übernimmt seine Ausbildung, da Leon dies so gewollt hat. Verdoux wird ein enger Vertrauter und Berater der Familie und gibt sein ganzes Schachwissen an Abels Tochter Guiomar weiter. Keiner ahnt auch nur im Entferntesten, was dadurch ins Rollen kommt.

Fazit

Der historische Hintergrund und die Schauplätze sind wirklich gut gewählt. Die Autoren haben ihre Geschichte wunderbar mit den wirklichen Ereignissen verwoben und einen sehr anschaulichen Einblick in das Leben dieser Epoche gewährt. Die Sprache ist gut verständlich und ich hatte nie das Gefühl noch mal irgendwo nachschlagen zu müssen um das Buch zu verstehen. Für jemanden der gerne eine Story über mehrere Generationen liest ist das Buch sehr empfehlenswert. Mir persönlich sagen solche Familiensagas nicht so zu, denn ich fand es kamen zu viele zwischenfamiliäre Krisen und Beziehungskisten vor und viel zu wenig über die Suche und das Spiel. Das ist nicht wirklich was für mich.

Frauen in der Wüste

Frauen in der Wüste von und Thomas A. Schmidt

„Es ist ein Gefühl der Freiheit, das mich hier festhält; die Stille, die Ruhe und die unendliche Weite“, so beschreibt Susan Sorrells die Mojave-Wüste in ihrer amerikanischen Heimat, eine von 38 Frauen, die Florence Hervé in diesem neuen Buch porträtiert.
Nachdem die französische Autorin Frauen in den Bergen und am Meer besuchte und über sie schrieb, folgte die Wüste und sie ließ frühere Schriftstellerinnen zu Wort kommen.

In diesem neuen Buch in Großformat besucht sie zusammen mit dem Fotografen Thomas A. Schmidt Frauen, die in den Wüsten der Erde geboren sind, zugezogen sind, dort leben und arbeiten. Sie stellt die Frauen und deren Erfahrungen in der westlichen Sahara in Algerien, der Namib in Namibia, in der Atacama in Chile, der Solar de Uyumi in Bolivien, der Mojavewüste in den Vereinigten Staaten von Amerika, der Negev in Israel und der Wüste Gobi in der Mongolei vor.

Arbeiten in der Wüste
Der Leser erfährt von den Frauen etwas über die Arbeitsmöglichkeiten, den täglichen Überlebenskampf in den Widrigkeiten der Landschaft und des Klimas. Sie arbeiten als Bäuerin, Winzerin, Forscherin, Künstlerin, Archäologin, Nonne, Bürgermeisterin, Gewerkschafterin, Kultusministerin, LKW Fahrerin, Salzarbeiterin, Fotografin und trotz des harten Lebens lieben die meisten diese extremen Bedingungen und die Freiheit der Wüste.
Die vorgestellten Frauen leben schon immer in der Wüste oder sind aus verschiedenen
Gründen in die Wüste gezogen. Jede verbindet ihre Vorstellungen von Freiheit, Arbeit, Leben und Überleben in ihrer eigenen Form.

Alle Interviews wurden jeweils am gleichen Ort und in unmittelbarer Nachbarschaft geführt, zum Beispiel in Chile rund um die größte Kupfertagebaumine der Welt Chuquicamata oder San Pedro de Atacama, in der Mojave Wüste im Death Valley in Namibia an der Skeletoncoast um Swakopmund. So sieht der Leser die Wüste aus verschiedenen Blickwinkeln.

Kämpfen in der Wüste
Schon seit 35 Jahren kämpfen die Frauen (und Männer) der Saharaoui von der westalgerischen Wüste aus um die Anerkennung ihres Staates Demokratische Arabische Republik Sahara (Westsahara). Sie leben in Flüchtlingslagern in der Nähe von Tindouf, einer ehemaligen Oase und französischen Lager der Fremdenlegion ganz im Westen von Algerien.
„Warum“ fragt sich die Kultusministerin Khadja Hamdi, „sollen sich die Flüchtlinge nicht kulturell weiterbilden können?“ Die humanitären Organisationen und Geldgeber sorgen für medizinische Hilfe und Ernährung, aber sie vergessen, dass die Flüchtlinge auch ein Recht auf Bildung, Bücher, Freizeitgestaltung und Kunst haben.
Inzwischen haben die Frauen ihre eigenen Schulen, Kindergärten, Ministerien, Kulturfeste (Filmfestival, Marathon in der Sahara) geschaffen. Die, in den 1970er und 1980er Jahren, überall auf der Welt auftretende Sängerin Um Dleila, bringt mit ihren Liedern die politische Situation auf den Punkt und erinnert an die Märtyrer, die ihr Leben ließen im Kampf gegen den spanischen Kolonialismus und um die Unabhängigkeit von Marokko, das seit 1975 das Land besetzt hält. Heute arbeitet sie im Krankenhaus von Smara, einem Flüchtlingslager unweit von Tindouf.

Leben meistern in der Wüste
Es ist beeindruckend zu erfahren, wie die Frauen ihr Schicksal in die Hand nehmen und ihr Leben meistern. Da gibt es kein Gejammer und kein Klagen. Die Wüste lehrt mit den Dingen, die sie bietet, schonend umzugehen, das Leben wird auf Arbeit reduziert und auf die Frage „Was macht man in der Wüste in der Freizeit?“ erhält man zur Antwort: Tee trinken, im Schatten liegen, sich ausruhen, feiern, musizieren, singen, lesen und einiges mehr.

Fazit:
Ein interessantes Buch mit knapp zweihundert Seiten über Frauen, aber nicht nur für Frauen, die in den Wüsten leben und oft ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, wenn sie beispielsweise für die moderne Handyherstellung Lithium oder andere Rohstoffe dem Boden entlocken, von denen sie selbst keinerlei Nutzen haben.

Die begleitenden einhundert Bilder zeigen viele Facetten der Wüsten, die unwirtliche Landschaft des Altiplano in Bolivien mit den weißen Salzflächen, in der die Frauen in gleißendem Sonnenlicht das Salz aufklauben, die stolze Fahrerin in Chile vor ihrem Lastwagen, dessen Reifen zweimal so groß sind wie sie, die Gesichter der vielen Frauen, die nachdenklich, manchmal zweifelnd und trotz allem oft fröhlich sind.

Ein empfehlenswertes Buch für alle, die keine romantisch, verklärten Träume suchen, sondern sich wirklich für das Leben der Frauen (Menschen) in den Wüsten dieser Erde interessieren.

Die Herausgeberin
Florence Hervé (geb. 1944) ist promovierte Germanistin, Autorin und Dozentin. Sie veröffentlichte im u.a. den Band „Sehnsucht nach den Bergen“ über Schriftstellerinnen im Gebirge und „Durch den Sand – Schriftstellerinnen in der Wüste“. Die Französin lebt in Düsseldorf und im Finistère.

Der Fotograf
Thomas A. Schmidt (geb. 1945) arbeitete als Rechtsanwalt für Gewerkschaften. Er ist als Rechtsanwalt für die europäischen Juristenorganisation EJDM tätig und setzt sich für die Verteidigung der Menschenrechte ein.
Seine Bilder veröffentlicht er in Anthologien, Bildbänden und Zeitungen.

Ausgeblendet

Ausgeblendet von

Drei Fahrgäste betreten nacheinander das Abteil. Eine Frau mittleren Alters, ein älterer Mann und ein junges Mädchen. Keiner grüßt. Der Zug setzt sich in Bewegung und steuert sein Ziel Marseille an. Jeder mustert jeden mehr oder weniger und schweigt.
Die Frau hält sich in Frankreich auf, sie ist Algerierin. Der Mann ist Franzose. Die Großeltern des jungen Mädchens waren Algerien-Franzosen. Alle drei hängen ihren Gedanken nach. Während die Landschaft Frankreichs im abendlichen Dämmerlicht an ihrem Abteilfenster vorbei zieht, denkt die Frau mit geschlossenen Augen an die Landschaften in Nordalgerien, der Mann mustert die Frau, auch er hat Erinnerungen an Algerien, allerdings ganz anderer Art…
Das Mädchen setzt sich die Kopfhörer ihres Walkmans auf und hört Musik.

Plötzlich schreckt die Frau aus ihrem Halbschlaf. Sie hat Schreie gehört, warum reagieren die beiden nicht. Hatte sie geträumt ? Nein, nun bleibt der Zug stehen und Leute laufen im Gang hin- und her. Auch der Mann und das Mädchen reagieren und schauen auf. Eine Frau kommt aufgeregt in das Abteil und erzählt von einem Überfall in der ersten Klasse, Diebe versuchten die Reisenden zu bestehlen, man muss sie aufhalten, sie fassen, das waren bestimmt Araber…

Da ist es wieder, dieses Gefühl der Angst, das sie so gut kennt. Die Algerierin hat ein leichtes Schwindelgefühl, hoffentlich waren es keine Algerier, denkt sie noch.
Nur zögerlich kommt jetzt ein Gespräch in Gang. Der Franzose fragt, ob er ihr helfen könne, er sei Arzt. Das Mädchen gibt ihr das heruntergefallene Buch zurück, in dem sie einige Zeilen las, bevor sie einnickte.

Der Franzose sagt, dass er Algerien kennt. Die Frau fragt sich, woher er sofort wusste, dass sie aus Algerien kommt, aber dann fühlt sie ihre Ohrringe aus ihrer Heimat, der Kabylei, die sie mit Stolz trägt. Außerdem sah er das Etikett auf ihrem Koffer mit der Heimatadresse.

Nun interessiert sich auch das Mädchen für das Thema der beiden Gesprächspartner. Sie spricht von ihrem Grossvater, der zwar viel von Algerien erzählt, aber mehr von der Zeit vor dem Unabhängigkeitskrieg, der so viele Opfer forderte, in dem der algerischen Bevölkerung so viel Leid zugefügt wurde.

Das eigentliche Thema dieses Buches rückt in den Mittelpunkt. Der Vater der Frau, der Schriftstellerin, war Lehrer in einem Vorort von Algier, wurde, wie so viele, verhört, gefoltert und umgebracht. Über eine Million algerische Opfer gibt es nach dem Unabhängigkeitskrieg, der von 1954 bis 1962 dauerte, zu beklagen.
Der Mann, einer von einer Million Soldaten, die der Verteidigung französischer Interessen dienten, der vielen Franzosen, die sich in Algerien ab etwa 1847 angesiedelt hatten und der dort geborenen Algerien-Franzosen, wurde 1957 als Wehrdienstleistender während des Unabhängigkeitskrieges, in einen Vorort von Algier geschickt…. Nun sitzt er ihr gegenüber und schweigt.
Schmerzliche Erinnerungen werden wach, bei der Frau ebenso wie bei dem Mann. Sie beginnen Sätze, stocken, erinnern sich und schweigen. Das Mädchen spürt die Spannung und stellt Fragen, unangenehme, sie will mehr wissen, von dem, was ihr Großvater nicht erzählt, der dieses Thema für sich „Ausgeblendet“ hat, wie so viele Verantwortliche…

Fazit:

Verhöre, Folterungen und Mord waren an der Tagesordnung während der „Ereignisse“, wie man den Unabhängigkeitskrieg im Kolonialherrenland Frankreich nannte. Diese Tatsachen werden „Ausgeblendet“. Bis heute wurde das Kapitel der Folter in der Geschichte zwischen Frankreich und Algerien nicht aufgearbeitet. Man schweigt sich aus. Algerien erwartet, mit Recht, eine Entschuldigung, die bis heute, fast 50 Jahre danach, nicht kommt.

In ihrem Buch, weist die Schriftstellerin Maissa Bey auf diese, eigentlich unerträgliche Situation hin, die ihr halbes Leben lang begleitet und sie benötigte „zwei Jahre, um diesen siebzigseitigen Text zu schreiben“.
2011 erhielt sie in Frankreich für ihre Arbeit den renommierten Preis „Officier des Arts et des Lettres“. In deutscher Übersetzung ist dies ihr zweites Buch, nach „Nachts unterm Jasmin“, welches ebenfalls im Verlag Donata Kinzelbach erschienen ist.

Im Nachwort gehen die Übersetzer Christine und Radouane Belakhdar nicht nur auf die Arbeit der Schriftstellerin Maissa Bey ein, sondern auch auf die aktuelle Situation im Maghreb und der arabischen Länder, deren Menschen plötzlich aus dem Schatten der Despoten herausgetreten sind und ihre Rechte und vor allem Würde und Demokratie fordern.

Man sollte das Buch zweimal lesen, einmal vor dem Nachwort und einmal danach, um es (evtl. als Außenstehender) ganz zu verstehen. Ein wichtiges Buch, für alle, die sich für die Geschichte Algeriens interessieren.

La Conjuration des Importants von Jean d’Aillon

La Conjuration des Importants von Jean d’Aillon – Ein historischer Kriminalroman

Der historische Hintergrund

Paris 1642. Kardinal Richelieu ist tot. Das sorgsam von ihm aufgebaute Machtgefüge steht in Frage. Und als bald darauf auch der König stirbt, beginnt einer der letzten Machtkämpfe um die Herrschaft im absolutistischen Frankreich. Ein Machtkampf, der in seiner Eitelkeit eher grotesk als gefährlich ist, vergleicht man ihn mit den Revolten der vorangegangenen Jahre unter Richelieu. Es ist “Die  Verschwörung der Wichtigen”, die dem Buch seinen Titel gegeben hat.

In diesem äußeren Rahmen entfaltet d’Aillon seine Geschichte. Die Sympathien des Autors liegen dabei eindeutig auf Seiten von Richelieus Nachfolger,  Giulio Mazzarini.

Inhalt:

Die Hauptperson des Romans ist der junge, von Geldsorgen geplagte,  Notar Louis Fronsac, dem man auch in anderen Romanen d’Aillons begegnet. Er betätigt sich als Amateur-Ermittler, zu Hilfe gerufen von seinem Freund, dem Kommissar Gaston de Tilly.

An einem bitterkalten Wintertag ist ein Polizist ermordet worden; bei sich zu Hause in einem nicht von außen zugänglichen Raum. Das Wie entdeckt Fronsac sehr bald (Spolier); aber der Grund bleibt lange ein Rätsel. Klar ist nur, dass ungemein viel auf dem Spiel stehen muss für den Mörder; sonst wäre er dieses Wagnis nicht eingegangen. Ein Polizistenmord war damals selten, denn dieses Verbrechen wurde mit einem besonders grauenvollen Tod bestraft.

Die Spurensuche führt zu mehr als einem Komplott. Fronsac selber gerät in Gefahr – natürlich – und entkommt nur mit Mühe aus Paris. Um sogleich zum Entsetzen der Verwalter seines Guts dorthin zurückzukehren, denn es gilt, das Leben Mazarins zu retten.

Zwischen Krieg und Not

Fronsac bewegt sich zwischen den hohen Adligen Frankreichs, denn er ist ncht nur Notar, sondern von Ludwig XIII. zum Chevalier erhoben. Er wird von den Verschwörern um Beaufort und Marie de Chevreuse verfolgt und von den Condé geschützt, die sich als königstreu erweisen, obwohl nur zwei kleine Kinder zwischen ihnen und dem Thron Frankreichs stehen.

Der Weg Fronsacs führt aus den Palästen zu den “Höfen der Wunder” und einem Paris, das in eifriger Bautätigkeit begriffen ist. Wir begegnen Molière in seinem Theater am Rande der Pleite.  Wir erleben die Marquise de Rambouillet, die mit ihrem berühmten Salon in die Geistesgeschichte eingehen wird.  Und zwischendurch begleiten wir Fronsac noch zu dem blutjungen Duc d’Enghien auf das Schlachtfeld von Rocroi – eine Schlacht übrigens, die das Gesicht des Krieges für immer verändert hat.

Fronsac stolpert eine Weile durch die Geschichte, ohne die Zusammenhänge zu begreifen (Spoiler). Als er sich schließlich aufmacht, den König zu retten, kommt er zu spät. (Der Autor hat seine eigene, romanhafte Erklärung für den Tod Ludwigs XIII.)

Für seinen Mut gewinnt er die Anerkennung vieler, allen voran die des Duc d’Enghien; aber auch die des Chevalier de Baatz, der ihn anfangs als Feigling verspottet, weil Fronsac keinen Degen trägt. Den Chevalier de Baatz kennen wir unter dem Kriegsnamen d’Artagnan …

Fazit:

D’Aillon steigt in seinem Buch tief in die historischen Details der Epoche ein. Wer macht sich schon Gedanken darüber, was Kälte damals wirklich bedeutete? Kann man sich vorstellen, dass eine adlige Familie für die Fahrt aus ihrem Pariser Hotel auf ihr Gut, nur  zwei oder drei Tagesreisen entfernt, mit 30 Kutschen loszog? Oder dass Söldnerheere auch das Land plünderten, das sie verteidigen sollten, weil die Beute ihr Sold war?

Es ist ein Whodunit, der von seinem historischen Background lebt.  Eine spannende Geschichte mit überraschenden Wendungen. Mit Fronsac hat D’Aillon einen lebensgroßen, sympathischen  Charakter geschaffen, mit Sorgen und Ängsten, die ihn zuweilen ganz und gar nicht heldenhaft erscheinen lassen. Er dominiert die anderen ein wenig, aber auch die sind gut gelungen  – nur eine ist dabei zu kurz gekommen: Julie de Vivonne, die Verlobte des Helden. Sie taucht nur als “love interest” auf, hat aber keine wirkliche Aufgabe im Plot. Das ist ein bisschen schade, denn d’Aillon hat sie als ungewöhnliche junge Frau angelegt, indem er ihr die Fähigkeiten einer Architektin zuschrieb. Einer Architektin? Was hat das jetzt mit dem Plot zu tun? Nichts. Eben.

Ungewöhnlich für einen Roman: D’Aillon nennt im Anhang seine historischen Quellen. Und dann bietet er noch eine kurze Zusammenstellung damaliger Preise und Löhne sowie von Maßeinheiten und Zahlungsmitteln.

Was mich als Historikerin zuweilen gestört hat: Dass sich der allwissende Erzähler mit Erklärungen zwischen mich und die Geschichte stellt.  Aber für Leser und Leserinnen, die weniger mit der Epoche vertraut sind, sind sie gewiss hilfreich für das Verständnis.

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