Rezension.org - "Wilddiebe und Kritiker kennen keine Schonzeit"
rezensionen

‘Ratgeber’

Astrologie und Partnerschaft

Baby, schau mir in die Sterne..

von Stephen Arroyo ist ein Werk für Sternengucker. Wie der Titel bereits verrät, handelt es sich hierbei um den Schwerpunkt Partnerschaft. In erster Linie geht es darum, wie die Radixplaneten im Partnerschaftsvergleich zusammen arbeiten und harmonieren. Im zweiten Kapitel werden Techniken des astrologischen Partnerschaftsvergleiches vorgestellt. Ganz groß sei hier das berühmte Sonne mit Sonne sowie Sonne mit Mond Verhältnis erwähnt und analysiert. Im dritten Kapitel wird der Gebrauch der Häuser im astrologischen Vergleich betrachtet. Im dritten Abschnitt des Buches geht es nicht mehr um Partnerschaft, sondern um das Verständnis von Transiten: überwiegend werden Saturn und Jupiter durch die zwölf Häuser angesprochen.

Positive Kritik

Stephen Arroyo geht wirklich auf sehr viele Fragen der ein. Ich habe in diesem Buch und Transite so tiefgründig und verständlich erklärt gefunden, dass es mir sogar nach Jahren des Studiums nochmal die Augen öffnete. Beliebte Schlagworte wie Karma finden hier auch ihren Platz. Die Wirkung von Venus und Uranus, Pluto mit Mars und Venus sowie Neptun Einflüsse in Puncto Partnerschaft werden hier sehr schön und haarscharf auf den Punkt gebracht. Ich finde die Bedeutung von Saturn im Partnerschaftsvergleich auch besonders wichtig. Saturn wird als Langsamläufer von einigen Astrologen nur zweitranging betrachtet – dabei erklärt Arroyo sehr plausibel, wie wichtig Saturn doch ist, da er das unschöne Potential hat, Blockaden herbeizuführen. Arroyo erklärt zudem, wie Saturn auch karmische Beziehungen auflösen kann…Aber lesen Sie selbst..sehr spannend!

Negative Kritik

Das Inhaltsverzeichnis ist ein Schlachtfeld. Mir fehlen die Worte. Soviel brillanter Inhalt und dann dieses Chaos. Da tun die Augen weh. Der Suchscanner muss aktiviert werden, um mühsam das gesuchte Thema ausfindig zu machen. Man muss sich quasi durch das Buch wursten, um wirklich alles zu erfassen. Weiterhin stört es mich, dass hier zum x-ten mal Venus und Mars in ihrem Sternzeichen durchgekaut werden. Das haben wir alle schon vielfach gelesen. Auch wenn hier und da doch wieder überraschend neue Einsichten dazu kommen. Zum anschaulichen Partnerschaftvergleich wird nur ein einziges Beispiel erörtert. Schade, hätte ruhig mehr sein können. Was mir gleichermaßen nicht einleuchten will: warum werden im letzten großen Kapitel plötzlich Transite behandelt, wo doch das Buch laut Titel und Einleitung der Partnerschaftastrologie gewidmet ist? Transite, schön und gut. Aber das macht den Leser wieder nervös. Der Autor hätte die Themen auch schön auf zwei Bücher verteilen können: Stoff zum Schreiben hat er ja genug.

Fazit

Nichts für schwache Nerven und Ordnungsliebhaber. Hier ist kreatives Chaos Programm. Trotzdem bringt Arroyo in diesem Buch Themen auf den Punkt, wie es Astrologie-Kollegen selten gelungen ist: hier gelangen Sie zum berühmten AHA-Erlebnis!

Das Buch der Aspekte

, die das Leben schreibt

Das Buch der Aspekte von Robert Pelletier ist ein wichtiges Nachschlagewerk für Astrologen und “Sternengucker”. Der Autor gibt eine gute Einleitung, wo er zunächst mit seinen Worten beschreibt, welchen Stellenwert der Aspekt in der hat. Weiter geht´s in der Einleitung mit Vorstellung der . Die Orben der Aspekte ist unter Astrologen oft ein strittiges Thema, Robert Pelletier bezieht zu diesem Thema Stellung. Nach dieser kurzen und knackigen Einleitung geht es los. Zunächst werden die Konjunktionen beleuchtet. Pelletier gibt auch hier eine Hilfestellung, indem er beschreibt, wie er die Konjunktion deutet. Folgende werden im Aspekt behandelt: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars sowie die Langsamläufer wie Jupiter, Saturn, Neptun, Pluto. Der Aszendent im Aspekt zu den jeweiligen wird auch kurz gestreift – für meinen Geschmack wurde hier an Text gespart, da gerade der AC eine wichtige Rolle im einnimmt. Insgesamt werden folgende Aspekte beschrieben: Konjunktionen, Sextile, Quadrate, Trigone, Quinkunxe und Oppositionen.

Mein Fazit

Das Buch der Aspekte erinnert vom Stil, von der Strukturierung und vom Layout sehr an das Buch der von . Es ist quasi genauso aufgebaut, mit dem Unterschied, dass es hier um Aspekte geht. 346 Seiten für ein schnelles Nachlesen, wenn man gerade im Radix nicht weiter kommt. Das Buch ist seitlich grau markiert, so dass man leicht mit einem Handgriff sofort zum gesuchten Aspekt kommt. Insgesamt ist das Buch eine Form Lexikon. Es ist keine Literatur zum Studieren. Anfänger in der Astro-Welt sollten davon lieber die Finger lassen – weil man ohne Vorkenntnisse nicht versteht, worum es geht.

Zunächst sollte jeder Astro-Neuling begreifen lernen, wie man die Aspekte berechnet und was sie im Kern aussagen. Wer in seinem Studium zu früh zu diesem Buch greift, wird bald dazu tendieren, schnell falsche Rückschlüsse zu ziehen und pauschal zu deuten. Immerhin handelt es sich hier um ein Nachschlagewerk – eine schnelle Hilfestellung. Den tieferen Sinn der Aspekte sollte man im langen Studium eigens Unterstützung eines erfahren Mentors erarbeiten. Im großen und ganzen ist das Buch eine gute Hilfe. Ich persönlich arbeite nicht mit dem Quinkunx, also hätte er von mir aus auch nicht erwähnt werden müssen. Was ich jedoch vermisse, ist die Erwähnung von Chiron und Lilith. Diese zwei Sonderlinge sind schwer greifbar. Deshalb alleine schon hätte ich mir gewünscht, dass sich der Autor hier traut, Aspekte mit Chiron und Lilith zu deuten. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen. Es steht seit Jahren in meinem Bücherregal und ist eines der strukturstärksten Astro-Bücher, die ich kenne.

Das Buch der Transite

Nicht nur für Stars und Sternchen..

Das Buch der von Robert Hand ist ein gutes Werkzeug für jeden Astrologen oder für Leute, die im Bereich schon über Grundwissen verfügen.

Zunächst wird die Transitdeutung genaustens beschrieben, Robert Hand geht dabei auch auf die Häuserstellung ein. Im zweiten Kapitel geht es um die Zeitbestimmung von Transiten. Hier wird es schon sehr mathematisch! Ich empfehle an dieser Stelle eine gute Horoskop Software, die man manuell exakt einstellen kann. So spart man sich die Rechnerei.

Das heiße und selten aufgegriffene Thema “Geburtszeits-Korrektur” wird in diesem Kapitel beleuchtet. Im dritten Kapitel lesen wir die Fallstudie “Nixon und Watergate”. Ab Kapitel vier geht es ums Eingemachte: Endlich kommen die zum Zuge. Es geht los mit der Sonne. Zu Beginn wird die Bedeutung der transzendierenden Sonne erläutert. Folglich erfahren wir die Bedeutung der Sonne in den Häusern eins bis zwölf.

Nun geht Robert Hand alle durch, die die Sonne zu den Planeten bildet. Als Beispiel: Sonne Konjunktion Sonne = “Heute ist ihr Geburtstag..” Nach Aufzählung aller zu den Planeten kommt nun noch ein interessantes Extra: der Planet im Aspekt zum AC und MC wird hier erläutert. Sehr schön! Es werden die traditionellen angesprochen: Konjunktion, Sextil, Quadrat, Trigon und Opposition. Auf diese Weise wird das auch mit den anderen Planeten Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto durchexerziert.

Mein Fazit

Das Buch ist sehr nützlich und ein gutes Nachschlagewerk für jeden, der sich gerne mit Astrologie beschäftigt. Allerdings muss ich auch eine Warnung aussprechen: Das ist keine Hilfe für Astrologie Anfänger. Wer die Grundbausteine der Astrologie nicht verstanden hat, wird beim Aufschlagen dieses Buches die berühmten drei Fragezeichen sehen.

Weiter geht´s mit meinem Lob: kompaktes Wissen verteilt auf 579 Seiten. Das Buch ist Lexikon-artig und erlaubt ein schnelles Nachschlagen, wenn man gerade mal darauf zurückgreifen muss. Die Seiten sind ab Kapitel vier seitlich grau markiert, so dass damit die Suche noch weiter erleichtert wird. Was manche vermissen dürften: es werden Halbaspekte nicht berücksichtigt. Ebenso geht Robert Hand nicht auf Lilith und Chiron ein – obwohl das gerade das Sahnehäubchen sein könnte – zumal diese beiden Exoten in kaum einer Astrologie Literatur wirklich ihren dankbaren Platz finden.

Das Buch der Transite ist somit kein Werk zum Lernen und Studieren, sondern vielmehr als Lexikon gedacht. Jeder Aspekt wird zwar beleuchtet, letztendlich geht´s aber nicht in die Tiefe (bei ca. 1/2 Seite pro Aspekt nicht verwunderlich). Ich kann das Buch empfehlen, da es gerade wegen der leichten Handhabung ein super Begleiter im Alltag ist.

Erfolgskontrolle von Events und Sponsoring

Instrumente für die Evaluation ihrer Werbewirkung

Im Vorwort nimmt der Autor uns auf eine imaginäre Reise in einem der luxuriösen Tourbusse der Stars mit. Die Ausstattung ist komfortabel, die gereichten Drinks und Snacks lecker, der Service spitzenmäßig. Das Ziel des Busses ist jedoch niemandem bekannt, denn es ist nicht definiert, festgelegt, niedergeschrieben.

Und Björn Castan hat recht, wenn er dieses Bild mit der heutigen Praxis von Events und Sponsoring vergleicht. Denn auch hier ist es eher die Ausnahme als die Regel, Ziele vor dem Engagement zu definieren und im Verlauf des Projekts und am Ende zu kontrollieren, ob die Ziele denn auch erreicht wurden.

Das Buch richtet sich an Marketing- und Budgetverantwortliche, an Entscheider und Unternehmer, die mit diesem Buch die Werkzeuge erhalten sollen, die Wirkung von Events und Sponsoring zu evaluieren, Aufwand und Ertrag miteinander ins Verhältnis zu setzen und an Praktiker, die sich beruflich mit Events und Sponsoring beschäftigen.

Damit hat das Buch den Anspruch, zu einer Pflichtlektüre für Führungskräfte der Agenturen zu werden, die Events ausrichten, initiieren oder vermarkten. Natürlich müssen sie mit jeder Veranstaltung nachzuweisen, dass sie ihre Honorare wert sind.

Der Autor geht systematisch von der definitorischen Abgrenzung von Events und Sponsoring , größtenteils hinterlegt mit gut recherchierten Zahlen vor und bildet die Evaluation als ganzheitliches Element des Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) ab. In klar strukturierten Kapiteln, für den eiligen Leser in Kästen und Grafiken zusammengefasst kommt er sehr schnell zu dem Schluss, dass Marketingverantwortliche auch hier zu einer zielorientierten Planung kommen müssen, wollen sie nicht zwischen den Fronten innerhalb und außerhalb des Unternehmens zerrieben werden.

Einige seiner Beispiele scheinen mir persönlich banal, aber dabei beschleicht mich der Verdacht, dass viele, die sich mit Events auf Unternehmens- oder Agenturseite beschäftigen, auch ganz einfache Tools der Evaluation bisher nicht benutzen. Es sei Castan hier also hoch angerechnet, dass er auch diese Basics hier noch einmal aufführt. Das Kapitel 5 über Ziele für Events und Sponsoring endet mit der Binsenweisheit: „Eindeutig definierte, erreichbare und messbare Zieldefinitionen sind eine unabdingbare Voraussetzung für jede Form der Evaluation.“

Ich höre schon wieder die Besserwisser, die sagen „Natürlich, weiß doch jeder“. Und dann mache ich mir den Spaß, sie nach der Umsetzung zu fragen. Wird was kommen?

Fazit

Das Buch wird einen festen Platz auf meiner Literaturliste finden und anhand seiner werde auch ich meine Vorlesungen zum Eventcontrolling überarbeiten. Ich kann es jedem aus der Zielgruppe nur wärmstens empfehlen.

Das Buch ist als Band 21 in der Reihe KulturKommerz des Erich Schmidt-Verlages, Berlin im Dezember 2010 erschienen und zum Preise 34,95 € lieferbar.

Der Autor Dr. Björn Castan hat an der Universität Hamburg Betriebswirtschaft studiert und ist heute Vorstand der United Research AG, Hamburg.

Meerschweinchen

Meerschweinchen – Tierratgeber vor Immanuel Birmelin

Inhalt
Dieses Buch ist ein Ratgeber für alle Meerschweinchen-Halter bzw. für die, die es werden wollen. Es wird alles erklärt, was man wissen muss, dass es dem kleinem Nager gefällt und dass er gesund bleibt. Das Buch ist in vier große Kapitel eingeteilt, die hier einzeln kurz vorgestellt werden:

  • Mehr Sein als Schein: Hier geht es ersteinmal um Meerschweinchen ganz allgemein, wie sie leben und wie ihr Alltag so aussieht.
  • Willkommen zu Hause: In diesem Kapitel werden Fragen beantwortet, wie: Wo fühlt sich das Meerschweinchen am Wohlsten, was braucht es im Käfig, wie groß muss er sein, ist ein Freigehege notwendig, wie werden Meerschweinchen zahm und was ist, wenn sie Eltern werden?
  • Die Wohlfühl-Garantie: Hier wird beschrieben, was Meerschweinchen brauchen, um sich wohlzufühlen, das ist insbesondere das richtige Essen und Trinken, die Pflege und was zu tun ist, wenn das Meerschweinchen krank wird.
  • Beschäftigung hält fit: Meerschweinchen brauchen Bewegung und Beschäftigung. Wie man das am Besten macht und was es zu Beachten gibt, kann man in diesem Kapitel nachlesen.

Somit hat man einen guten Überblick über die kleinen Nager und das Wort Ratgeber kann man hier wörtlich nehmen!

Meine Meinung
Meine Meinung zu diesem Buch ist ziemlich eindeutig: Es ist wirklich klasse! Es wird alles, oder sagen wir fast alles, was man wissen muss, erklärt und auch vertieft. Es blieben nur wenige Fragen offen und ich bin froh, dass ich mir das Buch gekauft habe, bevor ich mir Meerschweinchen angeschafft habe, denn sonst hätten sie es heute nicht so gut!

Ich kann also jedem, der sich ein Meerschweinchen anschaffen will, raten dieses Buch zu kaufen. Sie werden viel lernen und viele Tipps bekommen. Ich spreche (oder schreibe :-) ) aus Erfahrung!

Damit das ganze auch noch etwas schöner aussieht, ist der kleine Ratgeber noch mit zahlreichen Fotos und Bildern ausgestattet. Diese sind natürlich farbig und schön anzuschauen. Außerdem können sie ebenfalls eine Hilfe sein, wenn es beispielsweise um das Einrichten des Käfigs geht!

Der Schreibstil ist leicht verständlich und gerade Laien, für die dieses Buch ja auch gedacht ist, können es gut verstehen! Ich kann wirklich keine negativen bei diesem Buch finden, aber das ist doch auch gut so!

Fazit
Das Fazit freut sich, denn es darf eine eindeutige Kaufempfehlung aussprechen. Der Ratgeber ist wirklich super hilfreich und sollte bei einem Meerschweinchen-Halter nicht fehlen!

Aber natürlich ist es auch für Nicht-Meerschweinchen-Halter eine spannende Lektüre, wenn man sich für Meerschweinchen interessiert.

Frankreichs Süden mit dem Wohnmobil

Frankreichs Süden mit dem Wohnmobil – Traumtouren von der Cote d’Azur bis zum Atlantik von Markus Ott

Inhalt
Markus Ott gehört zu den Menschen die gerne Abwechslung im Urlauberleben haben und zudem noch ein Hundebesitzer ist, der im Urlaub seine beiden Vierbeiner nicht missen möchte und dadurch auch zum Wohnmobilurlauber wurde. Beruflich tätig laut seiner Vita ist er seit fast 30 Jahren als Journalist für Zeitung, Radio und Fernsehen in den Medien tätig. Mit diesem Buch hat er das für Ihn Angenehme mit dem Nützlichen verbunden und einen kleinen bisweilen feinen Reiseführer geschrieben.

Wie der Titel des Buches bereits aussagt, beschreibt er Touren die alle im Süden Frankreichs liegen. Er hat 5 Routen zusammengestellt, die, je nach eigener Schnelligkeit ca. 6 – 8 Tage dauern. Diejenigen, die möchten können auch alle Routen als Rundreise in einem Stück abfahren, da eine Route an die nächste Route anschließt. Seine Tour fängt am Genfer See an und führt über die Route Napoleon an die Cote d’Azur. Von dort geht es entlang des Mittelmeers zur Cote Vermeille mit Blick auf die Pyrenäen. Eine weitere fängt am Fuß der Pyrenäen an und führt zum Atlantik um von dort über Biarritz schnurgerade parallel zum Atlantik hoch am Cap Ferret vorbei und in Gironde angelangt. Die letzte und längste Tour lässt den Urlauber die französischen Weinanbaugebiete und die Bergwelt der Auvergne durchqueren um an der Loire zu enden.

Im Buch beginnt jede Etappe mit denn Infos über Start und Ziel, sowie Streckennamen, Streckenlänge, beste Jahreszeit und der Gesamtfahrzeit sowie dem entsprechen Kartenausschnitt mit Einzeichnung der Route, auch in einzelnen Abschnitten pro Seite. Eine komplette Route ist auf zwei Seiten am Ende des Buches übersichtlich dargestellt. Besondere kulturelle Information sind auf den entsprechenden Seiten beigefarben eingefärbt.

Fazit
Für uns, die noch nie in Frankreich und noch nie ein Wohnmobil gelenkt haben, hat dieses Buch die Voraussetzungen erfüllt, denn wir haben alles erhalten was wir wollten. Ideal auch die Kombination Hundebesitzer als Autor. Auch wenn Wohnmobilfahrer nicht unbedingt auf Campingplätzen übernachten möchten, so wäre es doch hilfreich gewesen, im Buch zu erfahren, dass viele keinen Hund während der Hauptsaison auf ihrem Gelände wünschen.

Wir hatten Glück und unser Hund durfte sich auf den jeweiligen Campingplätzen frei bewegen. Wir sind zwar Individualisten, aber als Anfangsindividualist einen roten Faden zu haben empfanden wir als sehr hilfreich, besonders in Bezug auf die Stellplatzsituation und teilweise schlechte Beschilderung im Süden Frankreichs. Es ist so etwas wie ein Grundgerüst, Strecke und mögliche Stellplätze und ein bisschen kulturelle Information kann nie schaden. Zum Schluss muss man aber sagen, dass es für Frankreichkenner kein interessantes Buch ist.

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Denn sie wissen nicht, was sie tun: Genießen als ein politischer Faktor von

Inhalt
Das diskursive Instrumentarium dessen sich Slavoj Zizek bedient, um sein eigenes Oevre zu schaffen, speist sich nicht nur aus Hegel und Lacan, sondern auch aus Marx und Freud, Rosselini, Hitchcock und Frankenstein (!). Sein keineswegs „obskurer Jargon“, um ihn selbst zu paraphrasieren, verbindet die Philosophie des 19. Jahrhunderts mit der Populärkultur des 20. Jahrhunderts, was ihn auch etwas zum „trendy“ Philosophen macht. Manchmal helfen dem gewitzten Philosophen auch Märchen, um seine fantastischen Theorien zu entwickeln und zum Schwingen zu bringen.

„Man lasse dem Kaiser seine Kleider“ benutzt Zizek gleich im ersten Aufsatz als Titel, um dem werten Leser Begriffe wie „Entfremdung“, „der große Andere“ und ähnliches näher zu bringen und ihn in seine Terminologie einzuführen. Das Subjekt, das diese Veränderungen wahrnimmt, bezeichne „jenen virtuellen Punkt, in dem die Reflexion selbst in die `Realität´ zurückgespiegelt wird“. Der Kaiser glaubt nur deswegen an sich, weil die anderen es ihm abnehmen, stünde er nackt vor ihnen, das bedeutet ohne die Insignien seiner Macht, wäre er ein Bauernlümmel wie jeder andere auch. Oder doch nicht?

Bodhisattwa oder der Akt des höchsten Opfers
„Je crais Dieu, cher Abner, et n‘ai point d’autre crainte“ („In Gottes Willen muss ich stille, mich ergeben, Ihm, Abner, beug` ich mich, um sonst vor nichts zu beben.“), lautet die Formel in Jean Racines „Athalie“ und nur durch die Gottesfurcht könnten alle andere Ängste gebannt werden, schreibt Zizek. Sie verlieren ihren Schrecken, da Gott von ihnen weiß und mir nur jene Prüfungen sendet, die gut für mich sind. Ist es das, was den Gehalt von Marxens „Opium fürs Volk“ ausmacht? Die Gottesfurcht kehre durch das Wunder des „point de capiton“ (Steppunkt) den Charakter aller anderen Ängste retroaktiv um und im Handumdrehen würden alle anderen Ängste in Tapferkeit umgewandelt werden.

Folgerichtig sei Gott also nur eine weitere Furcht, die alle anderen ausstreiche. In einer Lacan’schen Gleichung liest sich dann es sich dann vermeintlich einfacher, mathematisch oder vielleicht doch etwas komplizierter: „Ein Signifikant (S1) repräsentiert für einen anderen Signifikanten (S2) seinen Mangel, seinen Mangel $, der das Subjekt ist.“ Der gebarrte, durchgestrichene Signifikant $ repräsentiere die Abwesenheit oder die Anwesenheit des Gegensatzes. Für S1 und S2 repräsentierten der jeweils andere das Leere seiner möglichen Abwesenheit, wobei jede signifikante Repräsentation eine Fehl-Repräsentation sein muss, da sie das Subjekt verschiebt und entstellt. Einfacher ausgedrückt kann dieser Circulus vitiosus durch die Worte: „Du würdest nicht nach mir suchen, hättest du mich nicht schon gefunden.“

In seiner Reinform erscheint dieses Paradoxon im Bodhisattwa des Mahayana-Buddhismus. Selbst wenn der  Bodhisattwa den Weg ins Nirvana gefunden hätte, dürfte er nicht dorthin gehen, weil es einen selbstsüchtigen Akt darstellen würde. „Der Bodhisattwa vollzieht den Akt des höchsten Opfers, indem er seinen eigenen Eintritt ins Nirvana um der Erlösung der Menschheit willen aufschiebt.“ Die Befreiung ist zwar in ihm schon anwesend, aber nur als Potential, als „reine Möglichkeit, die für immer aufgeschoben bleiben muss“.

Die letzte Romantik der Polizeimacht
Die Lacansche „Negation der Negation“ führt Zizek noch in demselben Artikel zur Entdeckung, dass die wahre Transgression in zitiertem „Athalie“ von Racine das Gesetz sei und nicht die gewöhnlichen, verbrecherischen Transgressionen. In einer Welt des Verbrechens und Terrors, stecke mehr emanzipatorisches Potential in der Befolgung der Gesetze als in deren Bruch. „Die einzig wahre Transgression, das einzig wahre Abenteuer, dasjenige, welches alle anderen Abenteuer in Spießbürgertum verwandelt, ist das Abenteuer der Zivilisation; der Verteidigung des Gesetzes selbst.“, schreibt Zizek wohl in Anlehnung an G.K. Chesterton. „Die Romantik der Polizeimacht“ ist demnach die ganze Romantik des Menschen.

Sie ruht in der Tatsache, dass die Rechtschaffenheit, die dunkelste und gewagteste aller Verschwörungen ist.“ („Verteidigung des Unsinns, der Demut, des Schundromans und anderer missachteter Dinge“, Olten 1945, G.K. Chesterton). Die Verbrecher würden sich nur in dem gewöhnlichen bürgerlichen Diskurs des Besitzdenkens und Anhäufens von Besitz bewegen, während der Meisterdetektiv, die Mechanismen durchbricht, als Libertär das Gewöhnliche durchbricht und auf Abwegen die verkniffensten Fälle löst. Alles das, weil er sich der bürgerlichen Gesellschaft und ihren Sachzwängen gerade nicht unterwirft.

Das Begehren nach dem Begehren selbst
In einer anderen Vorlesung (das Buch basiert auf sechs, jeweils dreistündigen Vorlesungen, die nach dem Umbruch, im Wintersemester 1989/1990 an der Universität von Ljubljana gehalten wurden) über Wittgenstein, „entlarvt“ Zizek diesen als Hegelianer und erklärt das Begriffsrepertoire von Hysterie, Gewissheit und Zweifel. Identität sei das paradoxe Zusammenfallen eines Dings mit seinem eigenen, leeren Ort. Das Dilemma sei die subjektive Position eines Hysterikers und dessen Kennzeichnung. Einem Asketen sei es völlig unmöglich, sich seinem Körper völlig zu verweigern, also bleibe ihm nur  das Verkörpern der Verweigerung, das heißt die „Organisation seines körperlichen Lebens als ständige Verleugnung und als Verzicht“.

Seine Praxis subvertiere damit seine theoretische Position, da er nunmehr ständig damit beschäftigt ist, seinen Körper zu befrieden, anstatt eine gleichgültige Distanz zu ihm einzunehmen. Hysterie sei die körperliche Inszenierung einer rhetorischen Figur, der Mensch wisse nicht was er wirklich wolle, da sein Begehren als Sprachwesen stets gehemmt und konstitutiv unbefriedigt sei. Die hysterische Konversion bewirke nun, dass aus dem gehemmten Begehren, das Begehren nach Hemmung entstehe, das unbefriedigte Begehren in das Begehren nach Unbefriedigtheit. „Die Tatsache, dass „wir nicht wissen, was wir wirklich wollen“ konvertiert das Begehren, nicht zu wissen, in das Begehren nach Unwissenheit.“ Da das Begehren unbefriedigt bleibt, bleibt es aber auch lebendig. Das Begehren ist immer also auch ein Begehren nach dem Begehren selbst. Die „Metonymie des Nichts“ (Lacan) sei dann das Verbleiben beim Negativen, nicht als Gegenteil des Positiven, sondern gerade als ein Teil, ja geradezu einer Materialisierung der Negativität.

Der Andere als Täuschung, Verlust als Chance
Die Reflexionsbestimmung eines Objekts erlaube es uns dann, sich selbst im Umgehen mit den Eigenschaften des Objekts zu betrachten, es gehe also vielmehr um den Umgang mit der Wahrheit, als um das Eindringen darin. „Man erlangt Zutritt zum Bereich der Wahrheit, indem man zurücktritt und der Versuchung widersteht, in ihn direkt einzudringen.“ Das eigene verloren geglaubte Wissen werde auf ein Objekt, das das vermeintliche Wissen besitzt übertragen und somit der eigene Verlust eine Bedingung unsere Übertragung auf den anderen. „Als Subjekt bin ich niemals dort, wo ich denke“, sondern dort wo ich handle.

„Vernunft ist die absolute Form, außerhalb der kein Inhalt besteht.“, konstatiert er schließlich. „Das Objekt selbst ist in einem gewissen Sinne die inkarnierte Nicht-Wahrheit; seine innerste Präsenz füllt ein Loch im Felde der `Wahrheit´ aus, und das ist der Grund, warum der Übergang zur `Wahrheit´ eines Objektes dessen Verlust nach sich zieht, die Auflösung seiner ontologischen Verfassung.“ Der Weg zur Wahrheit ist Teil der Wahrheit selbst, wie es Hegel formulierte. Einer Täuschung sitzen wir allemal auf, wenn wir glauben, etwas besitzen zu können.

„Man wird getäuscht, insofern man denkt, dass das Vorgefundene schon vor seinem `Verlassen´ bestand – insofern man denkt, dass man einmal vor dem Verlust in Besitz dessen war, was durch die Reflexion verlorenging. Man wird also hinsichtlich der Tatsache getäuscht, dass man niemals das durch die Reflexion Verlorgenengegange besaß.“ Bald entdeckt das Subjekt, dass es von Anfang an keinen Halt im Anderen gab, dass es selbst die „entdeckte“ Bedeutung erzeugte, schreibt Zizek. Die weiteren Vorlesungen Zizeks, die in diesem Band zusammengefasst wurden, beschäftigen sich mit dem „Unbehagen in der Dialektik“, der „aussschweifenden Identität“, Lalangue, die „List der Vernunft“, de Sade und Kant, Berchts Versagung, Foucault und Hegels Monismus.

Fazit
Wer Trost sucht in bitteren Zeiten, wird auch in dieser Publikation von Slavoj Zizek, das finden, was er gar nicht zu suchen wusste. Wie immer ein delikates Lesevergnügen, für Lacanianer und solche die es noch werden wollen.

Die kleine Fotoschule

Die kleine Fotoschule von Christoph Prevezanos

Inhalt
Sie sind Hobbyfotograf und fotografieren viel und gerne, dann liegen Sie mit „Die kleine Fotoschule“ genau richtig. Hier erfahren Sie eine Menge über Kameras und wie Sie die Motive richtig einfangen. Das Buch ist in acht Kapitel mit zahlreichen Untertiteln gegliedert. Der erste Teil ist den Grundlagen der Fotografie gewidmet und erklärt die Unterschiede zwischen Kompakt-, Bridge-, Spiegelrelex- und Digitalkamera. Sie erfahren, wie Sie Blende und Verschluss steuern oder das richtige Belichtungsprogramm für Ihre Motive wählen. Teil zwei befasst sich dann mit der Digitalkamera, die ihren Siegeszug bereits angetreten hat. Der Autor schildert genau, welches Dateiformat zu wählen ist, wie Sie Dateien komprimieren können und wann dies sinnvoll ist.

Sie erfahren, wie sich die Auflösung der Kamera verändern und die ISO-Empfindlichkeit anpassen lässt, wann Sie den Autofokus einsetzen oder den Fokus besser manuell einstellen. Nach diesen zwei Grundlagenkapiteln geht es um Aufnahmen von verschiedenen Motiven und auf was dabei zu achten ist. Zunächst stehen Menschen und Porträts im Mittelpunkt. Der Autor erläutert, wie Sie etwa einen störenden Hintergrund durch Unschärfe ausblenden, sofern er sich nicht verhindern lässt, oder wie Sie kleine Schönheitsmakel beim Ablichten verdecken. In Kapitel vier geht es um Landschaften und Gebäude, und wie Sie diese eindrucksvoll einfangen. Hier erfahren Sie, wie Sie den Horizont als Bildteiler einsetzen oder aus dem Stand oder der Hocke fotografieren. Der Autor erläutert, worauf bei Sonne oder Schnee zu achten ist, wie sich nebelige Stimmungen einfangen lassen und wie das Hoch- und Querformat richtig eingesetzt wird.

Sie möchten Makroaufnahmen von Gräsern und Blüten machen? Auch das ist kein Problem. Sie erfahren genug darüber, etwa wie Sie Details aufzeigen, Schärfentiefe erzielen, die Perspektive verändern oder richtig beleuchten. Kapitel sechs zeigt auf, wie sich Bewegung im Bild festhalten lässt, was nicht immer ganz einfach ist, sei es nun ein Flugzeug am Himmel oder Motorradfahrer auf der Straße. Ebenso wird erläutert, worauf Sie achten müssen, wenn Sie Sportler in einer Halle ablichten. Der vorletzte Teil beschäftigt sich mit Fotografieren in besonders schwierigen Situationen, etwa dem Versuch, einen Sonnenuntergang im Bild festzuhalten oder gelungene Innenaufnahmen von Kirchen zu machen. Zum Schluss geht es ums Fotografieren bei Nacht und um die besten Tipps dazu. Zum Beispiel, wie Sie angestrahlte Gebäude stimmungsvoll wiedergeben oder ein Feuerwerk ablichten, und wie Sie mit dem Stativ arbeiten. Ein Stichwortverzeichnis rundet „Die kleine Fotoschule“ ab.

Fazit
Das Buch ist leicht verständlich geschrieben und übersichtlich aufgebaut. Sie können es von vorne bis hinten lesen oder die Kapitel auswählen, die Sie interessieren. Die zahlreichen Abbildungen veranschaulichen das geschriebene Wort. Einem Profifotografen bietet es vermutlich nicht allzuviel Neues. Aber Leute, die nur privat fotografieren und eine bessere Qualität wünschen, kann es nur empfohlen werden, zumal es nicht allzu teuer ist und sich wirklich leicht lesen lässt.

Mein schwarzer Hund

Mein schwarzer Hund: Wie ich meine Depression an die Leine legte von Matthew Johnstone

Inhalt
„Mein schwarzer Hund“ von Matthew Johnstone ist ein kleines Bilderbuch, das sich im Gegensatz zu „klassischen Bilderbüchern“ ausschließlich an Erwachsene richtet. Dabei behandelt das Bilderbuch ein Thema, welches sonst in Bilderbüchern nur selten zur Sprache kommt: Depressionen und den Umgang mit depressiven Menschen. Dabei verzichtet das Buch auf viele Worte, da die Bilder alleine schon für sich selbst sprechen und deutlich zeigen, was eine Depression ausmacht und wie Hilfe für Betroffene aussehen kann. Die Bilder in „Mein schwarzer Hund“ werden von einem ebensolchen schwarzen Hund dominiert, der stellvertretend für die Depression steht.

Zu Beginn des Buches ist dieser Hund noch relativ klein, doch im weiteren Verlauf des Buches wächst der Hund zu übermenschlicher Größe heran. Bildlich verdeutlicht dieses Wachstum des Hundes, was passiert, wenn eine Depression nicht behandelt wird: Die Depression wird von Tag zu Tag schlimmer, die negativen Gedanken häufen sich, bis irgendwann selbst die einfachsten Aufgaben im Alltag zu unlösbaren Herausforderungen werden. Doch dann schrumpft der schwarze Hund auch wieder, die Symptome der Depression klingen also schleichend ab. Das Buch zeigt, dass dies niemals von ganz alleine geschieht, sondern dass eine Heilung der Krankheit immer nur durch die richtige Behandlung möglich ist.

Ein außergewöhnliches Bilderbuch über ein wichtiges und dennoch häufig verdrängtes Thema
Depressionen sind nach wie vor ein Phänomen, welches in der Literatur nur selten zur Sprache gebracht wird. Und in der Gesellschaft sind Depressionen leider immer noch allzu häufig ein Tabuthema. Die Krankheit wird meist totgeschwiegen, oder die von der Krankheit betroffenen Personen werden nicht ernst genommen. Dass dieses „Kleinreden“ der Krankheit genau der falsche Ansatz ist, um die Krankheit zu heilen, zeigt Johnstone in „Mein schwarzer Hund“ immer wieder sehr deutlich.

Er erklärt, warum es für die Betroffenen so wichtig ist, von Ihren Angehörigen und Mitmenschen ernst genommen zu werden und trotz der Krankheit noch als wertvolle Menschen wahrgenommen zu werden. Dafür benötigt Johnstone keine seitenlangen Erklärungen, sondern er beschränkt sich auf einige kurze aber sehr prägnante und stets treffende Erläuterungen, die die Botschaft der Bilder noch einmal unterstreichen.

Dabei ist eine solche Erklärung der Bilder in den meisten Fällen gar nicht unbedingt nötig, denn die Bilder sind durchweg so gut illustriert, dass sie auch allein ausreichen würden, um zu zeigen, was eine Depression ausmacht, was an einer Depression so gefährlich ist, wie Betroffenen geholfen werden kann und welche „gutgemeinten“, aber dennoch falschen Ratschläge und „Tipps“ in jedem Fall vermieden werden sollten.

Fazit
„Mein schwarzer Hund: Wie ich meine Depression an die Leine legte“ ist ein absolut gelungenes Bilderbuch, dem es auf nicht einmal 50 Seiten gelingt, für Laien verständlich darzustellen, was eine Depression ist und wie die Krankheit geheilt werden kann – auch jeder medizinische Laie versteht ganz genau, was die Bilder ausdrücken sollen. Darüber hinaus gelingt Johnstone das seltene Kunststück, gerade da zum Lachen anzuregen, wo es eigentlich nicht angebracht wäre – ohne dabei auch nur einmal in den Bereich von platten Klischees abzugleiten. Kurzum: Ein absolut gelungenes Bilderbuch zu einem gerade heute überaus wichtigen Thema!

These Strange German Ways

These Strange German Ways – The New Book von Susan Stern

Hintergrund
Vor fast 40 Jahren veröffentlichte der noch heute existierende gemeinnützige Verein „Atlantik-Brücke“, der sich um die deutsch-amerikanische Freundschaft kümmert, ein kleines Heftchen namens „These Strange German Ways“, in dem er Nicht-Deutschen (vorzugsweise Amerikanern) eben die Besonderheiten und Eigenschaften der Deutschen aus Sicht eines Ausländers schildert. Diese kleine Broschüre wurde schnell der Topseller des Vereins, und 1999 wurde aus dem kleinen Heftchen in überarbeiteter Form ein Buch mit dem gleichen Thema und Karikaturen zu den einzelnen Themen. Das Buch enthält 128 Seiten, zahlreiche Karikaturen und einen zweiseitigen Index. Der leichteren Verständlichkeit werden die Inhalte im Folgenden ins Deutsche übertragen, die Sprache des Buches ist jedoch Englisch, allerdings ist das Buch auch in Deutschland erschienen und noch erhältlich.

Inhalt
Die Autorin, eine in Großbritannien geborene, aber in den USA aufgewachsene Frau, die heute in Frankfurt lebt, schildert die aus Ihrer Sicht schrulligen Eigenschaften der Deutschen in den folgenden Kapiteln:

01. Die Kunst, Deutscher zu sein
02. Kinder, Frauen…und Männer
03. Zuhause in Deutschland
04. Im Büro
05. Eine ordentliche Welt
06. In Kontakt kommen
07. Unterwegs
08. Hotels
09. Restaurants
10. Shopping
11. Freizeit
12. In der Fremde zu Hause
13. Ein Land der Regionen
14. Traditionen
15. Sonstige Seltsamkeiten

Die Autorin beginnt ihr Buch mit einer Einführung über Deutsche allgemein, und das wichtigste Kennzeichen sei – nicht verwunderlich – die absolute Fixierung auf Zeit (Pünktlichkeit) und Ordnung. Deutsche würden, sobald etwas Unvorhergesehenes eintrete (was sie überhaupt nicht leiden können) sofort daran gehen, und die Ordnung wiederherstellen. Die damit einhergehende Karikatur zeigt eine Putzfrau mit Staubsauger in den Trümmern nach dem 2. Weltkrieg. Auch die deutsche „Gemütlichkeit“ und das Bedürfnis danach, wenn alles sauber abgewaschen und an seinem Platz sei, wird beschrieben und von einem niedlichen Cartoon von in Reih und Glied gepflanzten Tulpen am Gartenweg, wenn der Mann nach der Arbeit nach Hause kommt, begleitet.

Spezifisch für Deutsche sei auch der Respekt vor Eigentum und dass dieses von Deutschen sehr gehegt und gepflegt werde – sogar Paperback-Taschenbücher würden mit Respekt behandelt (hier kann die – deutsche – Rezensentin nur staunend anmerken: Selbstverständlich werden Bücher gut behandelt, warum sollte man sie bewusst nachlässig behandeln und kaputtmachen?). Ein Punkt, den die Autoren ebenfalls wirklich gut beobachtet hat, ist die Tatsache, dass Tiere, insbesondere Hunde, in Deutschland fast wichtiger genommen werden als Kinder. Man solle aufpassen, dass unter dem Tisch vielleicht gerade der Dackel des Nachbarn sitzen könnte oder man sich am Schäferhund am Eingang vorbeiquetschen müsse, während Kinder zu gehorchen hätten und nicht laut sein dürften.

Neben den schrulligen Charaktereigenschaften gibt die Autorin auch praktische Tipps, wie man etwa eine Wohnung mietet, wie ein Mietvertrag abgeschlossen wird, beschreibt die Du- und Sie-Form der deutschen Sprache etc. (leider ist bei der überarbeiteten Ausgabe von 1999 noch die alte Form „Fräulein“ mit beschrieben, die es in Deutschland ja schon seit Jahren gesetzlich nicht mehr gibt). Interessant ist auch die in der Tat wahre Unsitte der Deutschen, ein Kompliment immer abzuwerten, beispielsweise wenn man gesagt bekommt, man habe ein schönes Heim, dann laute die Antwort meist „Vielen Dank, aber…“ (in dem Fall etwa „Vielen Dank, aber wir müssen noch so viel renovieren“). Wenn man als deutscher Leser einmal genau über sich nachdenkt, dann wird man auch in diesen kleinen Beobachtungen viel Wahres entdecken.

Deutsche Service-Unfreundlichkeit (Öffnungszeiten, Servicementalität), deutsches Essen und viele andere Dinge werden ebenfalls mit viel Detail-Beobachtungsgabe beschrieben und mit den entsprechenden deutschen Begriffen (korrekt) ergänzt. Im Business-Kapitel beschreibt sie den deutschen Formalitätenwahn, dass alles „gestempelt und unterzeichnet“ sein müsse. Hier zeigt sich jedoch meines Erachtens auch – wie auch im letzten Kapitel – dass die anglo-amerikanische Autorin offenbar nicht viele andere Länder so genau kennt wie Deutschland, da es nach Erfahrung des Rezensenten zahlreiche andere Länder (wie Japan oder Paraguay) gibt, die sogar noch bürokratischer sind als Deutschland.

Im letzten Kapitel über „sonstige Seltsamkeiten“ hingegen zeigt sich sehr stark der anglo-amerikanische Hintergrund, wenn geschrieben wird, dass das metrische System sehr stur beibehalten werde oder die deutschen Zahlen seltsam seien (eine Milliarde sei eine Billion im Amerikanischen, während eine amerikanische Trillion der deutschen Billion entspreche) oder dass die Deutschen das Datum seltsamerweise in der Form Tag-Monat-Jahr und nicht Monat-Tag-Jahr schrieben, wie es doch die Amerikaner täten.

Fazit
Das Buch ist super lustig geschrieben und man bekommt als Deutscher auf nette Weise einen Spiegel vorgehalten. Man kann eigentlich nur lesen und dabei nicken, weil man sich selbst ertappt fühlt oder zumindest Leute kennt, die genauso sind, wie die Autorin es beschreibt. Schön ist, dass die Autorin kleine grau unterlegte Kästchen mit „Ergänzungen“ in den Text eingefügt hat. So stellt sie im Kapitel über die Zeit und Pünktlichkeit klar, dass sich viele Eigenschaften der Deutschen im Laufe der Zeit natürlich auch gewandelt haben und die Deutschen nicht mehr so pünktlich seien, auch wenn sie umgekehrt auf Pünktlichkeit nach wie vor viel Wert legen.

Die Karikaturen sind liebevoll gestaltet und bringen das Geschriebene auf den Punkt. Sie sind dabei nicht ehrverletzend, sondern wirklich lustig dargestellt! Dabei ist das Buch nicht nur für Nicht-Deutsche interessant, sondern auch umgekehrt für Deutsche, um zu wissen, was Ausländer über uns denken und was sie seltsam finden. Darüber hinaus sagt es aber gleichzeitig auch sehr viel gerade über Angelsachsen aus, wenn die Autorin bestimmte Dinge in Deutschland als merkwürdig einstuft, die fast überall auf der Welt so sind, nur eben nicht in den USA und in Großbritannien und einigen wenigen anderen Ländern – beispielsweise das von ihr als „stur“ bezeichnete metrische System.

Auch dies jedoch ist nicht nur sehr lustig dargestellt, sondern kann wirklich auch sehr gut helfen, umgekehrt die aus deutscher Sicht „komischen Amerikaner“ zu verstehen! Solche kulturellen Ratgeber sind daher, wenn sie wie hier, auf solider und fachlich korrekter Basis entstanden sind, immer empfehlenswert, nicht nur für Deutsche, die privat oder beruflich viel mit Ausländern zu tun haben, sondern auch für solche, die durch einen Urlaub, ein Studium oder eine Arbeitsstelle kurz oder länger im Ausland sind. Auch wenn einige Daten sehr einseitig aus amerikanischer Perspektive beschrieben werden (das ist aber ja auch der Sinn des Buches), kann es nicht schaden, zu wissen, was die Amerikaner oder Engländer seltsam an uns finden.

Seite < 1 2 3 4 5 >
rezension
rezensionen